Evakuierungsmöglichkeiten bei Planung berücksichtigen

Unachtsamkeit, Sorglosigkeit oder Unwissenheit können Grund für verheerende Brandschäden sein. Das gilt im Privatbereich ebenso wie in Betrieben. Nicht immer sind es glimmende Zigaretten, die zu Großbränden führen können. Die dabei entstehenden Sachschäden, Betriebs­unterbrechungen oder Personenschäden können Unternehmen in ihrer Existenz bedrohen; die gesundheitlichen Folgen für die Brandverletzten sind oft gravierend. Der betriebliche Brandschutz ist somit ein Thema von existenzieller Bedeutung. Unternehmer sind gesetzlich verpflichtet, Vorschriften zum Brandschutz einzuhalten. Als vorbeugende Maßnahmen in diesem Zusammenhang dienen neben dem baulichen und organisatorischen Brandschutz auch technische Einrichtungen wie Brandmeldeanlagen. Bei der Planung sollten bereits Aspekte einer eventuellen Evakuierung berücksichtigt werden. Bei besonders gefährdeten Betrieben ist es oft sinnvoll, darüber hinaus auch die örtliche Feuerwehr zu Rate zu ziehen.

Wenn ein Gebäude aufgrund eines Notfalls evakuiert werden muss, zählen oft Sekunden bei der Rettung von Menschenleben. Wissenschaftliche Studien belegen in diesem Zusammenhang, dass Gebäude im Gefahrenfall viel schneller evakuiert werden können, wenn eine Sprachalarmierung als unterstützende Maßnahme eingesetzt wird. Auch Paniksituationen können auf diese Weise vermieden werden.

Objektspezifische Brandschutzkonzepte

Ziel einer Notfallalarmierung ist es, Personen zunächst auf die Gefahrensituation aufmerksam zu machen und anschließend den Gefahrenbereich schnellstmöglich zu evakuieren. Während Menschen im Ernstfall oft nur zögerlich auf abstrakte Alarmtöne oder rein optische Alarmsignale reagieren, handeln sie schnell und korrekt, wenn sie eindeutigen Sprachanweisungen folgen können. Deshalb gehört ein abgestimmtes Brandschutzkonzept mittlerweile zu den Standard-Qualitätsmerkmalen vieler Gebäude, in denen sich größere Menschenmengen aufhalten. Dazu zählen neben Flughäfen und Bahnhöfen auch Hotels, Theater, Einkaufszentren, Sportstätten und Produktionshallen. Die räumlichen Gegebenheiten mit ihren unterschiedlichen, sicherheitstechnischen Belangen gestalten sich sehr facettenreich und müssen im Einzelnen berücksichtigt werden. Neben den Sicherheitsaspekten spielen dabei Brandmelder ihre Vorteile aus, die während der Montage erhebliche Arbeitserleichterungen bieten und sich durch möglichst geringen Installations- und Wartungsaufwand hervorheben. Geringere Betriebskosten der gesamten Brandmeldeanlage sind von Betreiberseite zusätzlich gewünscht.

In vielen Fällen ist es ausreichend, für die objektspezifische Konzeptumsetzung eine brandmelderbasierte, sprachunterstützte Alarmierung vorzusehen. Falls jedoch von der Feuerwehr eine Einsprechstelle gefordert wird, sind kostenintensivere Lösungen erforderlich. Aufwändige Installationen zeichnen sich dadurch aus, dass die Durchsagen und Alarmmeldungen eine gute Sprachverständlichkeit bei hohem Umgebungs­geräusch­pegel aufweisen. Bei professionellen Lösungen erfolgt zusätzlich eine kontinuierliche Anpassung an die akustische Umgebung, wobei von Betreiberseite höchste Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit sowie einfachster Bedienungskomfort ­vorausgesetzt werden.

Branderkennung und Evakuierung zugleich

Viele Produktionsbetriebe vertrauen in Sachen Brandschutz auf eine neue Meldertechnologie, die neben der eigentlichen Brand­erkennung auch eine gezielte Evakuierung unterstützt. Ein wesentlicher Anspruch an die Brandmelder ist dabei eine möglichst geringe Falschalarmrate: Störgrößen müssen zuverlässig von Brandrauch unterschieden werden können. Statistische Erhebungen belegen, dass knapp die Hälfte der in Deutschland registrierten Feuerwehreinsätze auf Falschalarme zurückzuführen sind. Die eingesetzten Brandmelder sollten im Gefahrenfall nach Möglichkeit eine Evakuierung durch multilinguale Sprachdurchsagen unterstützen. Eine Signalisierung allein durch Sirenen führt bekanntlich in den meisten Fällen zu keinerlei Reaktion. Auch für diese Anwendung existieren maßgeschneiderte Lösungen. Es haben sich inzwischen Melder bewährt, die über integrierte akustische Signalgeber, Blitzleuchte und Sprachausgabe verfügen. Auf diese Weise kann mit der Alarmierung – wenn gewünscht – gleichzeitig die Evakuierung eingeleitet werden.

Professioneller Brandmelder der Traditionsmarke ESSER mit einer LED-Designleuchte.

Professioneller Brandmelder der Traditionsmarke ESSER mit einer LED-Designleuchte.

Solche multifunktionalen Brandmelder können mehrere Funktionen in einem einzigen Gehäuse unterbringen, und sie beanspruchen dabei nicht mehr Platz als übliche Brandmelder. Da verschiedene Sprachdurchsagen multilingual generiert werden können, bieten sie gerade in Gebäuden, in denen sich internationales Publikum aufhält, entscheidende Vorteile. Veranlasst durch bestimmte Ereignisse (z. B. Feueralarm) können Nachrichten für das gesamte Gebäude oder bestimmte Bereiche wiedergegeben werden. Dies ermöglicht nicht nur eine enorme Flexibilität, sondern erlaubt es auch, eine gezielte Evakuierung zeitlich zu steuern. Durch die Option, diese innovativen Produkte auch als Funkmelder im Rahmen der gültigen Normen und Richtlinien flexibel und ohne Kabelzuführung im Gebäude zu platzieren, werden selbst in denkmalgeschützten Räumlichkeiten alle ästhetischen Ansprüche erfüllt.

„Sprachbegabte“ Brandmelder haben jedoch ihre Grenzen, insbesondere dann, wenn durch baurechtliche Vorgaben oder die Möglichkeit einer Live-Durchsage eine Sprachalarmierungsanlage (SAA) gefordert wird. Eine Integration mit der Brandmeldetechnik wird bereits in vielen Fällen berücksichtigt. Bedingt durch immer komplexere Gebäudestrukturen und ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis wächst das Interesse an Sprachalarmierungsanlagen europaweit kontinuierlich. Parallel dazu steigen auch die Anforderungen. Vernetzt mit einer Brandmeldeanlage geben SAA im Brandfall durch gespeicherte Sprachdurchsagen direkte Anweisungen für das richtige Verhalten und stellen sicher, dass die Menschen rechtzeitig alarmiert werden und das Gebäude schnell und gezielt evakuiert wird.

Entwicklungstendenzen in der Brandmeldetechnik

Bei der Entwicklung einer neuen Brandmelderzentrale ist es wünschenswert, die Belange seitens Errichter, Planer und Betreiber unter einen Hut zu bekommen, ohne die nötigen Zulassungsvorschriften nach EN54, VdS usw. zu vernachlässigen. Der unkonventionelle Ansatz, den zusätzlichen Kundennutzen in den Fokus der Entwicklung zu stellen, könnte sich dabei auf längere Sicht auszahlen. Nach heutigem Stand sollten es die Eigenschaften einer neuen Brandmelderzentrale erlauben, dem Kunden genau das anzubieten, was er benötigt. Er zahlt dann z. B. nicht mehr für einen großen Leistungsumfang an Hard- und Software, den er ohnehin nur zum Teil verwendet. Einsparungen dürfen jedoch nicht zu Lasten der Funktionalität gehen. Mit nahezu 50 Prozent der Gesamtkosten einer Brandmeldeanlage stellen – über die Lebensdauer eines solchen Systems betrachtet – die Instandhaltungskosten den größten Anteil dar. An dieser Stelle ist folglich auch das höchste Einsparpotential aus Sicht des Betreibers verborgen. Mit dem Einsatz entsprechender Software lassen sich in diesem Bereich sowohl Kosten als auch Aufwand deutlich senken. Unabhängig von Ort und Zeit eine komplexe Gefahrenmeldeanlage zu programmieren, ist keine Wunschvorstellung mehr, sondern Realität. Bevor die Daten in die Zentrale übertragen werden, kann man sie – nach Festlegung aller kundenspezifischen Anforderungen – im Vorfeld erfassen und entsprechend konfigurieren, ohne vor Ort sein zu müssen.

Ein flexibles, erweiterbares und wirtschaftliches Brandschutzkonzept berücksichtigt den ganzheitlichen Ansatz moderner Gebäudetechnik mit Sprachalarmierungssystemen zur Selbstrettung von Personen. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit ist gewachsen, das Leben der Menschen besser zu schützen. Verantwortliche und Entscheider, die sich mit der Thematik des Brandschutzes in Verbindung mit einer möglicherweise erforderlichen Evakuierung auseinandersetzen, werden es begrüßen, dass entsprechende Möglichkeiten bereits geschaffen sind.

Ausblick

Leistungsfähiger Brandschutz lässt sich inzwischen auch mit attraktivem Raumdesign verbinden. Dies beweist seit Kurzem die VdS-zugelassene Kombination eines professionellen Brandmelders der Traditionsmarke ESSER mit einer LED-Designleuchte. Architekten sowie Betreiber von anspruchsvollen Gebäuden wie z. B. Luxushotels oder Kultureinrichtungen werden dies sehr begrüßen. Die Neuentwicklung bleibt hierbei nicht nur auf den Einsatz von Brandmeldern begrenzt, sondern ermöglicht auch die Integration von Lautsprechern zur professionellen Sprach­alar­­mierung zum Zweck von Evakuierungsmaßnahmen im Gefahrenfall. Bei Bedarf kann auch die Notbeleuchtung bei Ausfall der allgemeinen Spannungsversorgung Berücksichtigung finden.

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Dipl.-Ing. Joachim Meisehen

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