Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr (Bw) wurde zum 1. Oktober 2012 das Zentrum Brandschutz der Bundeswehr (ZBrdSchBw) in Sonthofen aufgestellt. Dieses übernimmt seit Januar 2013 die 72 Wachen der Bundeswehrfeuerwehr von den Teilstreitkräften. Durch diese Zusammenführung und Unterstellung unter ein einheitliches Kommando entsteht eine der größten Berufsfeuerwehren Deutschlands.

Überregionales Risikomanagement

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Bundeswehr unterhält keine Feuerwehren, weil sie den überwiegend grün- und sandfarbenen Fuhrpark durch rote Fahrzeuge farblich bereichern möchte. Brand- und Katastrophenschutz sind gemäß Art. 30 Grundgesetz (GG) Angelegenheiten der Länder. Diese haben die Gesetzgebungs- und Verwaltungskompetenz und regeln daher Brand- und Katastrophenschutz mit Landesgesetz. Die Zuständigkeit der Länder für den Brandschutz ist unabhängig von den Eigentumsverhältnissen und der Nutzung der Liegenschaften gegeben. Lediglich aus Artikel 73 Abs. 1 Nr. 1 GG, der dem Bund die ausschließliche Gesetzgebungskompetenz auf den Gebiet „Verteidigung“ einräumt, ergibt sich eine Regelungskompetenz des Bundes für den vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz.

Die Zuständigkeit der Bundeswehr für den abwehrenden Brandschutz ist immer dann gegeben, wenn

  • der militärische Geheimschutz und/oder
  • die Durchführung des militärischen Auftrages und/oder
  • ein spezielles militärisches Gefahrenpotenzial

eine Abweichung von landesrechtlichen Regelungen und Vollzugszuständigkeiten gebieten. Dann, aber auch nur dann, wird die Bw eigene Feuerwehren aufstellen und unterhalten. Hierbei wird ein flächendeckender und weitgehend einheitlicher Standard in der Gefahrenabwehr sichergestellt, sowohl an den Bundeswehrstandorten im Inland als auch in Liegenschaften im Auslandseinsatz. Auf Maßnahmen des vorbeugenden Brandschutzes und entsprechende Zuständigkeiten wird in diesem Artikel nicht eingegangen.

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Kommandoübernahme

Die Aufstellung des ZBrdSchBw im Herbst 2012 war ein notwendiger Schritt, um die in der Strukturreform formulierten politischen Vorgaben zu erfüllen. Ziel der Umstellung ist die Bündelung fachlicher und organisatorischer Verantwortung sowie die Schaffung einer linearen Führungsorganisation (Grafik).

Im Zuge des Unterstellungswechsels geht die operative Führungsverantwortung an das ZBrdSchBw mit seinen künftig mehr als 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über. Somit nimmt es auch die Aufgaben einer Branddirektion, vergleichbar kommunaler Berufsfeuerwehren, wahr. Hierzu gehören sowohl die Sicherstellung der Einsatzbereitschaft, als auch Einsatzplanung und taktische Vorgaben für die ansonsten autark operierenden Feuerwehren im Bundesgebiet.

Lagezentrum Bundeswehrfeuerwehr

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Das Lagezentrum Bundeswehrfeuerwehren dient zur Informationserfassung und -aufbereitung. Ein effektives Meldesystem garantiert die Aktualität der Übersicht über Einsatzbereitschaft und Leistungsvermögen jeder Feuerwache. Gleichzeitig bildet das Lagezentrum die Schnittstelle zu allen Bundeswehrdienststellen, um in Brandschutzfragen zu beraten.

Natürlich werden von Sonthofen aus keine Kräfte in den Einsatz zur Personenrettung z. B. auf einem Schiff in Wilhelmshaven (WHV) geschickt. Die Alarmierung erfolgt weiterhin standortintern über den Disponenten der Feuerwache, die Einsatzleitung vor Ort durch den Einsatzleiter der Wache in WHV. Allerdings ist es durch die Einrichtung des Lagezentrums möglich, bei Ereignissen „vor die Lage“ zu kommen. So können z. B. bei großen Übungsvorhaben oder langanhaltender Trockenheit Kräfte und Mittel strategisch so umpositioniert werden, dass für kommende Einsätze Reserven geschaffen und so im konkreten Einsatz Schäden minimiert werden.

Auf Anforderung des Einsatzleiters vor Ort unterstützt das ZBrdSchBw auch im Einsatz. Zeitlich und räumlich ausgedehnte Ereignisse sowie der Einsatz von Unterstützungskräften von umliegenden Gebietskörperschaften in Großschadenslagen können die Entsendung weiterer (Führungs-)Kräfte und so eine Entlastung respektive Verstärkung der Kolleginnen und Kollegen vor Ort erforderlich machen. Die dafür notwendigen Maßnahmen werden durch das Lagezentrum veranlasst.

Fähigkeitsentwicklung

Neu und mit einem Umfang von 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bislang in der Bundesrepublik einmalig ist die im Aufbau befindliche Entwicklungsabteilung des ZBrdSchBw. Die speziellen und vielseitigen Risiken des militärischen Dienstes erfordern besondere Taktiken und Ausrüstung, welche nicht immer ad hoc auf dem zivilen Markt verfügbar sind. Einsatzszenarien wie die Brandbekämpfung in Anwesenheit von Munition oder die Pilotenrettung aus bewaffneten Kampfflugzeugen und Hubschraubern erfordern zusätzliche Kompetenzen bei Führungs- und Einsatzkräften.

Natürlich soll nicht alles neu erfunden werden, manches kann aus anderen Bereichen, wenn auch angepasst, übertragen werden. Aber auch diese Arbeit muss durch Fachleute der Bundeswehrfeuerwehr geleistet werden.

Neben der Schaffung von Grundlagen, Vorschriften und materiellen Lösungen soll die Mitwirkung in den Gremien des deutschen Feuerwehrwesens intensiviert werden. Die aktive Vernetzung macht die Bundeswehrfeuerwehren zu einem verlässlichen Ansprechpartner in Sachen militärischer Brandschutz. Regelmäßige Anfragen für Vorträge zur Munitions- bzw. Luftfahrzeugbrandbekämpfung oder zur Rettung aus geschützten Fahrzeugen zeugen von Bedarf und Interesse an spezifischen, militärischen Fachthemen.

Spezialisten am Standort

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  • Flugplatzfeuerwehren

stellen bei Dienststellen des Heeres, der Luftwaffe und der Marine die Menschenrettung und den Brandschutz bei Starts und Landungen militärischer Luftfahrzeuge sicher. Ebenso müssen Triebwerksprüfläufe, die Betankung bei laufendem Triebwerk und anderen brandgefährlichen Arbeiten auf den Fliegerhorsten abgesichert werden. Das Luftverkehrsrecht lässt den Flugbetrieb nur dann zu, wenn eine personell und materiell hinreichend ausgestattete Feuerwehr zum unmittelbaren Einsatz bereitsteht. Während üblicherweise die Kabinencrew die Betreuung der Passagiere nach Luftnotlagen und die Aufgabe der Menschenrettung nach einem Unfall übernimmt, sind die Feuerwehrangehörigen bei militärischen Luftfahrzeugen die Retter in und aus der Not.

  • Truppenübungsplatzfeuerwehren

stellen technische Hilfeleistung und Brandschutz auf den inländischen Truppenübungsplätzen der Bundeswehr sicher. Ihre Hauptaufgabe ist dabei die Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden und die Sicherstellung von Brandschutz und Hilfeleistung in den Truppenlagern sowie auf Straßen und Wegen innerhalb der Platzgrenzen. Ihre Einsatzbereitschaft ist Voraussetzung für die Befreiung von den landesrechtlichen Auflagen zum Schutz vor Wald- und Vegetationsbränden. Nur deshalb darf der Nutzer ganzjährig brandverursachende Übungs- und Gefechtsmunition einsetzen sowie den Platz an sich – auch bei erhöhter Waldbrandgefahr – zu Übungszwecken betreten und mit Kraftfahrzeugen befahren.

  • Feuerwehren in der ortsfesten Logistik

stellen den Brandschutz in Geräte-, Munitions- und Betriebsstoffdepots sicher. Nur zum sofortigen Einsatz verfügbare Bundeswehrfeuerwehren erlauben die notwendigen Arbeiten an Munition und die Ausbildung an und mit Umschlaggeräten von Betriebs- und Betriebshilfsstoffen.

  • Feuerwehren in Untertage- oder verbunkerten Anlagen

Die in untererdig angelegten verbunkerten Bauwerken stationierten Logistikeinrichtungen, Kampfführungsanlagen und Gefechtsstände der Bundeswehr dürfen in Analogie zu bergrechtlichen Bestimmungen nur betrieben werden, wenn speziell geschulte und ausgerüstete Rettungskräfte zum sofortigen Einsatz verfügbar sind. Die Aufgaben der sogenannten „Grubenwehr“ übernehmen in diesen Untertageanlagen Bundeswehrfeuerwehren mit speziell für diesen Einsatz beschaffter und daher besonders gut geeigneter Ausstattung.

  • Feuerwehren in MarinelandanlagenCP113_30_Bild-05-Einsatzbesprechung-an-Deck-Foto-Bundeswehr---Meyer

schützen die in inländischen Häfen liegenden Boote und Schiffe der Marine. Auf See werden die Aufgaben der Schiffssicherung einschließlich einer ggf. notwendigen Brandbekämpfung an Bord durch die Besatzung selbst wahrgenommen. Liegen Schiffe jedoch im „eigenen“ Hafen, befindet sich nur noch ein geringer Teil der Besatzung an Bord, einige Einheiten liegen gänzlich ohne Besatzung an der Pier. Bundeswehrfeuerwehren unterstützen dann die verbleibende Besatzung bei Lösch- und Rettungseinsätzen an Bord bzw. übernehmen diese ganz.

  • Feuerwehren in wehrtechnischen und wehrwissenschaft­lichen Dienststellen

schützen Versuchseinrichtungen und Testgelände. Je nach Aufgabengebiet der Dienststelle sind diese Feuerwehren in Einsatzspektrum und Ausstattung vergleichbar mit den Feuerwehren auf Flug-oder Truppenübungsplätzen.

  • Militärische Feuerwehren

Im Einsatz können die Anforderungen an die Gefahrenabwehr erheblich steigen. Dem Brandschutz erwachsen hieraus zusätzliche Aufgaben,

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insbesondere zum Schutz des Personals und zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit. Dort, wo diese Leistung nicht durch andere Nationen verfügbar gemacht werden kann, sind militärische Feuerwehren in Feldlagern der Bundeswehr, auf Feldflugplätzen und in Feldtanklagern aufzustellen, wenn der Brandschutz wesentlicher Bestandteil und unverzichtbare Unterstützungsleistung für den Auftrag im Einsatz ist. Stärke und Ausrüstung der Feuerwehren sind daran ausgerichtet.

Ausbildung

Bundeswehrfeuerwehrleute erlangen ihre Qualifikationen in der Regel durch eine Laufbahnausbildung an der Schule für ABC-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben. Diese unterhält in Stetten am kalten Markt zwei Brandschutzinspektionen, deren Leistungsfähigkeit und Ausbildungsspektrum mit einer zivilen (Landes-)Feuerwehrschule durchaus vergleichbar ist.

Laufbahnbewerber absolvieren analog zu ihren „zivilen“ Kolleginnen und Kollegen nach bestandenem Auswahlverfahren einen mehrmonatigen Grundlehrgang. Das folgende Praktikum führt die Anwärterinnen und Anwärter auf verschiedene Feuerwachen im Bundesgebiet. Hier lernen sie ihr künftiges Einsatz- und Verwendungsspektrum kennen. Es schließen sich fachspezifische Kurzlehrgänge und der Abschlusslehrgang an, welcher die Führerausbildung sowie die Laufbahnprüfung beinhaltet. Nach bestandener Prüfung werden die Absolventinnen und Absolventen zu Beamten im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst ernannt und auf Dienstposten eingewiesen.

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Die Ausbildung der Brandschutzsoldatinnen und -soldaten erfolgt an gleicher Stelle in gleicher Qualität. Der Ausbildungsumfang richtet sich nach der militärischen Laufbahn, welche die bzw. der Betreffende eingeschlagen hat.

Die Ausbildungslehrgänge für den gehobenen bzw. höheren feuerwehrtechnischen Dienst der Bundeswehr werden in Abstimmung mit den Ländern an landeseigenen Ausbildungseinrich-tungen durchgeführt.

Anschrift für die Verfasser:
Sören Börner
Brandinspektor im ZBrdSchBw
Leitungsbüro / Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Andreas Hamann
Oberstleutnant im ZBrdSchBw
Abteilung Fähigkeitsentwicklung
Zentrum Brandschutz der Bundeswehr
Hofener Straße 16
87527 Sonthofen