Unverzichtbar für die Führungsunterstützung der ­Zukunft

nter den Bedingungen der heutigen Einsätze von Streitkräften – mit wechselnden Koalitionen in meist nicht vorhersehbarem Umfeld – sind die Anforderungen an die Interoperabilität von IT-Systemen noch immer und vermehrt eine der größten Herausforderungen für Entwickler und Nutzer dieser Technik. Selbst innerhalb gewachsener Bündnisstrukturen war und ist Interoperabilität von IT- und Führungsinformationssystemen nie selbstverständlich gewesen.

Vielmehr können wir auch im Bündnis beim Problem Interoperabilität auf eine leidvolle Geschichte zurückblicken, in der häufig die „Drehstuhlschnittstelle“ die einzig praktikable Lösung blieb. Mit dem „Afghan Mission Network“ ist es erstmals gelungen, die verschiedenen nationalen, Bündnis- und Einsatznetze so zusammenwirken zu lassen, dass vernetzte Operationsführung im Ansatz möglich wurde. Daher gilt dieses Netz als Paradigma für die Entwicklung der zukünftigen nationalen und NATO-Netze für die Einsatzführung.

Herausforderungen im Einsatzgebiet

Auf absehbare Zeit bleibt die Herausforderung an die Führungsunterstützung der Bundeswehr (wie auch an die der anderen Streitkräfte) bestehen, dass sie in aller Regel die ersten Kräfte im Einsatzgebiet stellt. Dort treffen sie meist auf unzureichende Infrastruktur, müssen jedoch von Beginn an die vor Ort benötigten IT-Services zuverlässig sicherstellen. Insbesondere bei multinationalen Einsätzen stellt dies hohe Anforderungen an die Fähigkeit zur Kommunikation mit unseren Partnerstaaten innerhalb der NATO und EU sowie mit lokalen Sicherheitskräften im Einsatzgebiet, aber auch mit Governmental Organisations (GOs) und Non-Governmental Organisations (NGOs), die dort tätig sind. Dabei wird deutlich, dass Interoperabilität „das“ Schlüsselelement für Einsätze der Bundeswehr ist und dass sie nicht nur technische Herausforderungen beinhaltet. Angefangen von einer gemeinsamen Sprache – und hier ist Englisch nicht immer und überall ausreichend – über die technischen Aspekte von Funktechnik bis hin zur Nutzung von IT-Anwendungen gibt es eine Vielzahl von Bereichen, für die eine Befähigung zur Interoperabilität essentiell ist. Dabei stehen Lösungen zur Verbesserung der Interoperabilität stets in einem Spannungsfeld von Sicherheitsanforderungen, knappen Ressourcen, enormen und stetig steigenden Datenmengen und kurzen IT-Innovationszyklen. Hier kann nur ein mehrschichtiger Ansatz, wie er bereits partiell beschritten wird, die dringend notwendigen Verbesserungen bringen:

  • Durch die Teilnahme an Übungen mit Schwerpunkt Interoperabilität können die technischen und prozeduralen nationalen Weiterentwicklungen in einem multinationalen Umfeld verifiziert und gemeinsam abgestimmt und verbessert werden. Die Teilnahme der Bundeswehr an der Übung „Coalition Warrior Interoperability eXercise“ (CWIX), die jährlich unter Federführung der NATO stattfindet, sowie Erfahrungen aus der bis 2014 durchgeführten NATO-Übungsserie COMBINED ENDEVOUR haben hier bereits einen überaus positiven Effekt.
  • Konsolidierung und zentrale Bereitstellung von IT-Services, die querschnittlich in allen Bereichen der Streitkräfte benötigt werden. Diese sog. Core Enterprise Services (CES) umfassen Funktionalitäten wie z. B. Chat, Email, Webplattform u. a. m.
  • Entwicklung aller IT-Services in enger Anlehnung an die NATO-Architektur, Interoperabilitätsstandards und NATO-IT-Services unter Berücksichtigung der verschiedenen Informationsdomänen (DEU, NATO, EU, Mission) und abgestuften Sicherheitsdomänen.
  • Bereitstellung derselben standardisierten IT-Services in allen Informationsdomänen, in der Basis Inland und im Einsatz.
  • Skalierbarkeit der IT-Services zur durchgängigen Nutzung auf verschiedenen Endgeräten.

Mit der Umsetzung des derzeit in der Planung befindlichen German Mission Network (GMN) Konzepts wird die Bundeswehr eine erhebliche Verbesserung aller Interoperabilitätsaspekte erreichen können. Die Architektur der IT-Infrastruktur stützt sich dabei auf ein zentrales Rechenzentrum ab, das neben den CES auch die Community of Interest (COI) Services der militärischen Organisationsbereiche aufnimmt und bereitstellt. Um diese IT-Services jederzeit umfangreich, zuverlässig und mit der notwendigen Leistungsfähigkeit nutzen zu können, sind neben redundanten ortsfesten Rechenzentren auch verlegefähige Serversegmente im Einsatzland oder für Übungen vorgesehen. Diese stellen sicher, dass der Nutzer im Einsatz schnell auf große Datenmengen zugreifen kann, ohne dass die zwischen den Einsatzgebieten und DEU genutzten Übertragungsmedien – i. d. R. SATCOM – über Gebühr belastet werden. Darüber hinaus können bestimmte IT-Services autark genutzt werden, auch wenn die Verbindung zum ortsfesten Rechenzentrum zeitweise nicht verfügbar sein sollte.

Fazit

Zum Abschluss bleibt festzuhalten, dass die Umsetzung des GMN-Konzepts eine intensive zeitliche und inhaltliche Abstimmung und Koordination der verschiedenen Projekte zur Weiterentwicklung des IT-Systems der Bundeswehr erforderlich macht. Hierzu zählen insbesondere das HERKULES-Folgeprojekt und die laufenden Anstrengungen zur Weiterentwicklung der mobilen taktischen Kommunikation. Ein derart umgesetztes GMN-Konzept wird auch die Fähigkeit der Bundeswehr, künftige multinationale Einsätze als Rahmennation zu führen, weiter verbessern.

Peter Anton Hanika

PassbildAnschrift des Verfassers:
Oberst i. G. Peter Anton Hanika
Abteilungsleiter Weiterentwicklung
Führungsunterstützungskommando der Bundeswehr
Fontainengraben 150
53123 Bonn

geb. am 30. März 1961
07/1980: Diensteintritt Bw bei der GebFmAusbKp 1/8
10/81 – 12/84: Studium Nachrichtentechnik
01/85 – 03/93: Verwendungen als ZgFhr, KpChef und S3 Offizier FmTr
04/93 – 09/95: 36. Lehrgang Generalstab-/Admiralstabsdienst
10/95 – 06/06: Verwendungen als G3 StOffz bei der 10. PzDiv und im HUKdo, DezLtr bei G6 HFüKdo sowie Referent im BMVg
04/01 – 12/02: Kdr FmRgt 920/FüUstgBtl 282
07/06 – 10/12: AbtLtr G6, 10. PzDiv und BerLtr IT-AmtBw
Seit 11/12: AbtLtr Weiterentwicklung FüUstgKdoBw