Nachbericht Zivil-Militärische Zusammenarbeit Gesundheitswesen 2020

ZMZ-Seminar als virtuelle Veranstaltung

Melanie Prüser

Das ursprünglich als Präsenzveranstaltung geplante ZMZ-Seminar, fand aufgrund der andauernden Pandemiesituation am 9. Dezember als virtuelles Seminar statt. Unter dem Titel „Das Netzwerk zivil-militärischer Zusammenarbeit Gesundheitswesen – Partner im Bevölkerungsschutz und der Genfer Konvention“ fanden sich Experten aus dem Gesundheitssektor, der Bundeswehr, den Hilfsdiensten und den Behörden zusammen, um sich diesem Schwerpunktthema zu widmen.

Collage der Vortragendes des ZMZ-Seminars
Vortragende des ZMZ-Seminars zum Thema Zusammenarbeit Gesundheitswesen 2020
Quelle: Beta Verlag

Den Einstieg in die Veranstaltung machten Christian Reuter (Generalsekretär DRK) und Katrin Budde (MdB SPD) mit ihren Keynote-Vorträgen. Betont wurde vor allem die effektive Zusammenarbeit zwischen dem Sanitätsdienst der Bundeswehr und den Hilfsorganisationen. Speziell durch die Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass Lagen, die früher als Sonderlagen eingestuft wurden, uns zukünftig dauerhaft begleiten werden und daher auch entsprechend behandelt werden müssen. Daraus schließt Katrin Budde: „Zusammenarbeit muss noch häufiger und gezielter trainiert werden.“, und Christian Reuter ergänzt: „Eine proaktive Anpassung an neue Lagen ist notwendig, keine reaktive.“

In seinem Vortrag zur ZMZ im medizinischen Bevölkerungsschutz hebt Dr. Bruno Most (Beauftragter für zivil-militärische Zusammenarbeit des Sanitätsdienstes der Bundeswehr) hervor, wie essenziell das Netzwerk ist und die konstante Pflege, die hier notwendig ist, um ein im Krisenfall funktionierendes Netzwerk zu gewährleisten. „Die Ausgangsbasis ist entscheidend und basiert auf erfolgreicher Beratung, Befähigung und Bereitstellung“, erläutert Dr. Bruno Most. Unter dem Stichwort Subsidiarität lässt sich zusammenfassen, dass nicht vergessen werden darf, dass die Hilfsorganisationen die Kräfte erster Wahl sind und erst danach der Sanitätsdienst ins Spiel kommt.

Aus Sicht des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gibt Giulio Gullota vertiefende Einblicke in die Zivilverteidigung im Gesundheitswesen 2.0. In einem Vergleich mit der (zivilen) Verteidigung 1.0 zeigt Giulio Gullota die Entwicklungen der Vorgehensweise auf. Er betont, dass das Gesundheitswesen gestärkt werden muss und gleichzeitig auch das Bewusstsein dafür. Den nächsten Schritt präzisiert er mit der Forderung nach einem Gesundheits-Versorgungs-Leistungsgesetz.

Rückblicke in Pandemie-Lagen 2020

Als Bundes-Katastrophenschutz-Beauftragter des DRK gibt Frank Jörres einen Rückblick zum Anfang der Pandemie und dem ersten Kontakt und Umgang mit den Heimkehrern aus Wuhan. Die Problematik der Situation beleuchtet die benötigten hoch flexiblen und lösungsorientierten Ansätze, die in einer Zusammenarbeit zwischen den Hilfsorganisationen und der Bundeswehr gefunden werden mussten. „Der Infektionsschutz, zum Beispiel im Rahmen von CBRN-Übungen muss wieder ein Bestandteil der Ausbildung werden,“, erläutert Frank Jörres, „und die Vorsorgekultur und Resilienz muss gestärkt werden, um besser auf Langzeit-Lagen vorbereitet zu sein.“ Zusammenfassend zeigt sich wieder, dass „Köpfe kennen“ ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist, auch im Hinblick auf die Vorbereitung zu den kommenden Impfungen.

Oberstarzt PD Dr. Kai Kehe (Leiter der Unterabteilung VI – Präventivmedizin, Gesundheitsschutz und Gesundheitsförderung im KdoSanDstBw), legt in seinem Vortrag den Fokus auf die nicht zu unterschätzende notwendige wissenschaftliche Expertise. Er gibt vertiefende Einblicke in die medizinischen Forschungsarbeiten des Sanitätsdienstes der Bundeswehr und zeigt auf, wie welche Ansätze und Vorgehensweisen verfolgt werden. Seine Folgerung: Es müssen Gelder in die Pandemie-Forschung fließen und das sollte auch nach der aktuellen Krise beibehalten werden, als eine evidenzbasierte Public-Health-Maßnahme.

Markus Bensmann (Malteser) bringt in seinem Vortrag die Arbeit der Hilfsorganisationen noch einmal in den Vordergrund. Er beschreibt die aktuellen Einsatzbereiche und wie diese sich durch die Pandemie gewandelt haben. „Strukturen wurden aufgebrochen, was zu durchaus positiven Synergieeffekten geführt hat.“, erläutert Markus Bensmann. Am Beispiel des Großeinsatzes in Gütersloh wird die ZMZ thematisiert und analysiert. Es zeigte sich, dass bereits eine gute Basis geschaffen ist, die nun durch gezieltes Vorgehen weiter ausgebaut werden kann. Dazu gehört zum Beispiel auch die Weiterentwicklung der Konzeption zivile Verteidigung (KZV).

Schlussfolgerungen aus der Pandemie-Lage

„Das Lernen geht weiter und wir lernen jeden Tag dazu.“, eröffnet Generalstabsarzt Dr. Hans-Ulrich Holtherm (Leiter der neuen Abteilung 6 „Gesundheitssicherung, Gesundheitsschutz, Nachhaltigkeit“ im Bundesministerium für Gesundheit) seinen anschließenden Vortrag. Aus Sicht eines Arztes aus dem Bereich der Infektiologie und aus Sicht des Bundesministeriums gibt Dr. Hans-Ulrich Holtherm Einblicke in die medizinischen Aspekte der Pandemie. Neben den Unterschieden zu anderen Ländern wurden auch die Neuerungen, wie zum Beispiel die Corona-Warn-App thematisiert. Auch hier kristallisiert sich wieder heraus, dass die generelle Sichtweise angepasst wurde und nun davon ausgegangen wird, dass es Pandemie-Lagen zukünftig vermehrt geben wird und damit auch gerechnet werden muss. Fokus sollte auf Beübung, Agilität und Flexibilität liegen, um vorbereitet zu sein. Dr. Hans-Ulrich Holtherm betont: „Außerdem ist eine transparente Krisenkommunikation erforderlich, um Desinformationen entgegenzuwirken.“

Oberstarzt Dr. Thomas Harbaum (Referatsleiter FüSK San III im BMVg) geht in seinem Vortrag auf die Problematik der komplexen Führungsebenen mit unterschiedlichen Wahrnehmungen ein. Er erläutert, warum es essenziell ist, dass die Verantwortungen klar definiert sind und gibt einen Einblick in die Verteilung der Amtshilfe. Speziell die interkulturelle Kompetenz wird als ein Schlüsselfaktor hervorgehoben.

In der anschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich ein Teil der Vortragenden des Tages zu den gewonnenen Erkenntnissen aus und es zeigten sich die Gemeinsamkeiten, die von den verschiedenen Stellen betont worden waren. Die Frage: „Wo kann der Bevölkerungsschutz optimiert werden?“, wurde aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Gemeinsam hatten die Aussagen, dass eine enge Zusammenarbeit gewünscht ist sowie eine stärkere Beübung von Krisensituationen. Auch die Ressourcen waren ein Punkt, der mehrfach genannt wurde und noch Potenzial für Verbesserungen aufzeigt.

Als Moderator führte Oberst d.R. Edgar P. Chatupa eloquent durch das Programm und verstand es, die „richtigen“ Fragen zu stellen, was besonders bei der Podiumsdiskussion einem produktiven Austausch förderlich war. Zusammengefasst zeigte das Seminar, dass trotz der schwierigen Situation, oder vielleicht auch gerade durch die Situation, Bewegung in die verschiedenen Bereiche gekommen ist, die nun aber auch gezielt eingesetzt und genutzt werden muss. Die Anregungen für Weiterentwicklungen im Gesundheitswesen und die Nachwuchsförderung für Hilfsorganisationen muss aktiv angegangen werden. Dafür bieten genau diese Art von Zusammenkünften und Foren wichtige Gelegenheiten für den Austausch und zur Verstetigung der Netzwerke.

Der Beauftragte ZMZ des Sanitätsdienstes,  Herr Generalarzt Dr. Bruno Most zeigte sich ausgesprochen zufrieden mit dem Verlauf und Ergebnis des Seminars. "Ich bin dem Beta Verlag und allen Referenten ausgesprochen dankbar, unter diesen widrigen Umständen das Seminar online durchgeführt zu haben. Wir hatten hervorragende Beiträge aus allen relevanten Bereichen der ZMZ im Gesundheitswesen. Das Format hat sich bewährt und ich freue mich auf ein Wiedersehen in einem Jahr."

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