"Demokratische Werte fest in der hessischen Polizei verankert"

Innenminister Peter Beuth und Landespolizeipräsident Udo Münch präsentieren erste Ergebnisse der Umfrage zur hessischen Polizeistudie

PantherMedia / scanrail

Der Hessische Innenminister Peter Beuth und Landespolizeipräsident Udo Münch haben erste Ergebnisse der Umfrage zur Studie "Polizeiliche Alltagserfahrungen - Herausforderungen und Erfordernisse einer lernenden Organisation" in Wiesbaden vorgestellt. Per Onlinefragebogen hatten Beschäftigte der hessischen Polizei vom 6. November bis 5. Dezember 2019 die Möglichkeit, sich an dieser bundesweit einmaligen Umfrage zu beteiligen. Rund 17.000 Polizeivollzugsbeamte, Verwaltungsbeamte und Tarifbeschäftigte konnten mitmachen. 

4.277 Frauen und Männer nahmen an der Befragung teil, was einer sehr guten Rücklaufquote von 25 Prozent entspricht. In Absprache mit dem Hauptpersonalrat der Polizei und einem wissenschaftlichen Beirat aus fünf renommierten und unabhängigen Experten erarbeitet das Hessische Kompetenzzentrum gegen Extremismus (HKE) zurzeit eine umfassende Analyse der Ergebnisse. Anlass für die Befragung waren Rechtsextremismus-Verdachtsfälle in der hessischen Polizei. 

Darüber hinaus sollten mit der Studie Einstellungen der Beschäftigten zu Arbeitsumfeld, -zufriedenheit und -bedingungen erhoben werden.Innenminister Peter Beuth dankte den Autoren der Studie und den vielen Kolleginnen und Kollegen, die sich daran beteiligt hatten. „Unsere Umfrage liefert bisher nie dagewesene Einblicke in den Polizeiberuf. Sie zeichnet ein umfassendes Bild der Herausforderungen, vor denen unsere Schutzleute tagtäglich stehen. 

Vor allem aber verdeutlichen die Zahlen, dass die Frauen und Männer der hessischen Polizei fest an die Werte unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung glauben und sie auch vertreten. Extreme oder sogar extremistische politische Positionen sind der ganz großen Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen fremd. Die Studie bestätigt uns deshalb in der Auffassung, dass es sich bei den rechten Verdachtsfällen in der hessischen Polizei um Einzelfälle handelt, in denen wir aber mit aller Konsequenz weiterermitteln werden“, so der Innenminister.

Große Mehrheit ist zufrieden mit der Arbeit und identifiziert sich mit dem Polizeiberuf

Die Befragten identifizieren sich stark mit ihrer Arbeit (rund 90 Prozent der Befragten) und auch die Arbeitszufriedenheit liegt mit mehr als 80 Prozent (genau: 81,5 Prozent) im Vergleich zu anderen Berufen sehr hoch. Allerdings bewerten nur etwa 60 Prozent der Befragten auch die Arbeitszufriedenheit ihrer Kolleginnen und Kollegen als entsprechend positiv. Rund zwei Drittel halten das Image der Polizei zumindest eher für gut. "Diese Werte bestätigen die Berichte der Kolleginnen und Kollegen aus den Dienststellen", erläuterte Landespolizeipräsident Udo Münch. 

"Umfragen zeigen immer wieder, dass Polizisten in der Bevölkerung das größte Vertrauen genießen. Das ist für uns Ansporn und Verpflichtung zugleich. Wenn aber der einzelne Polizist mit seinem Beruf selbst zufrieden ist und gleichzeitig denkt, seine Kollegen seien es nicht, dann müssen wir mehr darüber reden: In der Dienststelle aber auch als Gesamtorganisation, insgesamt werden wir uns mehr austauschen. Dazu werden wir eine moderne Kommunikationsplattform für die hessische Polizei ins Leben rufen, die uns den direkten Austausch ermöglicht", sagte der Landespolizeipräsident.

Sieben von zehn Befragten wurden schon Opfer von Gewalt

Teil des Fragebogens waren auch Alltagserfahrungen. In dem Zusammenhang wollten die Autoren der Studie auch immer wissen, wie sehr die einzelnen Vorkommnisse den Einzelnen belasten. Am stärksten belastet die Befragten die Überbringung von Todesnachrichten: 58,5 Prozent wählten diese Situation aus. Aber auch tödliche Verkehrsunfälle und die Unterstellung von Fremdenfeindlichkeit bzw. Rassismus nannten jeweils rund 44 Prozent der Teilnehmer als besonders belastende Situationen.

Fast jeder zweite Befragte gab an, zumindest einmal Opfer einer solchen verbalen Attacke geworden zu sein. Angriffe von Bürgern auf Polizeibeschäftigte hinterlassen bei den Schutzleuten nicht nur körperliche Spuren, wie die Ergebnisse zeigen. "Mehr als 70 Prozent der befragten Polizeibeschäftigten wurden bereits von Bürgern angegriffen. Jeder zweite wurde bereits mehr als zweimal Opfer von Übergriffen. Fast 87 Prozent der Schutzpolizisten wurden mindestens einmal angegriffen. Beleidigt wurde nahezu jeder uniformierte Kollege schon einmal: 97 Prozent waren betroffen. Diese Zahlen machen betroffen, sind für uns aber leider keine Überraschung, weil sie die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik bestätigen. Umso mehr zeigt die Studie, wie wichtig es ist, dass unsere Gesellschaft ihrer Polizei zeigt, dass wir sie brauchen und wertschätzen. In jeder Uniform steckt ein Mensch, der seinen Job macht und dafür den Respekt und die Anerkennung seiner Mitmenschen verdient", sagte Peter Beuth.

Solidaritätskampagne für Einsatzkräfte wird ausgeweitet

Dabei unterstrich der Innenminister seine Forderung nach einer Mindeststrafe von sechs Monaten bei Angriffen auf Polizeivollzugbeamte nochmals eindringlich. Der Innenminister und der Landespolizeipräsident kündigten eine Ausweitung der hessenweiten „Schutzschleifenkampagne“ an. Seit den Übergriffen auf Einsatzkräfte während der Eröffnung der neuen Zentrale der Europäischen Zentralbank steht die dreifarbige Schleife als Symbol für Solidarität mit den Frauen und Männern der Polizei, der Feuerwehren und Rettungsdienste. 

Rund 45 Prozent der von Gewalt durch Bürger betroffenen Kolleginnen und Kollegen gaben ab, dass diese Erlebnisse sie "stark" oder "sehr stark" belaste. Von Bürgern beleidigt wurden mehr als 85 Prozent der Befragten. Etwa jeder Vierte bewertete die damit verbundene Belastung mit mindestens "stark". Gewaltsame sexuelle Übergriffe von Bürgern auf Polizeibeschäftigte hatten drei Prozent der Befragten bereits erlebt, während rund ein Viertel sich schon mehr als zweimal sexistische Äußerungen anhören musste.

Besonders belastend für den Arbeitsalltag der befragten Polizeibeschäftigten ist das Thema Tod. Rund 59 Prozent wählten das "Überbringen von Todesnachrichten" als eine solche Situation aus. Tödliche Verkehrsunfälle und die Unterstellung von Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit bei polizeilichen Maßnahmen nannten jeweils vier von zehn befragten Polizeibeschäftigten als ebenfalls schwer zu verarbeitende Erlebnisse.

Der Innenminister und der Landespolizeipräsident bekräftigten, dass die hessische Polizeistudie künftig regelmäßig wiederholt werden solle. Zunächst müsse aber die umfassende Analyse der Umfrage erfolgen. Ziel aller Beteiligten sei es, den Kolleginnen und Kollegen die Arbeit bei der Polizei zu erleichtern sowie immer wieder ein umfassendes und selbstkritisches Bild auf die eigene Organisation zu erhalten und daraus konkrete Handlungsempfehlungen für die Zukunft abzuleiten.


Hinweis: unter innen.hessen.de finden Sie die gesamte Umfrage mit Häufigkeitsverteilung der Antworten. Diese beziehen sich immer auf alle Polizeibeschäftigten, also z.B. Schutzpolizei, Kriminalpolizei, Wachpolizei, Verwaltungsmitarbeiter usw. Es handelt sich bei der heutigen Veröffentlichung nicht um die Publikation der wissenschaftlichen Studie, sondern um erste Ergebnisse aus der Umfrage. Wir bitten um Verständnis, dass zunächst die Studie in Absprache mit dem wissenschaftlichen Beirat und dem Hauptpersonalrat ausgewertet und anschließend publiziert werden wird, bevor Anfragen der Medien nach Sonderauswertungen oder weitere Forschungsvorhaben unterstützt werden können.

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