Brandbekämpfung ist weltweit ein wichtiger Faktor bei Klima- und Umweltschutz und hilft bei der Schadensbegrenzung bei humanitären wie wirtschaftlichen Tragödien. Der neuartige Löschpanzer, den wir im ersten Teil dieses Artikels (s. CP 1/18, S. 48) vorstellten, kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Vor dem Hintergrund der weltweiten Wald- und Torfbrände, bei denen gigantische Mengen an Biomasse, hauptsächlich Kohlenstoff und Wasserstoff, vernichtet werden, ist die Devise für die am Löschpanzer Interessierten klar: Effektive und schnelle Brandbekämpfung bedeutet Umwelt- und Klimaschutz. Denn bei den Bränden entstehen klimaschädliche Gase, die Einfluss auf den Treibhauseffekt und den Klimawandel haben. Wenn trotz Präventionsmaßnahmen und Gesetzen Brandkatastrophen nicht verhindert werden können, dann sollten diese schnell und effektiv bekämpfbar bzw. löschbar sein. Darüber hinaus können Menschenleben und deren lebenswerte Infrastruktur durch ein probates Mittel wie den Löschpanzer gerettet und beschützt werden. Lodern durch effektive Brandbekämpfung weniger Felder und Plantagen, umliegende Häuser und Gebäude, so reduziert dies auch wirtschaftliche Schäden erheblich.

Natürlich sind die neu entwickelten Löschtechniken und die dazu einzusetzenden Systemträgerfahrzeuge kein Allheilmittel in der Brandbekämpfung. Prävention bleibt bei Schadensereignissen unumstößlich primär sowie die nationalen Gesetze, welche gegen Brandstiftung arbeiten, um unsere Welt und regionale Lebensräume zu erhalten.

Dabei setzen viele Länder auf Frühwarnsysteme wie den Einsatz von Drohnen, Satelliten oder Kameras. Diese können in Kombination mit unseren Einsatzfahrzeugen ergänzend eingesetzt werden. Wenn es aber – aus welchen Gründen auch immer – zu großflächigen Bränden oder Peat Fire (Torffeuer) kommt, dann besticht die immense Löscheffizienz bei gleichzeitig geringem Wasserverbrauch des dargestellten Löschverfahrens im Vergleich zu anderen Interventionsmöglichkeiten.

Insbesondere beim Problem Peat Fire ist zielgerichtete Aktion dringend erforderlich, wie die dramatischen Verhältnisse in Indonesien 1997 und 2015 verdeutlicht haben. Im Jahr 2015 sind 2.6 Millionen Hektar indonesisches Land in über 115.000 Feuern verbrannt. Die entstandenen Emissionen machten ein Drittel des Schadstoffausstoßes der ganzen Welt aus. Smog und Staub überstiegen die Grenzwerte um das Zehnfache. Nach Harvard University und Columbia University sind über 100.000 Menschen frühzeitig an Atemwegserkrankungen durch Peat Fire-Rauch verstorben. Der „Spiegel“ bestätigt, dass 500.000 Menschen durch diese Desaster erkrankten. Die Rauchwolken waren sogar aus dem All deutlich zu erkennen. Viele Menschen konnten für Monate nicht mehr die Sonne direkt sehen.

Das indonesische Umwelt- und Forstministerium schätzt den ökonomischen Verlust durch die 2015 besonders starken Torfbrände auf 30 Milliarden Euro. Die ökologischen Verluste an den Tropenlandschaften und der Tierwelt im sogenannten „Land der tausend Inseln“ sind gar nicht zu beziffern. Auch wenn 2016 „nur“ eine halbe Million Hektar verbrannt sind, so sagen indonesische Meteorologen, Klimaforscher und Geophysiker des BMKG ihrem Land von Jahr zu Jahr zunehmende Trockenheit und damit auch die Gefahr der Ausweitung von Peat Fire voraus.

Peat Fire: Ihr dramatischer Einfluss auf die Welt und effektive Bekämpfung

Das Fahrzeug bietet neben effizienter Bekämpfung von Bränden an unzugänglichen Orten auch optimalen Schutz für die Besatzung. (Bild: Hubert Schulte)

Das Fahrzeug bietet neben effizienter Bekämpfung von Bränden an unzugänglichen Orten auch optimalen Schutz für die Besatzung. (Bild: Hubert Schulte)

Wenn Torfschichten in einer Bodentiefe von vier bis sechs Meter brennen, dann wird von Untergrundfeuern oder Peat Fire gesprochen. Diese sind nur schwer zu bekämpfen, da sie nicht direkt an die Oberfläche treten. Durch die starke und andauernde Rauchbildung haben Peat Fire aber ernsthafte Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen, auf Ökologie und Ökonomie der betroffenen Länder. „Es gibt nach unserem Wissensstand keinerlei Technik, um solche Brände sicher zu löschen. Wir können das,“ so Prof. Wolfgang Krumm.

Auch bei solchen Situationen kommt das neue Löschverfahren als Lösung zum Zuge, denn diese Technik liefert augenblicklich das einzige Verfahren zur Löschung von Torfbränden direkt am Brandherd im Boden. Der Löschpanzer Marder ist mit speziellen vier bis sechs Meter langen Löschlanzen ausgestattet. Diese werden in die Torfschicht eingebracht und mit dem Hochdrucksystem des Fahrzeugs verbunden. Mit bis zu 800 bar wird ein Löschnebel in die brennende Torfschicht gedrückt. Im Umkreis von vier bis sechs Metern wird der Brand gelöscht. Durch linienförmiges Vorgehen in regelmäßigen Abständen können so großflächige Untergrundfeuer bekämpft werden, dank des Kettenlaufwerks auch in unwegsamen Gegenden und mit weiteren Lösch- und Evakuierungsoptionen.

Eine Löschtechnik, wie sie z. B. für Indonesien von Interesse ist: Ende Januar beginnt die Trockenzeit in den für wiederkehrende Feuerkatastrophen besonders gefährdeten Gebieten, die im wesentlichen auf den Inseln Sumatra und Kalimantan (Borneo) liegen. Die Torfböden in den eigentlich feuchten Wäldern sind durch die Regierung gesetzlich geschützt. Sie sind elementar wichtig für die Biodiversität, für das globale Klima, für Orang-Utans, den Sumatra-Tiger, Tapire, als Reservoir für Wasser und Nahrung für die lokale Bevölkerung und als Schutz vor Überschwemmungen, Bodenabsenkungen, Dürre und Feuer.

Zugleich sind trockengelegte Torfwälder wirtschaftlich interessant für einheimische Farmer oder Firmen, die Ölpalmen und Holzplantagen anlegen wollen. Sie produzieren auf entwaldeten Böden Palmöl, eines der wichtigsten Exportgüter des Schwel­lenlandes.

Neue Plantagen auf Torfgebieten sind seit 2011 verboten. Daher wird die Entwaldung oft durch Feuer illegal betrieben, die Täter werden selten gefasst. Die entwaldeten Torfböden sind zudem nur zehn Jahre wirtschaftlich nutzbar, danach ist der Boden unproduktives, aber gegen äußere Einflüsse wie Erosion völlig ungeschütztes Land. Ein Regierungsprogramm unterstützt Farmer, um ohne Feuer wirtschaften zu können, zum Beispiel mit Traktoren, was sich aber nicht viele leisten können. Schlimmstenfalls sollen die Farmer Bäume zumindest in Trommeln abbrennen, um die Rauchentwicklung zu minimieren. Diese Methode braucht jedoch mehr Aufwand und Zeit.

Letztlich ist das Problem der Brandrodung nur schwer in den Griff zu bekommen, und es bedarf einer effektiven Reaktion, wenn weitflächig und grenzüberschreitend der Westen Indonesiens dann doch wieder im Qualm versinkt und der Himmel sich verdunkelt. Selbst wenn die Nachfrage aus dem Ausland nach Palmöl sinken oder nur zertifiziertes Palmöl aus nachhaltigem Anbau gekauft werden würde, so werden die Torfwälder, zwar nicht in dem Ausmaß, aber auch ohne Brandstiftung, durch die sich ausbreitende Trockenheit und übergreifende Landbrände schnell brennen. Die indonesische Bevölkerung hat vor Ort oft nicht mehr als eine Wasserpumpe zum Löschen. Ob Brandrodung oder nicht, in der Trockenzeit zwischen Juni und Oktober gibt es immer Brände, die gelöscht werden müssen. Diese können auch durch Flugzeuge und gewöhnliche Überwachungsverfahren kaum begrenzt werden. Meldungen in indonesischen Zeitungen zeugen vom Bemühen und der Tapferkeit der lokalen Feuerbekämpfer, aber auch von der Ohnmacht, die Feuer vor dem Ausbreiten in den Nationalparks zu hindern oder gar komplett zu löschen (Jakarta Post, 27.09.2017).

Vom Versuch, mit Water Bombing dem Feuer beizukommen, berichtet Waldbrand Task Force Major Jasman Bangun: „Zwei Flugzeuge haben insgesamt 65 Wasserbomben abgeworfen. Weil aber die Feuer so ausufernd und außerdem unterirdische Peat Fire sind, müssen wir weiter nach einem Weg suchen, das Feuer im Untergrund komplett löschen zu können.“ (Jakarta Post, 06.09.2017). Neben mangelnder Treffgenauigkeit, intensiven Kosten, Wetterabhängigkeit und hohem Wasserverbrauch ist es vor allem die Tatsache, dass der unterirdische Brand nicht erreicht wird, die die Löschflugzeuge nur bedingt tauglich macht. Gleichzeitig wird über den erneuten Anstieg der Emissionen in allen Bereichen in den Medien seit Jahresbeginn immer wieder berichtet.

Die Türen zur Hilfe sind offen

Neben strikter Gesetzesbefolgung zum Schutz der Torfwälder, einem nachhaltigen Management von Torfland durch Paludikultur und dem Fokus auf Brandfrüherkennung als Möglichkeiten ist die indonesische Regierung sich ihrer weltweiten Verantwortung für den Schadstoffausstoß bewusst, will ihr Versprechen bei den UN-Klimaverhandlungen einhalten und bis 2030 die Emissionen um 29 % und mit ausländischer Hilfe um 41 % reduzieren. Anderen Staaten, die durch die Emissionen, eigene Gesetze und ihr Konsumverhalten mitbetroffen sind, ist es klar, dass ein Naturschutz, der Interessen einer Industrie anerkennt, nicht zwangsläufig schlecht sein muss.

Dies setzt jedoch Regeln und Verfahren voraus, die die Gefahrenabwehr „Waldbrand“ auch im Bereich der Bewirtschaftung von Wäldern, Plantagen und Ackerflächen unter Berücksichtigung von Brandlasten und Risiken nach dem Verursacherprinzip organisiert. Diesbezüglich könnte die Initiative des GSW NRW e. V. der entscheidende Schritt in die richtige Richtung gewesen sein, mit dem bei der Sitzung des CFPA-EU (Confederation of Fire Protection Association-Europe) im Oktober 2017 die Erstellung eines Regelwerks zum Thema „ffire protection of forest-, wild- and peat-fires“ unter der Schirmherrschaft CFPA-I vorgeschlagen und akzeptiert wurde.

Dementsprechend sollen zukünftig betroffene Länder nicht nur Logistik, sondern auch standardisierte Technik zur Hilfe in Krisenlagen anfordern können. Von der irrtümlichen Meinung, dass Luftlöschmethoden zwangsläufig die besten sein, sind die Experten aufgrund der viel geringeren Effektivität als früher angenommen, heutzutage abgerückt. Wissenschaftliche Daten dazu können bereits jetzt zur Entscheidungsfindung der Politiker und lokalen Communities bereitgestellt werden, so auch in Indonesien durch das Global Fire Monitoring Center. Darüber hinaus haben die Vereinten Nationen unter Beteiligung Deutschlands einen Topf mit 500 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt, der Ländern zugutekommt, die ihre Wälder beschützen, ihre Emissionen drosseln und Brände effektiv bekämpfen wollen. Eine Investition in neue Kontroll- und Messtechnik sowie Löschtechnik eines Landes könnte so zum Beispiel refinanziert werden. Wenn die indonesische Regierung den deutschen Vorschlag für eine ganzheitliche Lösung mit direkter Brandbekämpfung, multiplen Einsatzmöglichkeiten, Hochdruckwirbel­lösch­technik und Peat Fire-Bekämpfung als Grundlage für die zukünftige Waldbrandgefahrenabwehr berücksichtigt, so wäre das ein bedeutender und weiser Schritt für das Land, die Staatengemeinschaft und die Brandbekämpfung als solche.

Steffen Korthals
Boldtstr. 4
44147 Dortmund