08.09.2021 •

„Anerkennendes Zeichen für herausragendes Engagement“

Bad Homburg erhält als erste Kommune Hessens das KOMPASS-Sicherheitssiegel

Wiesbaden/ Bad Homburg. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde hat Innenminister Peter Beuth der Stadt Bad Homburg (Hochtaunuskreis) das KOMPASS-Sicherheitssiegel verliehen. Die Kurstadt ist damit die erste Kommune in Hessen, die die Auszeichnung erhält. Bad Homburg nimmt als Modellkommune bereits seit Ende 2017 an der bundesweit einmaligen Sicherheitsinitiative teil und hat in dieser Zeit gemeinsam mit der Polizei und den Bürgern etwaige Problembereiche identifiziert und diese mit passgenauen und konkreten Sicherheitsmaßnahmen beantwortet. Dafür wurde die Stadt heute von Innenminister Peter Beuth mit dem Sicherheitssiegel ausgezeichnet.

„Mit KOMPASS haben wir Ende 2017 ein weiteres, neues Kapitel in der Sicherheitsstrategie des Landes Hessen aufgeschlagen mit dem Ziel, dass hessische Städte und Gemeinden Probleme vor Ort selbständiger angehen und individuelle Lösungen entwickeln können. Am Ende dieses gemeinsamen Engagements für die Sicherheit in einer Kommune steht die Auszeichnung mit dem KOMPASS-Siegel. Es ist das sichtbare und anerkennende Zeichen dafür, dass die Kommune mit herausragendem Einsatz mehr für die Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger unternommen hat und sich auch weiterhin verpflichtet fühlt, den Sicherheitsgedanken vor Ort mit Leben zu füllen. Die für Bad Homburg entwickelten Präventionsmaßnahmen haben sich allesamt als gut geeignet erwiesen, die erhobenen Sicherheitsbedarfe bestmöglich zu erfüllen und das Sicherheitsgefühl zu stärken. Dies belegen bereits heute die ersten Erfolge der Stadt eindrucksvoll. Ich gratuliere allen Beteiligten der Stadt Bad Homburg sehr herzlich zu diesem Erfolg und der damit verbundenen KOMPASSSiegelverleihung“, so Innenminister Peter Beuth.

Innenminister Peter Beuth und Oberbürgermeister Alexander Hetjes
Innenminister Peter Beuth und Oberbürgermeister Alexander Hetjes
Quelle: HMdIS

Oberbürgermeister Alexander Hetjes nahm die Auszeichnung aus den Händen des Innenministers entgegen und bedankte sich im Namen der Stadt Bad Homburg für die sehr erfolgreiche Zusammenarbeit aller Beteiligter in den vergangenen Jahren:

„Über das Landesprogramm KOMPASS haben wir einen wichtigen Dialog über die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl in unserer Kurstadt anstoßen können. Alle Sicherheitspartner haben in den vergangenen Jahren konstruktiv und intensiv daran mitgewirkt, dass wir zugeschnittene Maßnahmen für unsere Stadt auf den Weg bringen und das Sicherheitsgefühl stärken konnten. Die Auszeichnung belegt, dass wir sehr vieles richtig gut gemacht haben und ist eine tolle Motivation für die weitere Arbeit.“

Über die in Bad Homburg erfolgten Sicherheitskonferenzen konnte festgestellt werden, dass sich ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger in ihrer Stadt sicher, bzw. relativ sicher fühlen. Als Örtlichkeiten mit Sicherheitsbedarf wurden die Bereiche Schlosspark, Jubiläumspark, Kurpark und Rathaus benannt. Sowohl eine geringe Ausleuchtung der Örtlichkeiten, als auch der Aufenthalt größerer Personengruppen mit Alkoholkonsum, Lärmbelästigung und erhöhtem Müllabfall führten bei den Bürgerinnen und Bürgern zu einer stärkeren Verunsicherung im öffentlichen Raum.

Bad Homburg: Palette an Maßnahmen für die Sicherheit umgesetzt

Diese und weitere identifizierten Problembereiche wurden über mehrere Maßnahmen erfolgreich angepackt. So wurde beispielsweise in vielen Parkbereichen bereits die Beleuchtung verbessert und größere Mülleimer aufgestellt. Mehr als 100.000 Euro nahm die Stadt für die Umrüstung in die Hand. Gleichzeitig stellte der Magistrat ein Konzept (7-Punkte-Plan) zur verstärkten Präsenz der Örtlichkeiten auf. Seitens der Stadt wurde eine Intensivierung der aufsuchenden Jugendsozialarbeit (Einführung von Streetworking) vorgenommen. Außerdem wurde auch die polizeiliche Präsenz in den Parkbereichen und während der Abendstunden sowie auf dem Rathausvorplatz erhöht.

Seitens der Polizei wurde bereits 2018 in der Regionale Kriminalinspektion der Polizeidirektion Hochtaunus eine Arbeitsgruppe „SMART“ eingerichtet, die gegen jugendliche Tätergruppen ermittelte. In diesem Zuge wurden in Bad Homburg 49 Ermittlungsverfahren geführt, wovon 46 aufgeklärt werden konnten.

Für die Bürgerinnen und Bürger wurde im August 2018 ein „Schutzmann vor Ort“ (SvO) als fester Ansprechpartner der Bürgerinnen und Bürger und für die Belange der Stadtverwaltung eingesetzt. Der erfahrene Polizist ist sowohl als Fußstreife in der Stadt unterwegs, wo er von Bürgerinnen und Bürger direkt angesprochen werden kann, als auch zu festen Sprechzeiten in seinem Büro erreichbar. Das Konzept des „Schutzmanns vor Ort“ ist ein wichtiger Bestandteil des KOMPASS-Programms. Für zusätzliche Präsenz und Stärkung des subjektiven Sicherheitsgefühls im Stadtgebiet sorgen zusätzlich zwei Helferinnen und Helfer des Freiwilligen Polizeidienstes. Zeitnah soll dieser mit einer dritten Person verstärkt werden.

Aufgrund erhöhter Straftaten zum Nachteil älterer Menschen haben Stadtverwaltung und Polizei gemeinsam weitere Sicherheitsberater für Seniorinnen und Senioren ausgebildet. Insgesamt 13 Frauen und Männer wurden durch das Polizeipräsidium Westhessen eigens geschult, um gezielte und fachlich fundierte Informationen zu neuen Kriminalitätsformen, zu Unfallrisiken und zu den entsprechenden Möglichkeiten der Vorbeugung geben zu können.

Sie organisieren seit mehr als zwei Jahren Informationsstände, Beratungsgespräche und Vorträge, etwa bei Sozialverbänden oder kirchlichen Einrichtungen. Im Rahmen des KOMPASS-Programms wurde 2019 zusätzlich ein Präventionsrat gegründet, der sich in regelmäßigen Abständen mit den aktuellen Entwicklungen innerhalb des Stadtgebietes befasst. Die Stadt prüft derzeit gemeinsam mit der Polizei, welche Möglichkeiten der Errichtung einer Videoschutzanlage bestehen.

„Wenn, wie hier in Bad Homburg, ausgemachte Probleme angepackt und Lösungen erfolgreich umgesetzt werden, werden KOMPASS-Kommunen mit einem Sicherheitssiegel ausgezeichnet. Diese Auszeichnung bedeutet nicht, dass hier künftig keine Straftat mehr passieren. Es steht vielmehr dafür, dass die Kommune sich in besonderem Maße für die Sicherheit ihrer Bürgerinnen und Bürger eingesetzt, deren Sorgen und Ängste aufgegriffen und gemeinsam mit der Polizei Sicherheitsmaßnahmen erfolgreich umgesetzt hat“, so Innenminister Peter Beuth.

Bereits 92 hessische Kommunen nehmen an der Sicherheitsinitiative KOMPASS (KOMmunalProgrAmmSicherheitsSiegel) des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport teil. Über 2,5 Millionen Hessinnen und Hessen profitieren damit von der bundesweit einmaligen Initiative. Zahlreiche Bürgerbefragungen und lokale Sicherheitskonferenzen haben stattgefunden. Als Ausfluss daraus sind jeweils vor Ort in den KOMPASS-Kommunen passgenaue Lösungen für identifizierte Problemlagen angestoßen und vielerorts bereits umgesetzt worden. Im Dezember 2017 wurde KOMPASS als Pilotprojekt in vier hessischen Modellkommunen (Bad Homburg, Schwalbach am Taunus, Hanau und Maintal) eingeführt.

Diese vier Modellkommunen haben Pionierarbeit geleistet und zahlreiche wirksame Präventions- und Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt. Sie alle werden für ihre Bemühungen im Rahmen des KOMPASS-Programms zeitnah mit den KOMPASS-Sicherheitssiegeln ausgezeichnet. Neben den vier Modellkommunen haben sich auch die KOMPASS-Kommunen Kronberg, Bensheim und Weiterstadt die Auszeichnung mit dem KOMPASS-Sicherheitssiegel erarbeitet.

Sicherheitsinitiative wird erweitert: KOMPASSpartner und KOMPASSregion

Mit KOMPASSpartner und KOMPASSregion bietet die Sicherheitsinitiative des Landes künftig speziell auch kleineren Kommunen einen leichten Einstieg in das Sicherheitsprogramm. So können kleinere Kommunen zunächst als KOMPASSpartner von einzelnen KOMPASSBausteinen profitieren. Ebenso können sich mehrere kleinere Kommunen als KOMPASSregion zusammentun und so gemeinsam die Vorteile des Programms nutzen und sich das kommunalen Engagement für mehr Sicherheit aufteilen. Bereits drei Regionen befinden sich im Aufbau für das neue Programm KOMPASSregion: „Hoher Meißner“ (Waldkappel, Hessisch Lichtenau und Großalmerode), „Oberer Rheingau“ (Kiedrich und Walluf, außerdem gibt es weitere Interessenten) und „Weschnitztal“ (Lindenfels, Fürth, Rimbach und Mörlenbach).

„Gemeinsam Sicher In Hessen“: Zukunft der Sicherheit in Hessen wird gemeinsam gestaltet

„Die hessische Polizei hat eine Vielzahl von individuellen Präventionsprojekten im Angebot, die in den Kommunen in unterschiedlicher Intensität Anwendung finden können. KOMPASS hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, dass sich alle Beteiligten aktiv in den Prozess einbringen. Schließlich wissen die Bürgerinnen und Bürger in unseren Kommunen am ehesten, wo der Schuh drückt und die Gemeinde, was umsetzbar ist. Diese vernetzte Sicherheit zwischen Bürgern, Kommunen, Land und Polizei wollen wir unter der neuen Dachmarke ‚Gemeinsam Sicher In Hessen‘ vereinen und stetig weiterentwickeln. Im Zentrum aller Maßnahmen sollen die Bürgerinnen und Bürger stehen. Sie werden sich künftig bei ‚Gemeinsam Sicher In Hessen‘ noch stärker – online und offline – einbringen können, damit Hessen noch sicherer wird“, sagte Innenminister Peter Beuth.

Weiterführende Informationen zum KOMmunalProgrAmmSicherheitsSiegel finden Sie unter kompass.hessen.de. Interessierte Kommunen können sich an kompass@hmdis.hessen.de wenden.


Hintergrund:

Laut Kriminalstatistik ist der Hochtaunuskreis einer der sichersten Landkreise in ganz Hessen. In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der erfassten Straftaten sowohl im Landkreis als auch in der Stadt Bad Homburg - wie in ganz Hessen zu verzeichnen - sukzessive zurückgegangen, während die Aufklärungsquote von Delikten anstieg. Die Anzahl der erfassten Straftaten betrug in den vergangenen Jahren 3.028 (2018), 2.679 (2019) und 2.538 (2020). Betrug, Sachbeschädigung, Ladendiebstahl und Wohnungseinbruchsdiebstahl sowie Körperverletzungen machen etwa 50 Prozent des Gesamtstraftatenaufkommens aus.

Die Sicherheitslage wird in den hessischen Kommunen von Jahr zu Jahr signifikant besser. 2020 ist war die Kriminalitätsbelastung in Hessen im vierten Jahr in Folge erneut deutlich gesunken. Mit genau 342.423 Straftaten wurden 22.410 Fälle weniger gezählt als noch im Vorjahr (- 6,1 Prozent). Das ist der niedrigste Wert seit 1980. Die Kriminalitätsbelastung ist mit 5.446 Straftaten pro 100.000 Einwohner ebenfalls weiter gesunken (2019: 5.823). Die Gefahr, in Hessen Opfer von Kriminalität zu werden, ist damit auf einem historischen Tiefstand. 65,5 Prozent der polizeilich bekannt gewordenen Straftaten wurden letztes Jahr aufgeklärt. Das ist nach 2019 (65,2 Prozent) erneut der mit Abstand höchste jemals gemessene Wert, seit Einführung der Kriminalstatistik im Jahr 1971.


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