Alarmsoftware übernimmt Personaleinsatzplanung nach Fähigkeiten

Wenn in der Feuerwehr-Einsatzzentrale ein Brand gemeldet wird, muss es schnell gehen. Der Disponent startet an seinem Monitor die Alarmierung der Einsatzkräfte, die dahinterliegende intelligente Software wie z. B. GroupAlarm® übernimmt den Rest. Sie weiß aufgrund vorher definierter Einsatzszenarien, wie viele Einsatzkräfte notwendig sind, welcher Feuerwehrmann sofort einsatzbereit ist, welcher auf Abruf steht und welcher nicht am Einsatz teilnehmen kann. Sie weiß auch, wer über welchen Kanal erreichbar ist.

Heute wird in den meisten Fällen per Funk und Pager alarmiert, aber auch eine Alarmierung per Anruf oder SMS ist üblich. Im Gießkannenprinzip werden nach festgelegten Listen bestimmte Personengruppen alarmiert. Jeder, der erreichbar und einsatzfähig ist, wird alarmiert, und zwar so lange, bis die benötigte Zahl an Einsatzkräften ihre Teilnahme bestätigt hat. So oder ähnlich läuft ein klassisches Alarmszenario ab.

Die Idee entstand aus eigenen Erfahrungen

Das ist häufig sehr ineffizient, wie Hanno Heeskens, einer der Geschäftsführer der cubos Internet GmbH, aus eigener Erfahrung weiß. Er engagiert sich seit vielen Jahren im THW, derzeit als Ortsbeauftragter.

„Gerade in den ehrenamtlichen Bereichen stehen nicht immer genug Einsatzkräfte zur Verfügung und der Trend ist leider weiterhin sinkend. Es geht also vor allem darum, einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Ressource „Mensch“ zu schaffen“, erklärt er. „Daher muss verhindert werden, dass zu viele Einsatzkräfte alarmiert werden, die dann nicht im Einsatz gebraucht werden und wieder fahren müssen. Diese Situation kennt jeder Ehrenamtler, und das kann Motivation kosten. Natürlich muss weiterhin sichergestellt sein, dass die Alarmierung genauso schnell läuft, da es um Sekunden geht.“

Es gibt aber auch den Kostenaspekt, der bei einer solchen ineffizienten Einsatzkräfte-Alarmierung eine Rolle spielt. Wird z. B. ein ehrenamtlich tätiger Mitarbeiter während der Arbeitszeit zu einem Einsatz gerufen, den er dann nicht antritt, weil zu viele Kräfte da sind, fällt die Person zum einen für die Zeit der An- und Rückfahrt aus, zum anderen bekommt der Arbeitgeber für diese kurze Abwesenheit in der Regel keinen Ausgleich. Im kommunalen, klinischen oder industriellen Umfeld, wo der Arbeitgeber ohnehin jeden Einsatz entlohnen muss (Bereitschaftsdienste etc.), können bei einer Überalarmierung außerdem unnötige Kosten entstehen.

„Aus dieser eigenen Erfahrung und Erkenntnis heraus haben wir uns bei cubos zusammengesetzt und überlegt, wie man die Einsatzkräfteplanung effizienter und zugleich kostengünstiger gestalten kann. Niemand möchte 30 Leute mobilisieren, wenn er nur zehn braucht. Es kommt nicht darauf an, so viele Personen wie möglich zu alarmieren, um sicher zu sein, dass genügend „geeignete Einsatzkräfte“ für die verschiedenen Aufgaben kommen. Es kommt viel mehr darauf an, die Personen gezielt nach Notwendigkeit, Fähigkeiten und Verfügbarkeit zu alarmieren“, fasst Heeskens zusammen.

Künstliche Intelligenz macht Personaleinsatzplanung effizient

Deshalb wurde die Alarmierungssoftware GroupAlarm® für BOS und sonstige Einsatz- und Rettungskräfte völlig neu entwickelt und mit einer „künstlichen Intelligenz“ (KI) ausgestattet.

„Unser System schafft es, durch intelligente, lernende Algorithmen nicht eindeutige Entscheidungen so zu treffen, wie es ein Mensch tun würde. Mithilfe dieser künstlichen Intelligenz löst die Weiterentwicklung von GroupAlarm® Probleme eigenständig“, berichtet Heeskens.

Personaleinsatzplanung nach Merkmalen

Die neuste Version der webbasierten Alarmplattform übernimmt die Personaleinsatzplanung selbstständig, und zwar nicht mehr nach sonst üblichen Listen und Personengruppen, sondern ausschließlich nach Merkmalen. Es werden nicht mehr alle verfügbaren Einsatzkräfte zugleich alarmiert (siehe Gießkannenprinzip), sondern genau diejenigen, die die für den Einsatz passenden Fähigkeiten besitzen und aktuell zeitlich und räumlich verfügbar sind. In Sekunden werden die optimalen Einsatzteams automatisch zusammengestellt und per SMS/Push/M2M-Pager/Mail/Telefon alarmiert. Ist eine Person nicht verfügbar, alarmiert GroupAlarm® selbstständig die nächste Person mit der passenden Fähigkeit und disponiert notfalls schon alarmierte Personen auf eine andere Position um.

Abbildung 2_CP 3-2018_Das neue GroupAlarm_cubos

Beim neuen GroupAlarm® werden die Listen und Gruppen durch Labels abgelöst. Statische Labels bilden Merkmale z. B. Positionen, Qualifikationen, Gruppenzugehörigkeiten oder Zusatzausbildungen ab und werden in einer Matrix den einzelnen Personen zugeordnet. Intelligente Labels hingegen aktualisiert GroupAlarm® automatisch anhand des aktuellen Standortes oder bestimmter Dienst-/Zeitpläne und entscheidet so über die Verfügbarkeit einer Person.

Anhand der statischen Labels – nicht der Personen – werden nun Einheiten und Szenarien vordefiniert. Diese beschreiben, welche Merkmale in welcher Anzahl benötigt werden. Dazu zieht GroupAlarm® im Alarmfall die Daten der intelligenten Labels hinzu und bildet mithilfe von KI das beste Set an Einsatzkräften für diesen Einsatz.

Ein Beispiel

Neun Personen sind einem Krisenstab zugeordnet. Die Personen haben analog der Stabsfunktionen die verschiedenen Fähigkeiten S1 bis S6, wobei einige Personen mehrere Fähigkeiten mitbringen. Der Disponent hat für den vorliegenden Einsatz einen vollständigen Krisenstab definiert, in dem jede S-Funktion genau einmal besetzt werden soll (siehe Abbildung 1).

Das neue GroupAlarm® teilt jetzt automatisch und in Sekundenschnelle sechs Personen aus der gesamten verfügbaren Personengruppe in den Krisenstab ein (siehe Abbildung 2).

Diese sechs Personen werden von GroupAlarm® nun selbstständig alarmiert. Leider meldet sich Anja Berg mit der Fähigkeit S3 nicht zurück bzw. bestätigt ihre Teilnahme am Einsatz nicht. In diesem Augenblick disponiert die intelligente Software um und setzt Jörg Neudorf auf die Position von Anja Berg, weil er neben S1 auch Fähigkeit S3 besitzt.

An die Stelle von Jörg Neudorf für Fähigkeit S1 wechselt jetzt Jens Beckenbauer. Dieser meldet seine Einsatzbereitschaft, womit der Krisenstab vollständig wäre (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3_CP 3-2018_Das neue GroupAlarm_cubos

Theoretisch hätten anstelle von Jens Beckenbauer auch Jörg Beyer oder Leon Jager mit Fähigkeit S1 alarmiert werden können. Die Entscheidung für Personen A oder B übernimmt die Intelligenz der Software.

Das Ende der Diskussion über Aufgabenverteilung

Mit Alarmierung dieser sechs Personen werden sie zeitgleich darüber informiert, welche Aufgabe ihnen zugewiesen wurde und wo sie sich einzufinden haben. Das spart nochmals wertvolle Zeit, denn durch die direkte Besetzung der Posten fällt auch eine oft geführte Diskussion beim Eintreffen der Einsatzkräfte weg, wer welche Aufgaben übernimmt. Die Positionierung übernimmt nun die Software.

„Wir haben das Prinzip der Einsatzkräfte-Alarmierung sozu­sagen neu erfunden. Eigentlich ist es schon immer wichtig,
die Personaleinsatzplanung nach Fähigkeiten und Qualifikationen statt stur nach Personen zu organisieren. Unser neues ­Group­Alarm® orientiert sich nicht mehr an starren Listen und Gruppen, sondern alarmiert zielgerichtet und nicht einfach jeden, der verfügbar ist. Die Software denkt also mit“, beschreibt ­cubos Geschäftsführer Hanno Heeskens die Idee des neuen GroupAlarm®. „Damit führen wir erstmals den Begriff der künstlichen Intelligenz in diesem Bereich ein. Basierend auf verschiedenen vorgegebenen oder gelernten Parametern kann das neue Group­Alarm® eigenständig Probleme bearbeiten“.

Technisch setzt das neue GroupAlarm® auf den neusten Hard- und Softwarestack, um in puncto Geschwindigkeit, Ausfallsicherheit und Datenverschlüsselung stets aktuell zu sein.

Frank Bärmann
conpublica
cubos Internet GmbH
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