Künstliche DNA ist zum bevorzugten Mittel geworden, um Metalldieben das Handwerk zu legen / Erarbeitung von Standards für Produkt- und Servicequalität

Tatort: Mast 182-192, Linumhorster Straße, Kremmen, Brandenburg. Wie so oft waren die Diebe bei Nacht gekommen. Sie brachen an diesem Julitag des vergangenen Jahres weder in Privathäuser noch in Firmengebäude ein, sondern sie stahlen – eine Telefonleitung der Deutschen Telekom. Das kommt seit ein paar Jahren immer öfter vor, nicht nur in Ostdeutschland. Kabel enthalten Kupfer, und durch die gestiegenen Rohstoffpreise ist der Diebstahl von Kupferleitungen so lukrativ geworden, dass sich dafür eine eigene Schattenwirtschaft gebildet hat.

Im besagten Fall wurde allerdings ein Teil der Beute im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Ostprignitz-Ruppin wieder aufgefunden. Nach der Sicherstellung und der daktyloskopischen wie biologischen Spurenbehandlung suchte die Polizei nach „künstlicher DNA“ (kDNA). Damit hatte nämlich die Firma ATG Sitec ein Jahr zuvor im Auftrag der Telekom die dortigen Telefonkabel markiert. Mit UV-Taschenlampe und einer so genannten digitalen Mikroskopkamera konnten die Markierungsteilchen ausgelesen und dem Diebstahl zugeordnet werden. Nach Angaben des Landesprojektleiters handelte es sich um den ersten bekannten kDNA-Treffer im Land Brandenburg.

Eindeutige Identifikation

Der Diebstahl von Kupferkabeln in Hoch- und Höchstspannungs-, Schalt- und Umspannanlagen, auf Bahnstrecken und in Telefonleitungen verursachen nicht nur hohe wirtschaftliche Schäden für Betreiber und Nutzer, sondern auch unkalkulierbare Sicherheitsrisiken. Wenn der Strom ausfällt oder bei einem Notfall das Telefon nicht funktioniert, kann das die Betroffenen ganz schön in die Bredouille bringen.

Deshalb haben sich unter anderem Deutsche Bahn, Deutsche Telekom, RWE, Amprion und der Verband der Buntmetallhändler zu einer Sicherheitspartnerschaft zusammengeschlossen. Zu dem darin erarbeiteten Maßnahmenpaket gehört die Markierung von Kabeln und Metallteilen. Sie macht die eindeutige Identifikation sowie die schnelle und sichere Zuordnung der Metallteile zum Eigentümer oder auch zum ursprünglichen Verwendungsort möglich. Auf diese Weise kann Diebesgut eindeutig einem Tatort und einem Delikt zugeordnet werden. Markiertes Diebesgut ist somit unverkäuflich und wertlos.

In der Praxis werden verstärkt Markierungslösungen mit kDNA bevorzugt. Allerdings gab es bislang weder einheitliche Qualitätsmerkmale noch verbindliche Standards. Die bisherigen Produkt- und Servicespezifikationen beziehen sich immer auf konkrete Anforderungen der Anwender sowie auf den Gesamtkontext des jeweiligen Anwendungsfalls. Doch über standardisierte Mindestanforderungen an die Lösungen sowie an die damit verbundenen Leistungen der kDNA-Anbieter können am Markt verfügbare Produkte viel leichter miteinander verglichen und entsprechend bewertet werden.

Anforderungsprofil

Deshalb hat die Amprion GmbH als Mitglied der Sicherheitspartnerschaft im vergangenen Jahr ein Anforderungsprofil für die Technologien der Produktkennzeichnung mit kDNA erstellt und damit die Standards für die gleichzeitig erfolgte bundesweit größte Ausschreibung gesetzt. Hier ist es dem Anbieter ATG Sitec gelungen, die geforderten Qualitätskriterien zu erfüllen und damit die Ausschreibung zu gewinnen. „Die Bestellung haben wir mittlerweile zur vollsten Zufriedenheit unseres Kunden ausgeliefert“, so Geschäftsführer Sascha Fuchs im Gespräch mit CRISIS PREVENTION (CP) Zugleich arbeitet die ATG Sitec in einem Projekt des DIN-Instituts zur Entwicklung von Qualitätsstandards und Normen für künstliche DNA mit. Ziel ist es, die Ergebnisse in den Entwurf einer nationalen Norm zur einfachen und wirtschaftlichen Auswertung künstlicher DNA-Markierungen (Oligonukleotide) in forensischen Markierungslösungen einfließen zu lassen.

In den meisten Anwendungsfällen geht es um die Markierung von Kupfer oder Kabeln im Umfeld Kritischer Infrastrukturen. Die Markierungen sollen mit dem bloßen Auge kaum bis gar nicht erkennbar, nur sehr schwer oder gar nicht wieder zu entfernen, jedoch unter speziellem UV-Licht nachweisbar sein. Bei der Detektion setzt ATG Sitec auf in Deutschland gefertigte UV-Hochleistungslampen.

Vor externen Einflüssen gefeit

Die Herausforderungen für solche Markierungslösungen sind anspruchsvoll: „Da die Leitungen im Freien der Witterung ausgesetzt sind, sollten ihre Bestandteile für die Lebenszeit der Kabel (mindestens 20 Jahre) vor Witterungseinflüssen, Extremtemperaturen und -schwankungen, UV-Einstrahlung sowie Lösungsmittel gefeit, gleichzeitig aber unschädlich für Mensch und Umwelt sein“, sagt Fuchs. „Entsprechende Nachweise sollte der kDNA-Anbieter vorlegen können. Zudem muss sich die kDNA auf bereits verlegte Leitungen mit einem vertretbaren wirtschaftlichen, zeitlichen und personellen Aufwand auftragen lassen.“

Die Markierungslösung sollte neben sichtbaren anwenderspezifischen mikrolithografischen Plättchen („Microdots“) tatsächlich künstliche DNA enthalten. Die Anzahl der Ni-Plättchen sollte mindestens 1.000.000 je Liter Markierungsflüssigkeit betragen und mit einem handelsüblichen Taschenmikroskop beidseitig auslesbar sein. Über die synthetische DNA können weitere anwenderspezifische Daten codiert werden. DNA-Strukturen sind die derzeit stabilsten bekannten Informationsträger. Je nach Anwendungsfall können damit die Informationen der Mikrodots dupliziert oder auch durch weitere Daten ergänzt werden.

Beständigkeit

„Aber auch hier gibt es Qualitätsunterschiede, die der Anwender kennen und beachten sollte“, betont Fuchs. So sollte die DNA-Sequenz aus mindestens 60 unterschiedlichen Oligos bestehen. Je kürzer die DNA-Sequenz, desto größer die Gefahr, dass es zu Fehlern oder einem Totalausfall bei der PCR-Analyse kommt. Auch sollte das Vorhandensein und die Amplifizierbarkeit (Auslesbarkeit) der synthetischen DNA durch ein unabhängiges, zertifiziertes Labor nachgewiesen werden können. Die Kombination der Technologien garantiert einen sicheren Verbleib der Informationen/Markierung auf den Kabeln über sehr lange Zeit. Mit kDNA ist es nicht möglich, die Markierungen und Daten vollständig zu entfernen.

Um den Abschreckungsgrad und den Wiedererkennungswert zu erhöhen, hat sich die Sicherheitspartnerschaft auf ein bundesweit einheitliches Warnschild geeinigt, das potenzielle Täter auf die Verwendung von kDNA hinweist.

Ab 01.01.2015 wird auch ein sogenanntes „Home Set“ für Privatanwender angeboten, welches zur Markierung und Sicherung von privatem Eigentum zum Einsatz kommt und die gleichen hohen Qualitätsansprüche wie die Industrie Lösung erfüllt.

Weitere Informationen:

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ATG Sitec GmbH
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