Schlanke Industrieprozesse dank ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung

A+A 2019

Messe Düsseldorf / ctillmann

Wie passen Prozessoptimierung im digitalen Zeitalter und Ergonomie zusammen? Dieser Frage ging der zweitägige Workshop der "Aktion Gesunder Rücken" (AGR) zum Thema "Lean und Ergonomie" mit über 50 Teilnehmern nach. Ein Unternehmensverbund zeigte dabei die optimale Ausstattung von Industriearbeitsplätzen.

AGR-Chef Detlef Detjen erklärt in seiner Begrüßung den Zusammenhang von Stuhl, Bodenmatte, Werkzeug, Licht und Tisch am Industriearbeitsplatz, der später beim Workshop mit den Firmen MTM, Kraiburg, Waldmann, Wiha, Item und der Dauphin Human Design Group erlebbar wird: "Wenn das Licht falsch leuchtet, dann nimmt man eine Zwangshaltung ein, damit man besser sieht."

Welche Rolle das in der Industrie 4.0 spielt, zeigt Dr. Ing. Thomas Löffler von der TU Chemnitz auf. Zwei Theorien beherrschen die Vorstellungen der Arbeitswelt der Zukunft. "Das Automatisierungsszenario sieht leere Fabrikhallen, Personal auf Manager-Ebene oder da, wo sich die Automatisierung nicht lohnt", erläutert Löffler. Die Folge: Verlust hochqualifizierter Facharbeit und Abqualifizierung.

Positiver erscheint daher das Werkzeugszenario, in dem "unergonomische Arbeit automatisiert" wird. Die kognitive höherwertige Tätigkeit, sprich die Problemlösung, bleibe beim Menschen.

Ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung auf der A+A
Ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung
Quelle: Messe Düsseldorf / ctillmann

Prof. Dr. Ing. Martin Schmauder von der TU Dresden bezeichnete in seinem schwungvollen und praxisbezogenen Vortrag den menschlichen "Energieverbrauch ohne Nutzen" in körperlicher wie geistiger Hinsicht als "ergonomische Verschwendung". Ziel sei es, diese zu erkennen und zu vermeiden. Der Arbeitsplatz müsse an den Nutzer angepasst werden - unter Berücksichtigung von Körpergröße, Alter, Geschlecht, Mitarbeiter-Verhalten und Qualifikation. Unternehmen, die in Ergonomie am Arbeitsplatz investieren, reduzieren also langfristig die Fixkosten und erhöhen die Wertschöpfung, lautet Schmauders Appell.

Wie Ergonomie in die Industrie einziehen kann, präsentiert unter anderem die Dauphin Human Design Group. Das Doppel-S der Wirbelsäule als Referenzpunkt für ergonomische Stühle stellen Andreas Pappenberger und Malte Lenkeit den Teilnehmern vor. Probesitzen gehört natürlich dazu - ebenso wie Tipps von Ergonomieberaterin Susanne Weber. Bei Kraiburg konnten die Teilnehmer Bodenmatten testen, auf denen man wie auf einem Waldboden steht. Dieser Charakter führe zu mehr Bewegung beim Stehen. Wie Schraubendreher und Zangen perfekt in der Hand liegen, ohne das Gelenk zu verdrehen, das zeigte Wiha eindrucksvoll.

Welche Details in Sachen Beleuchtung zu beachten sind, erklärten die Experten von Waldmann: Je näher die Arbeit vorm Menschen ist, desto näher müsse die Lichtquelle sein. Spiegelungen und Blendungen seien dabei zu berücksichtigen. Wie ein individuell einstellbarer Arbeitsplatz mit Tisch, Schwenkarmen und Materialversorgung aussieht, war bei Item zu bestaunen.

Wie die Einzelkomponenten am Industriearbeitsplatz zusammenwirken, das war bei der Werksführung bei ZF Friedrichshafen zu erleben. Ergonomisch ausgestattete Arbeitsplätze erhalten bei der Herstellung tonnenschwerer und hochkomplexer Antriebs- und Fahrwerktechnik nicht nur die Gesundheit der Arbeitenden, sondern tragen auch entscheidend zur Effizienzsteigerung in der Produktion bei.

Bei ZF wird großer Wert auf Ergonomie gelegt, insbesondere bei körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten. Leichtlaufkräne, Arbeitsplatzmatten, die Rückenbeschwerden vorbeugen, sowie verschiedene Einrichtungen, die es den Werkern ermöglichen, ihren Arbeitsplatz individuell auf die Körpergröße einzurichten, gehören an vielen Produktionsarbeitsplätzen zur Grundausstattung und entlasten so die Mitarbeiter.

Zusätzlich zu den schon eingesetzten Maßnahmen erforscht ZF den Einsatz von Exoskeletten in der industriellen Fertigung. Franz Rimböck, Experte für Lean-Methoden bei ZF, erklärte verschiedene der äußerlich am Körper angebrachten Stützroboter, die den Werker bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten unterstützen.

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