Wie Sicherheitsbehörden künftig kommunizieren

Um praktische Herausforderungen der Terrorismus- und Kriminalitätsbekämpfung lösen zu können, entwickelte ein Team aus Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI aus Dresden und Polizeibeamten eine neue zukunftsorientierte Technologie zur Informationsübermittlung und Koordination im Einsatz. Dafür erhalten die Entwickler den Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2020. Der hohe Nutzen in der Praxis und die Akzeptanz der Anwender führten zu einer bundesweiten Etablierung der Lösung.

Preis für zukunftsorientierte Technologie zur Informationsübermittlung und...
Dr. Kamen Danowski vom Fraunhofer IVI (links) und Frank-Michael Löst vom Landeskriminalamt Sachsen erhalten für ihre zukunftsorientierte Technologie zur Informationsübermittlung und Koordination den Joseph-von-Fraunhofer-Preis.
Quelle: Fraunhofer / Banczerowski

Bei Attentaten, Terroranschlägen oder Geiselnahmen stehen die Einsatzkräfte vor extremen Herausforderungen. Solche Einsätze bergen ein großes Gefahrenpotential und erfordern von den Sicherheitsbehörden höchste Professionalität sowie beste technische Ausstattung. "Bei solchen Einsatzlagen stehen die Einsatzkräfte unter einer enormen Belastung – schließlich geht es um den Schutz der Bevölkerung«, sagt Sven Mewes, Leitender Polizeidirektor im Landeskriminalamt Sachsen. »Daher ist eine sichere Technologie extrem wichtig, über welche die Einsatzkräfte untereinander Informationen austauschen können – und die auch unter dem großen psychischen Druck leicht zu bedienen ist."

Eine solche Technologie haben Dr. Kamen Danowski vom Dresdner Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI und Frank-Michael Löst vom Landeskriminalamt Sachsen gemeinsam entwickelt. Für diese Leistung werden sie mit dem Joseph-von-Fraunhofer-Preis ausgezeichnet. Die Jury überzeugte besonders die gesellschaftliche Relevanz der Arbeit.

Das System wächst mit

"Bis zur Einführung der neuen Technologie waren wir als polizeiliche Einsatzkräfte bei der Kommunikation auf den Funk und das Telefon angewiesen. Die Fraunhofer-Lösung ist zukunftsorientiert und eröffnet ganz neue Möglichkeiten, komplexe Informationen im Einsatz auszutauschen und die Handlungen zu koordinieren. Darüber hinaus unterstützt sie die schnelle und zuverlässige länder- und behördenübergreifende Kommunikation," sagt Löst.

Nach dem Erfolgsrezept befragt, herrscht Einigkeit auf allen Seiten: Der Schlüssel ist neben der Fachkompetenz die optimale Form der Zusammenarbeit zwischen Forschung und Polizei. "Wir leben keine Kooperation, wir leben eine Partnerschaft. Die Technikseite muss die Taktikseite verstehen und umgekehrt – und das funktioniert hier ganz herausragend", sagt Mewes. Dr. Kamen Danowski ergänzt "Die hohe Akzeptanz und das positive Feedback freuen uns. Durch unsere sehr enge Zusammenarbeit gestalten die Einsatzkräfte die Entwicklungsarbeiten unmittelbar mit uns. Somit können wir Forschungsergebnisse gezielt und schnell in die Praxis überführen." Neue Ideen und Konzepte werden gemeinsam erstellt und schrittweise von dem Entwicklungsteam umgesetzt. In miteinander abgestimmten Zyklen erhalten die Einsatzkräfte die gewünschten neuen Funktionen zur Nutzung.

Hohe Akzeptanz führt zum bundesweiten Standard

In Sachsen gestartet, wurde die Technologie sukzessive in mehreren Bundesländer eingeführt und wird als bundesweiter Standard etabliert. "Wir haben uns von Anfang an in der Entwicklung mit Partnerbehörden aus mehreren Bundesländern abgestimmt und diese als Kooperationspartner und Nutzer gewonnen", sagt Löst.

Am Fraunhofer IVI werden seit 2003 Lösungen für die innere Sicherheit mit dem Schwerpunkt Führungs- und Kommunikationssysteme in sehr enger Zusammenarbeit mit den Anwendern entwickelt und unmittelbar in den praktischen Einsatz überführt. Partner und Anwender sind Entscheidungsträger und Einsatzkräfte der Polizei, der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes.

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