11.05.2022 •

VDE FNN: Klimaschutznetz als Ausweg aus Energiekrise

  • Aktuelle Entwicklungen zeigen Folgen der Energieabhängigkeit drastisch auf
  • Klimaschutznetz ist durch beschleunigten Um- und Ausbau bis 2030 realisierbar
  • Ziel ist sichere und zuverlässige Stromversorgung für Deutschland

Der aktuelle Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat Auswirkungen auf alle Ebenen der Gesellschaft. Unter anderem zeigt sich deutlich, wie abhängig auch die Energieversorgung in den letzten Jahrzehnten von Importen geworden ist. Heike Kerber, Geschäftsführerin VDE FNN, stellt fest:

„Aktuell importieren wir gut zwei Drittel unseres gesamten Energiebedarfs aus dem Ausland. Wenn wir uns derzeit um kurzfristige Alternativen bemühen, darf unser großes Ziel nicht aus dem Blick geraten. Erneuerbare Energien sind ein zentraler Schritt in Richtung Unabhängigkeit.“

 In seiner aktuellen Roadmap „Zum Klimaschutznetz bis 2030“ zeigt VDE FNN auf, dass durch die enge Verzahnung von rechtlichen Vorgaben, Marktanpassungen und Technik-Rollout ein beschleunigter Um- und Ausbau möglich ist.

Heute für morgen umbauen: Großkraftwerke ersetzen, Fähigkeiten transferieren

2030 sollen 80 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Auch wenn bis dahin genügend Anlagen implementiert sind, reicht das Liefern von Energie allein nicht aus. Sogenannte System-Dienstleistungen, die aktuell Großkraftwerke erbringen, sind künftig von neuen Anlagen zu übernehmen. Sie müssen unter anderem dazu in der Lage sein, aktiv Spannung und Frequenz im zulässigen Bereich zu halten und bei der Beseitigung von Störungen zu helfen. Das komplette Anforderungsprofil definiert VDE FNN in den Technischen Anschlussregeln und entwickelt diese weiter. 

„Auch wenn aktuell noch nicht alle Fähigkeiten benötigt werden, müssen wir heute schon für morgen umbauen – sonst sind am Ende Millionen Anlagen nachzurüsten“, so Kerber.

Energiewende für alle: Ordnungsrahmen schaffen, Kunden einbinden, smart steuern

Der Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes sieht vor, dass Verbrauchseinrichtungen steuerbar gemacht werden. Die Abstimmung des dazugehörigen Ordnungsrahmens wurde Anfang 2021 unterbrochen, so fehlen notwendige Festlegungen. Diese sind Voraussetzung dafür, dass Kunden aktiver Teil des Energiesystems werden können.

„Ist ausreichend Flexibilität gesetzlich geregelt, kann die smarte Steuerung der Anlagen ihre Wirkung voll entfalten“

so Kerber. Im Kern geht es darum, den Stromverbrauch in Zeiten zu verschieben, in denen viel erneuerbare Leistung zur Verfügung steht, und somit gleichzeitige Inanspruchnahme von Lasten zu reduzieren. Intelligente Messsysteme können entsprechende Anwendungen für Wärmepumpen, Wallboxen oder Heimspeicher bei den Endkunden aktivieren. Dazu soll beteiligten Kunden eine Mindestleistung garantiert und in kritischen Situationen ein darüber hinausgehender Leistungsabruf gedrosselt werden. Kerber dazu:

„Wird für den Kunden transparent, welche Möglichkeiten und wirtschaftlichen Anreize bestehen, können diese über ihre Anschaffungen entscheiden.“

Durch intelligente Messsysteme liegen Daten zum aktuellen Netzzustand vor und machen deutlich, wo vorhandene Strukturen ausreichen oder gegebenenfalls eine Netzverstärkung notwendig ist.

Last, but not least: Netzbetrieb klimaschonend und nachhaltig organisieren

Damit auch in Zukunft Anlagen und Betriebsmittel langfristig im Einsatz bleiben können, arbeitet VDE FNN unter anderem an modularen Betriebsmitteln und standardisierten Schnittstellen für Elektro- und Datentechnik. So werden Kosten gespart, Baustellentätigkeiten reduziert und die Umwelt weniger belastet, was einen wichtigen Beitrag zum klimaschonenden Netzbetrieb darstellt.

„Auch hier gilt es, langfristig zu denken. Sind zum Beispiel Smart-Meter-Gateways so konzipiert, dass sie über Updates auf dem neusten technischen Stand gehalten werden können, lässt sich ein Hardware-Austausch hinauszögern“, sagt Kerber.

Über VDE FNN

Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) entwickelt die Stromnetze vorausschauend weiter. Ziel ist der jederzeit sichere Systembetrieb mit 80 Prozent erneuerbaren Energien. Nach dem Prinzip ‚aus der Praxis für die Praxis‘ arbeiten über 450 Experten aus verschiedenen Fachkreisen mit unterschiedlichen Interessen gemeinsam an Lösungen für das Klimaschutznetz. VDE FNN macht Innovationen schnell alltagstauglich und systemkompatibel. Zu den über 470 Mitgliedern gehören unter anderem Hersteller, Netzbetreiber, Energieversorger, Anlagenbetreiber und wissenschaftliche Einrichtungen.

Über den VDE

Der VDE, eine der größten Technologie-Organisationen Europas, steht seit mehr als 125 Jahren für Innovation und technologischen Fortschritt. Als einzige Organisation weltweit vereint der VDE dabei Wissenschaft, Standardisierung, Prüfung, Zertifizierung und Anwendungsberatung unter einem Dach. Das VDE Zeichen gilt seit mehr als 100 Jahren als Synonym für höchste Sicherheitsstandards und Verbraucherschutz.

Wir setzen uns ein für die Forschungs- und Nachwuchsförderung und für das lebenslange Lernen mit Weiterbildungsangeboten „on the job“. Im VDE Netzwerk engagieren sich über 2.000 Mitarbeiter*innen an über 60 Standorten weltweit, mehr als 100.000 ehrenamtliche Expert*innen und rund 1.500 Unternehmen gestalten im Netzwerk VDE eine lebenswerte Zukunft: vernetzt, digital, elektrisch. Wir gestalten die e-diale Zukunft.


Mehr zu den Themen:

Verwandte Artikel

Sichere Versorgung in der Krise

Sichere Versorgung in der Krise

Die Lage auf den Energiemärkten ist nach wie vor angespannt. Die Bundesregierung will dafür sorgen, dass sich das Stromangebot erweitert, der Gasverbrauch sinkt und zudem zügig die erforderliche Flüssiggas-Infrastruktur zur Verfügung steht.

Baden-Württemberg und Bayern gründen Wasserstoffallianz

Baden-Württemberg und Bayern gründen Wasserstoffallianz

Baden-Württemberg und Bayern bündeln ihre Kräfte, um sich als Technologiestandorte für Wasserstoff weiter zu stärken.

:

Photo

BVSW und BSKI starten Kooperation

Geballte Kompetenzen für mehr Sicherheit - Der Bayerische Verband für Sicherheit in der Wirtschaft (BVSW) e.V. und der Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen (BSKI) e.V. werden…