Feuer gehören kulturell zu tradierten Zivilisationstechniken der Landnutzung. Für manche Naturlandschaften ist das kontrollierte Abbrennen ein Teil des Verjüngungsprozesses. Jährlich wiederkehrende Brände in Trockengebieten sind jedoch mehr und unabwendbar geworden, da durch demographische und sozioökonomische Veränderungen das Gleichgewicht zwischen Natur, Mensch und Feuer gestört ist. Waldbrände, Wild- und Untergrundfeuer bedrohen nicht nur Menschen und deren Heimat, sondern auch die Ökonomie und Ökologie der betroffenen Länder sowie das Weltklima durch Emissionen. Die Bilder der Waldbrandbekämpfung sind ernüchternd. Feuerwehrleute kämpfen derzeit mit stumpfen Waffen gegen die Feuergewalten. „Wir fühlen uns den Feuerwehrleuten verpflichtet, die ihr Leben riskieren, um Mensch und Natur zu retten“, so Wolfgang Nolte, Geschäftsführer der protectismundi GmbH „mit unseren technologischen Innovationen können Feuerwehren und Regierungen den Kampf gegen diese Naturkatastrophen zielführend aufnehmen.“

Komplexe Anforderungen an Brandbekämpfung im globalen Zusammenhang

Die Berichterstattungen aus den Medien sind nur allzu bekannt: Feuerstürme und Rauchwolken in den Wäldern und Feldern Nordamerikas, in den Mittelmeerländern sowie im tropischen Regenwald. Sie gelten für viele als repräsentativ für die Unkontrollierbarkeit der Naturgewalt durch Mensch und Technik. Die Reaktionen der Staatengemeinschaft auf die Katastrophenbilder reichen von Umweltschutzauflagen bis hin zur Stärkung der betroffenen Länder in ihren autonomen Entscheidungen zur Brandbekämpfung. Besonders Schwellenländer sind dabei in einem Dilemma zwischen Wachstum und Ökologie. Sie sind in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung auf den Umgang mit Brander­eignissen angewiesen. Um die politischen Vertreter der betroffenen Länder nicht in den Entscheidungsspielräumen beschneiden zu wollen und damit ungewollt Abwehrreaktionen zu erzeugen, geht der aktuelle Trend der Staatengemeinschaft zur Bereitstellung von Fachkompetenz und effektiverer Technik zur Brandbekämpfung. Das Anforderungsprofil an eine solche Technologie ist komplex: Sie sollte den Schutz der Einsatzkräfte und das Retten und Bergen von Betroffenen gewährleisten können sowie zusätzlich einen schnellen, wirkungskräftigen Löscheinsatz bei möglichst geringem Wasserverbrauch ermöglichen. In vielen Ländern ist das Löschen im unwegsamen Gelände eine weitere Anforderung an die Löschtechnik. Aufgrund knapper Budgets ist die Einsetzbarkeit bei unterschiedlichen Brandarten ebenso ein Faktor.

Geschütztes geländegängiges Löschsystem aus Deutschland erweckt internationales Aufsehen

Der Marder kann im Notfall bis zu 20 Personen aus der Gefahrenzone befördern. (Bild: Airmatic GmbH)

Der Marder kann im Notfall bis zu 20 Personen aus der Gefahrenzone befördern. (Bild: Airmatic GmbH)

Bei diesem System kommen Erfindungsgeist und Können deutscher Ingenieure und Feuermanagementdienstleister ins Spiel. Kettengetriebene Fahrzeuge für Lösch- und Rettungsaufgaben gibt es einige, aber dieses Spezialfahrzeug auf der Basis eines Infanteriepanzers mit einem patentierten Hochdruck-Löschsystem und der Möglichkeit aktiv Menschen aus dem Feuer zu retten, erweckt zurzeit das große Interesse von Experten aus Chile und Indonesien.

Dieses kettengetriebene Löschfahrzeug wird auf der Basis des deutschen, amtlich entmilitarisierten Schützenpanzertyps Marder von der Firma protectismundi GmbH angeboten. „Im Prinzip ist das der erste Panzer, der aktiv Leben retten kann,“ so Wolfgang Nolte von protectismundi. Die bahnbrechende, innovative Löschtechnik wurde von Prof. Dr.-Ing. habil. Wolfgang Krumm und Geschäftsführer Hubert Schulte von der Firma SK Tec GmbH entwickelt. Als Pionier für den Einsatz dieser Technik will Indonesien vorangehen. Delegationen des indonesischen Katastrophenschutzes und des Umwelt- und Forstministeriums planen, sich noch in diesem Jahr die Funktionsfähigkeit der Fahrzeuge als strategische Feuerlöschreserve bei der DiBuKa GmbH vorführen zu lassen, einem Spezialisten für Feuerlösch- und Vegetationsmanagement auf gefahrgutbelasteten Flächen. Im Einsatz sind hier leistungsfähige Feuerlösch- und Bergepanzer auf der Basis von russischer Kettentechnik. Für Aufsehen sorgte das Löschfahrzeug Marder bereits auf internationalen Fachmessen zur Brandbekämpfung. Das Spezialfahrzeug hat die gesamte Projekterfahrung der Gesellschaft der sicherheitstechnischen Wirtschaft NRW und des Bundeslandes NRW im Rücken.

Multifunktionalität als Lösung für länderspezifische Ansprüche

Das Fahrzeug mit seiner speziellen Löschtechnik kann zur Bekämpfung von Waldbränden, Untergrund- bzw. Torffeuern (engl. Peat Fire), Industrie- und Pipelinebränden, im Bereich einer Flughafenfeuerwehr, bei Bränden in „besonderer“ industrieller Umgebung, wo Strahlung, Dämpfe, Gifte, etc. freigesetzt werden, sowie in militärischer Umgebung und der Homeland Security eingesetzt werden.

Die Panzerung und ein Wasserselbstkühlsystem sorgen dafür, dass direkte Brandbekämpfung unmittelbar an der Flammenfront bei einem höchstmöglichen Personenschutz der Einsatzkräfte umsetzbar ist. Die Flexibilität und Offroad-Fähigkeit des Löschpanzers befähigen zum robusten Einsatz auch in schwierigem Gelände, bzw. die Panzerung bietet Schutz gegen Explosionen und Einsatzfähigkeit unter Beschuss.

Das 600 PS starke Fahrzeug ist bis zu 65 km/h schnell und hat vollgetankt einen Aktionsradius von bis zu 450 km. Die gummigepufferten Ketten ermöglichen zudem die schonende Nutzung asphaltierter Straßen. Alternativ ist der wendige Bolide über größere Entfernungen mit einem Tieflader transportierbar. Mit dem Räumschild können Hindernisse aus dem Weg geräumt, Glutnester gelöscht oder Feuerschneisen angelegt werden. Sogar bei drehenden Winden kann die direkte Brandbekämpfung fortgeführt werden. Um vom Brand eingeschlossene Menschen zu retten bzw. zu evakuieren, kann das mitgeführte Lösch­wasser aus den textilen Wassertanks im Innern schlagartig abgelassen werden. „Es entsteht damit, erreichbar durch eine leicht zugängliche Klappe hinten am Fahrzeug, Platz für 20 Personen, die aus der Gefahrenzone gerettet werden können,“ so Hubert Schulte, „das ist einzigartig“.

Das integrierte Sauerstoff-Luftsystem liefert Atemluft für Evakuierte und stellt die Funktionsfähigkeit des Motors sicher. Zudem ist das Fahrzeug mit Rettungsequipment ausgestattet. Die Geländegängigkeit unterstützt die Fähigkeit direkt, in abgelegene Gebiete vordringen und Leben retten zu können – ohne dabei den Eigenschutz der Einsatzkräfte zu vernachlässigen. Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), Hartmut Ziebs, unterstreicht: „Wir können näher und schneller ans Feuer herankommen und in Gebiete vordringen, die bis jetzt erst sehr spät zu erreichen waren.“

Neuartiges Löschverfahren könnte interna­tional die Wende in der Brandbekämpfung einläuten

Besonders das patentierte Hochdrucklöschverfahren des Multifunktionsgerätes überzeugt die Fachleute. Die Hochdruckpumpanlage reduziert im Vergleich zu Niederdrucklöschverfahren den Wasserdurchsatz bei längeren Löschzeiten sehr deutlich, benötigt im Einsatz weniger Personal, reduziert den finanziellen Mitteleinsatz und ganz praktisch die Rüstzeiten. Feuerwehren, die diese Innovation zukünftig nutzen, werden damit richtungsweisend weltweit Standards setzen, so Wolfgang Nolte.

Die Brandbekämpfung ist mittels dreier Techniken möglich. Beim „10 bar-System“ können die Feuerwehren mit ihrer bekannten Taktik und gewohntem Equipment arbeiten. Das „30 bar-System“ erzeugt einen Hochdrucklöschwasserwirbel, der durch rotierende Düsen aus einer Art Wasserkanone auf diesem speziellen Löschpanzer, dem 360-Grad drehbaren Löschmonitor, ausgebracht wird.

Geführt wird das Fahrzeug aus dem Kommandostand, das Löschsystem wird mittels Joystick gesteuert. Die Sicht nach Außen ist bei geschlossener Luke durch Infrarot-Kameras von der Steuer- und Kommunikationseinheit für den Fahrer sowie den Truppführer gegeben. Ein semi-automatischer Modus oder eine komplett manuelle Übernahme des Löschmonitors sind möglich. Geringer Wasserverbrauch und hohe Löscheffektivität zeichnen das 30 bar- und 200 bar-Verfahren aus. Das Löschsystem ist gegen Überdruck und Bedienfehler abgesichert.

Das „200 bar-Löschsystem“ eignet sich besonders im Kampf gegen Waldbrände mit seinem Extremdruckwasserwirbel bei einer Reichweite von bis zu 50 Metern. Mit 7.500 Litern Wasser und Löschmitteln an Bord, kann der umgebaute Löschmarder zwei bis drei Stunden unabhängig eingesetzt bleiben. Sollte dennoch Wasser schnell nachgeführt werden müssen, so ist dies durch eine mobile Wasserentnahmestelle als Systemelement, die als Schnellmontagebehälter von zwei Personen in 15 Minuten aufgebaut und mit Wasser aus der Umgebung oder mittels Luftbelieferung befüllt werden kann. Diese Schnellmontagebehälter halten durch ein bewährtes Schalensystem bis zu 75 Tonnen Wasser auf einer schiefen Ebene von bis zu 5°.

Der Hochdruckwasserwirbel dieses speziellen Löschverfahrens wirkt wie eine große Decke. Die Luftzufuhr wird abgeschnitten und das Feuer gelöscht. Auch wenn die Kühlkraft des Verfahrens aufgrund der geringen Wassermenge limitiert ist, so wird diese kompensiert durch die Wassertropfenrotation und deren Oberflächenlöschkraft sowie einer erheblichen Bewegungsenergie, die beim Auftreten des Löschstrahls direkt als Löschenergie umgesetzt wird. Dem Löschwasser können natürlich auch Netzmittel beigemischt werden. Vereinfacht dargestellt funktioniert die neue Erfindung wie folgt: „Feine Tropfen werden aus einer großen Distanz mit hohem Wasserdruck geworfen. Weil der Löschstrahl durch ein rotierendes Düsenbündel austritt, entsteht ein extremer Drall, wie bei einem Geschoss. Dies hat den Vorteil, dass ein Hohlstrahl mit einem sehr hohen Innendruck erzeugt und so die Flugbahn der Tropfen stabilisiert und eine höhere Reichweite erzielt werden kann. Der Brand wird durch die zuvor erwähnte große Oberfläche der Tropfen durch gleichzeitiges Kühlen und Ersticken effektiv bekämpft,“ beschreibt es Wolfgang Krumm.

Deutlich verbesserte Löschwirkung gegenüber dem konventionellen Einsatz von Löschstahlrohren und Löschtechniken sind nachgewiesen. 300 Liter Wasserumsatz pro Minute bei einer Wurfweite von bis zu 50 Metern, bzw. 600 – 800 Liter pro Minute bei einer Wurfweite von 80 – 100 Metern sind mit dieser Technik machbar.

Ein Schnellangriff für Nachlöscharbeiten und manuelle Feuerbekämpfung mit Schläuchen und Löschrohren ist mit diesem Löschgerät ebenso möglich. Hier ist die schnelle Eingriffszeit ein Vorteil, denn die bis zu 30 Meter langen Schläuche sind bereits mit dem Löschsystem verbunden. Durch den geringen Wasserverbrauch ist ein Löschschlauch leichter und somit mit weniger Aufwand von einer Person zu tragen.

Den vergleichsweise einfachen Umgang mit dem „Multifunktions-Marder“ und anzuwendende Löschverfahren wird über ein speziell entwickeltes Ausbildungskonzept vermittelt und gleichzeitig ein vollständiges, auf den Einsatzzweck zugeschnittenes Logistikkonzept und die Versorgung der Fahrzeuge in der Einsatznachbereitung angeboten.

Die Zusammenfassung ist beeindruckend: “Unsere Lösung schafft eine bessere Löschwirkung, verbraucht gleichzeitig weniger Wasser und ist somit länger einsetzbar als andere Verfahren bei einer hohen Wurfquote,“ unterstreicht Hubert Schulte. Durch die Kombination mit der multifunktionalen Löschplattform ist hier mit hoher Wahrscheinlichkeit ein bedeutender Schritt in der Brandbekämpfung getan worden, der darauf wartet, von den Verantwortlichen in der Praxis ebenfalls nachvollzogen zu werden.

Der zweite Teil dieses Artikels erscheint in CP 2/18.

 

Steffen Korthals
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