Wenn Menschen in Not sind, zählt jede Sekunde. Deshalb sollte jeder neben der 110 für die Polizei auch die Notrufnummer 112 kennen. Am 11.2. war auch dieses Jahr der Tag des Notrufs. Eingeführt wurde er im Jahr 2009 vom Europäischen Parlament, dem Rat der Europäischen Union und der EU-Kommission. Sie haben gemeinsam und aufgrund der im Datum enthaltenen Notrufnummer (11.2.) den 11. Februar zum jährlichen Europäischen Tag des Notrufs 112 erklärt, um die europaweite Gültigkeit des Notrufs 112 sichtbarer und die Vorteile der europaweiten Notrufnummer bekannter zu machen. Die Notwendigkeit dazu besteht nach wie vor. Längst nicht alle kennen die Nummer. Eigentlich müsste der 11.2. auch der Tag des Rettungsdienstes sein, den es bisher nicht gibt, denn wer kommt, wenn diese Nummer gewählt wird? In den allermeisten Fällen ein Fahrzeug des Rettungsdienstes!

Schnelle Hilfe im DRK-Rettungswagen (Foto: Jörg F. Müller/DRK)

Schnelle Hilfe im DRK-Rettungswagen (Foto: Jörg F. Müller/DRK)

Trotz der Tatsache, dass die 112 unzählige Male jeden Tag in Europa gewählt wird, wissen doch viele Menschen nicht, wie man sich dann am besten verhält. Hier beschreibt das DRK, was ein Notfall ist und was bei und nach der Meldung eines Notrufs zu beachten ist. Unter der 112 sollte nur bei lebensbedrohlichen Erkrankungen oder schweren Verletzungen und bei Bränden angerufen werden, erklärt Heiko Jünger, Geschäftsführer der DRK Rettungsdienst Berlin gGmbH. „Wenn die 112 irrtümlich angerufen wurde, sollte man nicht einfach schnell auflegen. Sagen Sie, dass alles in Ordnung ist. Sonst wird vielleicht der Rettungsdienst losgeschickt, um zu prüfen, ob ein Notfall vorliegt“, so Jünger.

Was ist überhaupt ein Notfall?

Ein Notfall ist eine unvorhergesehene Situation, die die körperliche Unversehrtheit oder Gesundheit gefährdet. Das können z. B. ein schwerer Arbeits- oder Verkehrsunfall, ein starker Blutverlust, der Verdacht auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall sein. Aber auch andere lebensbedrohliche Situationen, die zu einer Beeinträchtigung des Bewusstseins, der Atmung oder des Herz-Kreislauf-Systems führen, sind Fälle für einen Notruf.

 Wie setzt man einen Notruf richtig ab?Diese fünf W-Fragen helfen bei der Meldung eines Notfalls:

  • Wo ist es passiert?Nennen Sie Straßennamen, Hausnummer und Bezirk, Name bzw. Firma und Art des Gebäudes. Müssen die Rettungskräfte ins Vorder- oder Hinterhaus? In welche Etage? Geben Sie Informationen zu möglichen Zufahrtswegen, die für die Rettungsfahrzeuge freizuhalten bzw. freizumachen sind.
  • Was ist passiert? Beschreiben Sie die Notfallsituation sowie Art und Anzahl der Verletzungen. Welche Symptome hat der Patient? Ist er bei Bewusstsein? Atmet er? Hat er Schmerzen? Kann er sich bewegen? Bei lebensbedrohlichen Krankheiten sollten Sie mitteilen, seit wann sich die Person in dem Zustand befindet. Gegebenenfalls wird neben einem Rettungswagen ein Notarztwagen oder Rettungshubschrauber alarmiert.
  • Wie viele Personen sind betroffen? Je nach der Anzahl der Personen werden unterschiedlich viele Fahrzeuge alarmiert.
  • Wer ruft an?Nennen Sie Ihren Namen und Ihre Telefonnummer, damit die Leitstelle den Anrufer ggf. nochmals kontaktieren kann.
  • Warten Sie auf Rückfragen. Legen Sie erst auf, wenn die Leitstellen-Mitarbeiter sagen, dass sie alle Informationen haben, die sie brauchen.

Das können Sie tun, bis die Rettungskräfte vor Ort sind:

Leisten Sie Erste Hilfe bis die Rettungskräfte eingetroffen sind:

  • Kontrollieren Sie Bewusstsein, Atmung und Kreislauf: Bei fehlender Atmung und Bewusstlosigkeit: Herz-­Lungen-Wiederbelebung.
  • Bei Atmung und Bewusstlosigkeit: Lagerung in der stabilen Seitenlage.
  • Betreuen Sie den Patienten psychisch, lassen Sie ihn nicht am Unfallort allein.
  • Sorgen Sie für den Wärmeerhalt durch Zudecken oder Unterlegen einer Decke.
  • Suchen Sie nach Verletzungen wie Blutungen oder Knochenbrüchen.
  • Fragen Sie nach Schmerzen oder weiteren Beschwerden.
  • Versorgen Sie Blutungen.
Ohne Atemschutzausrüstung wären viele Einsätze unmöglich. (Bild: Wikimedia Commons)

Ohne Atemschutzausrüstung wären viele Einsätze
unmöglich. (Bild: Wikimedia Commons)

Achten Sie im Rahmen des Selbstschutzes auf Gefahren, die auf die verletzte Person und Sie selbst einwirken können.

  • Wann ist es gerechtfertigt, einen Notruf abzusetzen? Ein Notruf ist gerechtfertigt, wenn die Situation nicht einzuschätzen ist, Lebensgefahr besteht oder Zweifel am Gesundheitszustand des Betroffenen vorliegen. Leider kommt es immer wieder zum Missbrauch der Notrufnummer 112. Täuschungsanrufe geschehen öfter als vermutet. Diese Vorfälle binden Ressourcen, die tatsächlichen Notfällen vorbehalten sein sollten.
  • Was ist unterlassene Hilfeleistung? Wer bei Unglücks- oder Notfällen keine Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und zumutbar ist, insbesondere ohne erhebliche Gefahr für sich selbst und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten, wird nach § 323c Strafgesetzbuch (StGB) mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Was zumutbar ist, hängt vom Einzelfall ab. Als Maßstab gelten mögliche Gefahren für den Helfenden innerhalb der Notfallsituation sowie dessen eigene psychischen und physischen Kräfte. Niemand verlangt, dass Ersthelfer Schwerverletzte verarzten.

Die Notrufnummer 112

Unter der Notrufnummer 112 können seit 2008 europaweit Feuerwehr, Rettungs- und Hilfsdienste gebührenfrei aus allen Fest- und Mobilfunknetzen in allen 27 europäischen Mitgliedstaaten alarmiert werden.

(HN/DRK Landesverband Berliner Rotes Kreuz e. V.)

 

Berliner Rotes Kreuz e. V.
Bachestraße 11, 12161 Berlin
Telefon: (030) 600 300
E-Mail: drk@drk-berlin.de