Dekontamination von Einsatzkräften

Thilo Schuppler, Dirk Altmann

Abrollbehälter Hygiene & Dekontamination
DST innovation GmbH

Sechzehn verletzte Polizisten nach Chemieunfall mit Hydrosulfit“ – „Einsatzkräfte der Polizei vereiteln mutmaßlichen Anschlag mit Rizin und Cyanid“ – „Großfeuer in Recyclingbetrieb“ – „Schiffsbrand auf der Nordsee“

Aktuelle Beispiele, komplett unterschiedliche Szenarien, aber in allen Fällen betroffen: Einsatzkräfte der polizeilichen und nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr. Die Blaulichtorganisationen müssen für Gefahren mit chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Stoffen sensibilisiert und mit Ausrüstung und Ausbildung auf diese vorbereitet sein.

Die unsichtbaren Gefahren für Einsatzkräfte

Nicht jede Verschmutzung im Einsatzalltag ist automatisch eine gesundheitsschädliche Kontamination, allerdings können viele nicht sichtbare Kontaminationen zu akuten Gefährdungen oder Langzeitfolgen führen. In der aktuellen DGUV Information 205-035 „Hygiene und Kontaminationsvermeidung bei der Feuerwehr“ wird ausführlich darauf eingegangen, die neue FwDV 500 regelt in der Gefahrenabwehr das Vorgehen von „Einheiten im ABC – Einsatz“.

Ein wichtiger Punkt ist, dass im täglichen Einsatz Routinen und SOPs („standard operating procedures“) für die Einsatzstellenhygiene und Kontaminationsvermeidung etabliert werden, so dass in den seltenen Sonderlagen mit CBRN-Gefahren mit kühlem Kopf agiert werden kann.

Verschiedene Dekon-Ausstattungen
Verschiedene Dekon-Ausstattungen
Quelle: DST innovation GmbH

Einsatzstellenhygiene

Die Gefahr für Feuerwehrleute durch zunehmend giftigere und krebserregendere Stoffe in Brandgasen und Ruß, die sich während des Einsatzes auf der Haut, der Kleidung und Ausrüstung absetzen, wurde in den letzten Jahren neu bewertet.

Wir arbeiten seit über 15 Jahren im Bereich der Dekontamination und haben modulare und skalierbare Konzepte entwickelt, die ein breites Feld an Szenarien abdecken und eine hohe Akzeptanz bei Nutzern und Beschaffern finden. Wir können vom Koffer über den Feuerwehr-Rollcontainer bis zum Abrollbehälter oder Container Produkte anbieten, die der Einsatzplanung gerecht werden.

Beispielhaft stellen wir hier einen Abrollbehälter Hygiene & Dekontamination vor. Der AB kann bei Brand-, Gefahrgut- und Hilfeleistungseinsätzen universell eingesetzt werden, durch Ergänzung von bis zu vier Fw-Rollcontainern und unterschiedlichen Aufbauvarianten können zusätzlich Sonderlagen mit abgedeckt werden:

  • Einsatzstellenhygiene nach Brandeinsätzen („Feuerkrebs“)
  • Betreuungskomponente bei langen Einsätzen
  • Erst-Betreuung bei Großschadenslagen
  • Desinfektion im (Tier)Seuchenfall
  • Schleusencontainer zur Schwarz-Weiß-Trennung, mit oder ohne Dusche
  • Dekontamination von Personen in ABC-Einsätzen
  • Erweiterbar zu einem Dekon-P oder Dekon-V
  • Unterstützung bei MANV-Lagen

Diese breiten Nutzungsmöglichkeiten rechtfertigen oft die Beschaffung eines Abrollbehälters. Die Fähigkeiten lassen sich auch auf einem Anhänger oder als Festaufbau auf verschiedenen Fahrgestellen umsetzen. Die Systeme werden von uns konzeptionell entwickelt, individuell gefertigt und ausgebildet, bereits vorhandene Ausrüstung wird integriert.

Das Konzept des AB enthält weiterhin:

  • Grobreinigung, Rollcontainer Hygiene, Stiefelwäscher
  • Möglichkeit zur CSA-Dekontamination
  • Abwurfmöglichkeiten für Einsatz- und Schutzkleidung
  • Mehrkammersystem mit oder ohne Dusche
  • Wählbare Optionen sind gerichtete Luftströmung, Klimatisierung, Unterdrucksystem mit HEPA-Luftfiltrierung bis zum Filter nach NATO-Standard
  • Frischwassertank, Warmwassererzeugung, Abwassermanagement, thermische Desinfektion des Wassersystems
  • Weißbereich mit kundenspezifischer Beladung
  • Technikraum, Stromerzeuger, Stromeinspeisung, Lichtmast
  • Stauraum für entnehmbare Toilette und Material
  • Optional Betreuungspunkt mit Zeltanbindung an den AB

Wer ist als erstes vor Ort?

Ersteintreffende Einsatzkräfte sind im Regelfall Schutzpolizei, Rettungsdienste und Feuerwehr. Hier ist ein besonderes Gefahrenbewusstsein (Awareness) notwendig, um CBRN-Lagen zu erkennen. Von den Genannten ist die Feuerwehr am besten ausgerüstet. Schutzpolizei und Rettungsdienst verfügen kaum über CBRN-Ausrüstung, doch bereits mit wenig Aufwand kann eine gewisse Fähigkeit hergestellt werden.

Haut-Dekontamination
Haut-Dekontamination
Quelle: DST innovation GmbH

Eigenschutz

Eine FFP2-Maske und Einweghandschuhe bieten schon einen gewissen Schutz. Stäube (auch Rizin, Fentanyl oder radioaktive Partikel) werden durchaus abgehalten. Durch bessere Schutzausrüstung erhöht sich der Schutz auch gegen gasförmige Stoffe wesentlich, spezielle Handschuhe bieten einen sehr guten Schutz gegenüber einer Vielzahl von Gefahrstoffen – gerade zu Beginn in der „Chaosphase“.

Dekontamination

Sofort-Dekon mit Behelfsmitteln (Not-Dekon)

Kommen Einsatzkräfte mit Gefahrstoffen in Berührung, so ist die Zeit ein entscheidender Faktor. Es muss innerhalb der ersten Minuten reagiert werden (1 – 5 min), dann können schwerwiegende Schäden oft abgewendet werden.

Schwefelsäure zerstört das menschliche Gewebe in kürzester Zeit, Flusssäure dringt in die Haut ein, und im Extremfall wird ein chemischer Nervenkampfstoff über Atemwege und Haut aufgenommen und wirkt innerhalb von Minuten. Eine schnelle Antidotgabe ist hier entscheidend, allerdings sind Autoinjektoren selten verfügbar.

Die erste Maßnahme ist, den kontaminierten Bereich kontrolliert zu verlassen, dann sofort kontaminierte Bekleidung, die keinen Schutz bietet abzulegen und betroffene Haut mit verfügbaren Mitteln zu dekontaminieren. Wichtig ist hierbei, dass die Kontamination nicht auf unbetroffene Hautstellen weiter verschleppt wird.

Operationelle Dekontamination (OpDekon)

Im Unterschied zur Not-Dekon wird die OpDekon mit speziell dafür vorgehaltenem Material durchgeführt. Bei der Schutzpolizei und den Rettungsdiensten ist dies oft nicht vorhanden. Spezialkräfte halten eigene Dekon-Ausstattungen vor, um eine OpDekon in einem polizeilichen Gefahrenbereich durchführen zu können, in dem die Feuerwehr nicht operiert. In allen anderen Fällen stützt man sich auf die Fähigkeiten der Feuerwehr, die eine Sofort-Dekon (Stufe I) oder Standard-Dekon (Stufe II) einrichtet. Immer liegt der Fokus auf der Personendekontamination. 

CBRN-Selbsthilfetasche

Bei der CBRN-Selbsthilfetasche handelt es sich um einen zweiteiligen Selbsthilfesatz, von dem die Minimalausstattung in der Beintasche getragen werden kann. Die Vollausstattung kann in gängige Ausrüstungssysteme integriert werden. Der Inhalt gliedert sich in Schutz, Dekontamination und Antidote.

Dekon-Koffer / Dekon-Rucksack

Diese Ausstattungen dienen der Einrichtung einer Dekon zur Vermeidung einer Kontaminationsverschleppung ggf. noch im polizeilichen Gefahrenbereich oder z.B. für die Notaufnahme eines Krankenhauses. Die enthaltenen Mittel reichen aus, um 2 bis 8 Personen zu dekontaminieren und für lebensrettende Sofortmaßnahmen (TEM). Das organische Dekonmittel entfernt auch sesshafte, hydrophobe Kontaminationen und inaktiviert Gefahrstoffe wie z. B. Rizin, Fentanyle, Cyanid, Reizstoffe bis hin zu Nervenkampfstoffen.

Medizinprodukte für Hautdekon

Für die Dekontamination der Haut stehen mehrere Medizinprodukte zur Verfügung. Das Decon Kit CWA gegen Kampfstoffe und Toxine und das Decon Kit TIC gegen Industriechemikalien ergänzen sich. Hinzu kommen ein Reinigungshandschuh Einsatz Hygiene RS für anhaftende Kontaminationen, das C-Gel bei Flusssäurekontakt und die Augenspülfasche, die notfalls auch zur Wundspülung genutzt werden kann.

Zusammenfassung

Aktuelle Ereignisse zeigen immer wieder, dass sowohl Ersteinsatzkräfte als auch Spezialkräfte eigene Befähigungen in der CBRN-Abwehr benötigen. Ganz entscheidend ist die Verfügbarkeit innerhalb der ersten Minuten nach Kontakt mit einem Gefahrstoff.

Die Maßnahmen sind unbedingt in die Ausbildungskonzepte zu implementieren. In den Feuerwehren ist das Bewusstsein für Einsatzstellenhygiene enorm gestiegen. Die Verfahren müssen im täglichen Einsatz gefestigt und für die seltenen Sonderlagen abrufbar sein. Wir von DST sind bereit, Sie in allen Bereichen individuell zu unterstützen.


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