Ausbildung der Feuerwehr in der Schweiz

Feuerwehrausbildung spiegelt Landesvielfalt mit einsatzrelevantem Erfolg

Daniel Schaer

Die Schweiz mit ihren vier Sprachregionen, deutsch, französisch, italienisch und rätoromanisch, ist föderalistisch organisiert. 26 Kantone, davon 6 Halbkantone, sowie deren über 2 200 Gemeinden sind für die Organisation der Feuerwehren verantwortlich. Von den ca. 8,7 Mio. Einwohnerinnen und Einwohnern der Schweiz leisten ca. 81 000 Feuerwehrangehörige in den gut 1 200 Feuerwehrorganisationen ihr Engagement zum Schutz von Mensch, Tier, Umwelt und Sachwerten. Mit Ausnahme der 17 Berufsfeuerwehren und einigen Betriebsfeuerwehren sind dies alles Miliz-Organisationen. Erfreulich ist die stetige Zunahme des Frauenanteils in der Feuerwehr, der heute ca. 10 % des Mitgliederbestandes ausmacht.

Das schweizerische Ausbildungssystem gründet auf einem dualen System mit der...
Das schweizerische Ausbildungssystem gründet auf einem dualen System mit der Basis einer Grundausbildung und spezifischen, auf die Einsatzanforderungen gerichteten Zusatzausbildungen.
Quelle: Dirk Weiss

Feuerwehrausbildungsmodell

Das schweizerische Feuerwehrausbildungsmodell gründet auf einem dualen System. An Kursen und Lehrgängen werden Grundlagen vermittelt und ausgebildet. An Übungen in den Feuerwehren wird das Wissen und Können gefestigt und trainiert. Dabei wird nicht unterschieden zwischen Berufs- und Milizfeuerwehren. Die Systematik der modularen Aus- und Weiterbildung ist identisch. Die Ausbildungsinhalte und -dauer hingegen differieren aufgrund von zu erfüllenden Aufgaben, der Organisationsform, topographischen Gegebenheiten und dem zu bewältigenden Gefahrenpotential. Grundsätzlich wird die "Einheitsfeuerwehrperson" ausgebildet. Das heisst, alle Feuerwehrangehörigen erhalten dieselbe Grundausbildung. Die weitere Entwicklung ist dann aber abhängig von den zu leistenden Aufgaben der betreffenden Feuerwehr und allenfalls den zu erfüllenden Sonderaufgaben in der Betriebs-, Orts-, Stadt-, Stützpunk- oder Berufs­feuerwehr. Mögliche Sonderaufgaben und damit Spe­zia­listenausbildungen sind:

  • Atomare-/ Biologische- / Chemische Einsätze (ABC)
  • Personenrettung bei Unfällen (Straße, Bahn und andere Unfallereignisse)
  • Ereignisse in unterirdischen Verkehrsanlagen (UVA)
  • Elementarereignisse
  • Waldbrandbekämpfung
  • Höhen- und Tiefenrettungen
  • Die mit Sonderaufgaben verbundene Führung z. B. in Stäben, mit allen Partnern des Bevölkerungsschutzes wie zum Beispiel bei Grossereignissen.

Die Spezialistenausbildungen werden ebenfalls modular und aufbauend absolviert. Wo nötig, haben Fach- und Führungskräfte Themen aufgrund ihrer Brisanz und im Sinn der kontinuierlichen Weiterentwicklung als regelmässige Wiederholungs- respektive Weiterbildungskurse zu absolvieren.

Koordiniertes Bildungswesen

Um eine einheitliche Ausbildung sicherzustellen, werden gesamtschweizerisch gültige Ausbildungsgrundlagen in Form von Reglementen und Handbüchern bereitgestellt. Die Feuerwehr Koordination Schweiz (FKS) erarbeitet deren Inhalte und stellt deren Richtigkeit und Aktualität hinsichtlich technischer und taktischer Entwicklungen sicher. Zudem genehmigt die FKS zur Ausbildung zugelassene Fachunterlagen von Feuerwehr-Ausbildungsanbietern. Die online für alle Feuerwehrangehörigen zugänglichen Dokumente unterstützen die Feuerwehrangehörigen in der Auseinandersetzung mit den stofflichen Inhalten und dienen deren persönlichen und eigenverantwortlichen Weiterentwicklung. In einzelnen Kantonen wird dies zudem durch die Verwendung von E-Learning-Programmen gefördert und unterstützt.

Die FKS stellt nicht nur die einheitliche Form der Grundlagen sicher. Sie ist zudem verantwortlich für die Auswahl, Aus- und Weiterbildung der Feuerwehrausbilder (Feuerwehrinstruktoren). Diese werden nach einem gesamtschweizerischen Manual in einem mehrstufigen Auswahlverfahren selektiert und für die bevorstehende Aufgabe ausgebildet. Schrittweise werden die neuen Ausbilder in fachlicher sowie methodischer / didaktischer Hinsicht und in ihrer Führungstätigkeit geschult. Jede Aus- und Weiterbildung der Instruktoren dient zudem der persönlichen Qualifikation mit dem Ziel der Potentialerkennung und der persönlichen Weiterentwicklung. Diese Form der Ausbilderentwicklung ist ein weiterer Schlüsselfaktor für die einheitliche, schweizweite Feuerwehrausbildung.


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