Wetterbedingte Extremereignisse nehmen mit dem Klimawandel in vielen Regionen der Welt an Intensität und Häufigkeit zu. Auch in Deutschland kam es in den letzten Jahrzehnten immer wieder zu verheerenden Schäden durch Extremwetter wie Starkniederschläge. Durch die klimawandelbedingte Zunahme extremer Regenereignisse wird sich die Überflutungsgefahr in Zukunft spürbar erhöhen.

Mit dem Begriff „Starkregen“ bezeichnet man große Niederschlagsmengen, die in kurzer Zeit fallen und durch ihre hohe Intensität zu Überschwemmungen, Sturzfluten, Rückstau in der Kanalisation sowie zu Bodenerosion führen können. Dabei tritt die Überflutung nach Starkregen vor allem in kleinräumigen Gebieten auf. Die Kurzfristigkeit von Starkregen sowie unzureichende Frühwarnsysteme machen eine Vorhersage von Ort und Zeitpunkt des Ereignisses schwierig. Somit kann Starkregen grundsätzlich jede Region in Deutschland treffen und entsprechende Schäden verursachen. Starkregen wird daher von den Wasserbehörden als generelles Risiko eingestuft. Der Starkregen des Tiefs „Rasmund“ hat beispielsweise in den letzten beiden Junitagen 2017 in Berlin und Brandenburg Straßen, Keller und U-Bahnhöfe überflutet sowie den Flugverkehr am Flughafen Tegel beeinträchtigt, sodass die Feuerwehr für Berlin den Ausnahmezustand ausrief. Im Ortsteil Tegel fielen in nur 24 Stunden 197 l/m², was beinah der dreifachen durchschnittlichen Monatssumme für Berlin entspricht. Und auch der Juli 2017 ging nass weiter: Tief „Alfred“ sorgte für unwetterartigen Dauerregen, Starkregen und Sturzfluten etwa in Köln, Moers und erneut in Berlin. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) meldete am 12. Juli 2017, dass allein die Unwetterserie in der Zeit zwischen dem 20. Juni und dem 2. Juli Schäden von über einer halben Milliarde Euro verursachte. Auch in Niedersachsen hielt der Starkregen Rettungskräfte auf Trab: Im Landkreis Goslar wurde zeitweise der Katastrophenalarm ausgerufen. Ende des Monats wurden dann der Süden von Niedersachsen, wie auch Teile von Hessen und Thüringen von Starkregen schwer getroffen.

Bereits 2016 führten Starkregenereignisse besonders in Süddeutschland zu weitreichenden Schäden. Nach außergewöhnlich starken Regenfällen wurden Hangrutschungen und Bodenerosion, Sturzfluten und Überschwemmungen ausgelöst. Die Ereignisse forderten mindestens elf Todesopfer und Schäden von rund 2,6 Milliarden Euro. Trotz hoher Schadenssummen sind viele der Geschädigten nicht ausreichend versichert: Bundesweit sind nur rund 40 % der Hausbesitzer innen gegen Überschwemmungsschäden an Häusern und noch weniger gegen Überschwemmungsschäden an Hausrat versichert. Das Ausmaß der Schäden zeigt, dass viele Kommunen und Privatpersonen auf Starkregen nicht gut vorbereitet sind. Daher stellt sich die Frage: Was ist in Zukunft zu tun, um solche Auswirkungen zu minimieren?

Starkregen – 4 Fragen und Antworten

1. Welche Gefahren entstehen bei Starkregen?

Aufgrund der hohen Niederschlagsmengen innerhalb kürzester Zeit kommt es oftmals zu Überschwemmungen. Gründe hierfür liegen in der überlasteten Kanalisation, Rückstau des Wassers, ansteigenden Gewässern und Flüssen sowie unzureichenden Retentionsräumen. Der Ablauf des Wassers, Fließtiefen und -geschwindigkeiten sind dabei abhängig vom Relief und der Bebauung des betroffenen Gebietes. Städte können durch die starke Versiegelung von Freiflächen besonders von Überschwemmungen getroffen sein. Aber auch auf dem Land können wild fließende Hangwasser, Sturzfluten und Bodenerosion Schäden an persönlichem Eigentum, wie Grundstücken oder Gebäuden, aber auch an Infrastrukturen und Stadtgrün, verursachen.

2. Wie funktioniert die Wetterwarnung bei solchen ­Extremereignissen?

RegenIn Deutschland ist die Unwetterwarnung gesetzlich festgeschriebene Aufgabe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Sobald unwetterträchtige Entwicklungen erkennbar sind, werden bis zu 48 Stunden vor dem Ereignis Warnlageberichte herausgegeben. Diese beschreiben die voraussichtliche Wetterentwicklung der nächsten 24 Stunden und basieren auf numerischen Simulationen. Während sich Flusshochwasser durch Vorwarnzeiten von mehreren Tagen in der Regel gut vorhersehen lassen, ist dies bei Starkregenereignissen, die oftmals an kleinräumige, dynamische konvektive Zellen gebunden sind, nicht der Fall: Zwar ist die Leistungsfähigkeit numerischer Modelle in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, jedoch werden häufig Niederschlagsmengen unterschätzt sowie deren zeitliche und räumliche Verteilung falsch eingeschätzt. Durch die kurze Vorwarnzeit und die konvektiven, sehr dynamischen Vorgänge bei Starkregenereignissen sind Vorhersagen heutzutage meist weder frühzeitig noch exakt genug. Dies erschwert den individuellen Schutz ebenso wie den Schutz sachlicher Güter durch Notmaßnahmen sowie die Steuerung wasserwirtschaftlicher Reten­tionsräume (Speicher, multifunktionale Flächen) – umso wichtiger sind gute Vorsorgemaßnahmen.

3. Wer muss Vorsorgemaßnahmen treffen?

Grundsätzlich sind die Kommunen in Deutschland gefordert, entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Zur Unterstützung solcher Maßnahmen hat etwa das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ein Handbuch für Kommunen zum besseren Schutz vor Sturzfluten nach Starkregenereignissen herausgegeben. Zu Vorsorgemaßnahmen von Kommunen zählen Flächenvorsorge, Bauvorsorge, Risikovorsorge und Verhaltensvorsorge: Flächenvorsorge beinhaltet Bereitstellung und Freihaltung von genügend Freiflächen. Diese unterstützt die natürliche Versickerung und entlastet die Kanalisation im Notfall. Bauvorsorge enthält beispielsweise den Aufbau von technischem Schutz. Neben der Errichtung von Mauern oder Deichen helfen auch künstlichen Speichermöglichkeiten sowie eine angepasste Bauweise bei der Verringerung möglicher Schäden. Risikovorsorge bezeichnet die Absicherung des Eigentums durch den Abschluss von Versicherungen und den Einsatz von Katastrophenplänen. Letztere helfen in der Vorbereitung auf den Ernstfall. Die Verhaltensvorsorge wird unterstützt durch die Verbreitung von grundsätzlichen Informationen sowie die ausführliche Kommunikation zur schnellen und gezielten Warnung im Katastrophenfall. Somit minimiert die Verhaltensvorsorge Informationslücken. Die zu treffenden Vorsorgemaßnahmen müssen jedoch von Kommunen individuell geplant und umgesetzt werden, um den bestmöglichen Vorsorgeschutz zu leisten.

4. Was kann jeder einzelne tun?

Neben Kommunen sind zudem Privatpersonen bei Vorsorgemaßnahmen gefragt. Um Gefahren und Schäden zu minimieren sollten sich auch Privatpersonen regelmäßig über mögliche Unwetterwarnungen informieren. So helfen z. B. WarnApps (NINA, KATWARN) dabei, möglichst unkompliziert stets auf dem Laufenden zu bleiben. Gefährdete Flächen, wie Keller und Erdgeschosse, können so schneller geräumt werden. Nachbarschaftliche Hilfe kann im Notfall zusätzlich bei der Vorsorge helfen, indem beispielsweise gemeinsam Sandsäcke als Hochwasserschutz aufgebaut werden, um Eigentum zu schützen. Zudem können Taschenlampen, ein batteriebetriebenes Radio (um bei Stromausfall auf dem Laufenden zu bleiben), Kerzen und wichtige Dokumente bereitgehalten werden für den Fall, dass ein sofortiges Verlassen der Wohnung notwendig wird.

Wie oben erwähnt, ist die Vorwarnzeit oft zu kurz, um im Ereignis noch ausreichend reagieren zu können. Doch schon kleine bauliche Maßnahmen helfen, den Eintritt des Wassers ins Gebäude zu unterbinden. So können Privatpersonen etwa mithilfe des Hochwasserpasses des HochwasserKompetenzCentrums (HKC) das Hochwasserrisiko für einzelne Gebäude bewerten. Inhaber des Hochwasserpasses haben damit eine fundierte Risikoeinschätzung für ihr Haus und erhalten zudem Tipps, wie durch Vorsorgemaßnahmen eine Hochwasser- und Starkregengefährdung reduziert werden kann.

Des Weiteren können im Vorfeld abgeschlossene Versicherungen Eigentümer und Mieter vor den finanziellen Folgen von Naturereignissen schützen. Während die Gebäudeversicherung bauliche Schäden absichert, hilft die Hausratversicherung bei der Erstattung beschädigten Inventars. Für beide ist jeweils eine Elementarschadenszusatzversicherung nötig, damit Schäden durch Starkregen abgedeckt sind. Für Industrie und Gewerbe gibt es analoge Produkte und Zusatzbausteine, welche beispielsweise gegen Betriebsausfälle und entgangene Umsätze absichern.

Der Nachdruck des gekürzten Artikels erfolgt mit freundlicher Genehmigung des DKKV.

Bilder: DKKV

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