Festnahme der mutmaßlichen Verantwortlichen von "WALL STREET MARKET"

Der weltweit zweitgrößte illegale Online-Marktplatz im Darknet und Sicherstellung der Server des Marktplatzes

ots

© Bildagentur PantherMedia / stevanovicigor

Wiesbaden (ots) - Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Bundeskriminalamt teilen mit: Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main - Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) - und das Bundeskriminalamt (BKA) haben am 23. und 24. April 2019 einen 31-jährigen Tatverdächtigen aus Bad Vilbel, einen 29-jährigen Tatverdächtigen aus dem Landkreis Esslingen und einen 22-jährigen Tatverdächtigen aus Kleve festgenommen und ihre Wohnungen durchsucht. 

Die deutschen Staatsangehörigen sind dringend verdächtig, den ausschließlich über das sogenannte Darknet zugänglichen illegalen Online-Markplatz "WALL STREET MARKET" gemeinsam und arbeitsteilig betrieben zu haben. Die Serverinfrastruktur der kriminellen Plattform wurde durch Beamte des Bundeskriminalamts sichergestellt. 

Bei dem Online-Marktplatz "WALL STREET MARKET" handelte es sich um die weltweit zweitgrößte kriminelle Handelsplattform, über die insbesondere Drogen (unter anderem Kokain, Heroin, Cannabis und Amphetamine), ausgespähte Daten, gefälschte Dokumente und Schadsoftware gehandelt wurden. Die illegale Handelsplattform war ausschließlich über das TOR-Netzwerk im sogenannten Darknet zugänglich und auf den internationalen Handel mit kriminellen Gütern ausgerichtet. 

Zuletzt waren auf dem Online-Markplatz über 63.000 Verkaufsangebote eingestellt sowie über 1.150.000 Kundenkonten und über 5.400
Verkäufer angemeldet.

Für die Bezahlung verwendeten die Nutzer des Online-Marktplatzes die Kryptowährungen BITCOIN und MONERO. Die mutmaßlichen Verantwortlichen des Markplatzes sollen für die Abwicklung der über die Plattform erfolgten Verkäufe illegaler Güter Provisionszahlungen in Höhe von 2 bis 6 Prozent des Verkaufswertes erhalten haben.

Den Festnahmen gingen aufwändige verdeckte Ermittlungen voraus, an denen sich US-amerikanische und niederländische Strafverfolgungsbehörden sowie die europäische Polizeibehörde Europol beteiligten. Seit März 2019 richteten sich die Ermittlungen gegen die drei deutschen Staatsangehörigen, die als Tatverdächtige identifiziert werden konnten. Nachdem die mutmaßlichen Verantwortlichen des illegalen Online-Marktplatzes die Plattform am 23. April 2019 in den Wartungsmodus schalteten und begannen, die auf dem Marktplatz hinterlegten Geldbeträge der Kunden an sich selbst zu transferieren (in der Szene wird diese Vorgehensweise als "Exit-Scam" bezeichnet), erfolgten im Zeitraum vom 23. April bis zum 2. Mai 2019 umfangreiche operative Maßnahmen der Cyberspezialisten des Bundeskriminalamts.

Im Rahmen von Durchsuchungen der Wohnungen der Tatverdächtigen konnten Bargeldbeträge in Höhe von über 550.000,- Euro sowie Kryptowährungen BITCOIN und MONERO in 6-stelliger Höhe, mehrere hochwertige Kraftfahrzeuge und zahlreiche weitere Beweismittel, insbesondere Computer und Datenträger, sichergestellt werden. Bei dem 22-jährigen Tatverdächtigen aus Kleve wurde zudem eine Schusswaffe aufgefunden und sichergestellt.

Auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat die Haftrichterin am Amtsgericht Gießen gegen die Tatverdächtigen die Untersuchungshaft wegen gewerbsmäßiger Verschaffung einer Gelegenheit zur unbefugten Abgabe von Betäubungsmitteln angeordnet. Die Server des illegalen Online-Marktplatzes wurden am 2. Mai 2019 beschlagnahmt. 

Auf der Webseite des Marktplatzes wurde das nachfolgende Sicherstellungsbanner hochgeladen:

Screenshot der Meldung
Quelle: ots / Bundeskriminalamt

In den USA konnten im Verlauf der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft in Los Angeles zwei der umsatzstärksten Anbieter von Betäubungsmitteln auf dem illegalen Online-Marktplatz "WALL STREET MARKET" identifiziert und festgenommen werden. Bei Durchsuchungen der Wohnungen der USamerikanischen Tatverdächtigen konnten neben Drogen auch eine Vielzahl von illegalen Waffen sowie Bargeldbestände in Millionenhöhe aufgefunden und sichergestellt werden. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Bundeskriminalamt bedanken sich bei den beteiligten Polizeibehörden der Bundesländer und den internationalen Partnern sowie Europol für die hervorragende Zusammenarbeit. 

Gez. Georg Ungefuk, Oberstaatsanwalt


Informationen zu der ZIT

Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) wurde am 01.01.2010 als Außenstelle der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit Sitz in Gießen errichtet. Sie besteht derzeit aus einem Oberstaatsanwalt als Leiter und 8 Staatsanwältinnen und Staatsanwälten sowie einem Oberstaatsanwalt als Pressesprecher.

Die ZIT ist erster Ansprechpartner des Bundeskriminalamtes für Internetstraftaten bei noch ungeklärter örtlicher Zuständigkeit in Deutschland oder bei Massenverfahren gegen eine Vielzahl von Tatverdächtigen bundesweit. Als operative Zentralstelle bearbeitet der ZIT besonders aufwendige und umfangreiche Ermittlungsverfahren aus den Deliktsbereichen: - Kinderpornographie und sexueller Missbrauch von Kindern mit Bezug zum Internet, - Darknet-Kriminalität (Bekämpfung krimineller Darknet-Plattformen sowie des Handels mit Waffen, Drogen und Fälschungsgütern im Darknet), - Cyberkriminalität im engeren Sinne (Hackerangriffe, Datendiebstahl und Computerbetrug).

Sie ist darüber hinaus für Aus- und Fortbildung von Richtern, Staatsanwälten und Polizeibeamten zuständig. Die ZIT ist zudem nationaler deutscher Ansprechpartner in dem Judicial Cybercrime Network, einem europäischen Netzwerk der Justizbehörden zur Bekämpfung der Internetkriminalität.

Mehr zu den Themen:

Verwandte Artikel

LKA warnt vor aktuellen Schadsoftware-Angriffen

LKA warnt vor aktuellen Schadsoftware-Angriffen

Die Ferienzeit und der Beginn des neuen Ausbildungsjahres werden von Tätern ausgenutzt, um gezielt Betriebe und Einrichtungen anzuschreiben, die nach neuen Mitarbeitern suchen. Aufgrund bestehender Sicherheitslücken in den EDV-Systemen gelingt es...

Zwei-Faktor-Authentisierung wird Pflicht beim Online-Banking

Zwei-Faktor-Authentisierung wird Pflicht beim Online-Banking

Die zweite Zahlungsdiensterichtlinie oder auch Payment Services Directive 2, kurz PSD2, der EU ist am 14. März 2019 in Kraft getreten und muss ab 14. September angewandt werden.

Live-Hacking beim Tag der offenen Tür: Online-Betrug erkennen

Live-Hacking beim Tag der offenen Tür: Online-Betrug erkennen

Am 17. und 18. August 2019 wird das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit einem Stand beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat vertreten sein.

:

Photo

BKA: Sicherheitsgefühl in Deutschland

Wiesbaden (ots) - Wie sicher fühlen sich die Menschen in Deutschland? Welche Erfahrungen als Opfer einer Straftat haben sie gemacht? Unterscheidet sich das Gefühl der Sicherheit von der Wahrnehmung…

Photo

Host Nation Support heute

Die Entwicklung der sicherheitspolitischen Lage in Europa hat dazu geführt, dass die Bundesrepublik Deutschland sich im NATO-Bündnisrahmen wieder verstärkt auf Landes- und Bündnisverteidigung…