13.04.2023 •

Erste Zwischenergebnisse der umfassenden Polizeistudie

Forschungsprojekt der Deutschen Hochschule der Polizei untersucht die Motivation, Einstellung und Gewalt im Alltag von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten

Die Deutsche Hochschule der Polizei hat heute unter www.polizeistudie.de erste Zwischenergebnisse der vom Bundesministerium des Innern und für Heimat geförderten Studie zur Motivation, Einstellung und Gewalt im Alltag von Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten (MEGAVO) veröffentlicht.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser:

„Unsere Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten verdienen allen Rückhalt und Respekt. Sie sind Tag und Nacht unter schwierigen, manchmal lebensgefährlichen Bedingungen im Einsatz – und sie verteidigen Rechtsstaat und Demokratie. Die Studie der Deutschen Hochschule der Polizei bietet wertvolle und differenzierte Erkenntnisse zu Einstellungen und Alltagserfahrungen. Dafür danke ich den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern herzlich. Wir brauchen eine gute, unabhängige Polizeiforschung, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Fehlentwicklungen erkennen und begegnen zu können. Dafür ist eine hohe Beteiligung an der Studie wichtig. Dort, wo sich wenige Beschäftigte beteiligt haben, sollte die Beteiligung aktiv gefördert werden. 

Für mich ist klar: Es gibt null Toleranz gegenüber Rechtsextremismus, Rassismus und anderen Formen von Menschenfeindlichkeit. Jeder derartige Vorfall muss deutliche Konsequenzen haben. Das schulden wir der überwältigenden Mehrheit der Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten, die für unsere vielfältige Gesellschaft einstehen. Wir wollen eine transparente Fehlerkultur stärken und der Entstehung und Verfestigung von Vorurteilen und Diskriminierungen konsequenter entgegentreten. Die Studie wird deshalb wichtige Handlungsempfehlungen geben, um beispielsweise Maßnahmen in der Aus- und Fortbildung weiterzuentwickeln. Auch die Hilfsangebote bei Gewalterfahrungen oder extremer Arbeitsbelastung wollen wir auf Grundlage der Studie weiter ausbauen.“

Prof. Dr. Anja Schiemann, Projektleiterin, Deutsche Hochschule der Polizei:

„Mit über 50.000 auswertbaren Fragebögen ist die MEGAVO-Stichprobe die größte Stichprobe im Bereich empirischer Polizeiforschung in Deutschland. Blickt man auf den Bereich der Einstellungen von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten sowie Tarifbeschäftigten der Polizei, so wird man nur eine sehr kleine Gruppe finden, die durchgängig problematische Einstellungen zeigt. Es gibt aber eine große Anzahl derjenigen, die sich ambivalent verhält, also stereotypen, menschenfeindlichen Aussagen nicht eindeutig ablehnend gegenübertreten. Insofern findet man zwar wenige Hinweise auf radikale Positionen, aber einige Eindrücke, die auf Verunsicherungen und uneindeutige Positionen schließen lassen. Hier werden sich im weiteren Projektverlauf Analysen anschließen.“ 

Das Projekt MEGAVO – Motivation, Einstellung und Gewalt im Alltag von Polizeivollzugsbeamten – wird seit März 2021 durch das Bundesministerium des Innern und für Heimat gefördert. Der nun veröffentlichte Zwischenbericht umfasst den Stand der empirischen Erhebung zum aktuellen Zeitpunkt.  

Im Fokus stehen dabei die Fragen, mit welcher Motivation die Mitarbeitenden sich für ihren Beruf entschieden haben, ob und wie sich die Motivation im Laufe des Berufslebens verändert hat und welche Auswirkungen berufliche Belastungen auf die Motivation haben. Dabei werden im Rahmen der Studie Gewalterfahrungen der Mitarbeitenden, Fehlverhalten und Teamkultur besonders erhoben. Eine weitere forschungsleitende Perspektive umfasst die (politische) Einstellung und grundlegende Haltung zu gesellschaftlich wichtigen Themen, die im Kontext der Arbeits- und Lebenssituation betrachtet werden.  

In den Zwischenbericht konnten im Rahmen der qualitativen Datenerhebung teilnehmende Beobachtungen in 14 Städten und 26 Dienststellen sowie Fokusgruppengespräche einfließen. 

Die Online-Befragung aller Mitarbeitenden der Polizeien des Bundes und der Länder erstreckte sich von November 2021 bis Oktober 2022, jeweils über einen Zeitraum von ca. 4 Wochen. 14 Bundesländer (Ausnahmen: Hamburg und Baden-Württemberg) sowie Bundeskriminalamt und Bundespolizei nahmen teil. Insgesamt konnten über 50.000 Fragebögen in die Auswertung miteinbezogen werden.  

Der Rücklauf der auswertbaren Fragebögen in Relation zu allen Mitarbeitenden der Polizei eines Bundeslandes, des Bundeskriminalamtes oder der Bundespolizei variiert. Im Durchschnitt wurde ein Rücklauf von etwas über 16 % erreicht. In der sich auf den Zwischenbericht anschließenden Projektphase werden die Auswertungen der Online-Befragung fortgesetzt. Außerdem sollen die Ergebnisse in Interviews mit Expertinnen und Experten eingehen sowie mit den Erfahrungen der Befragten und dem Hintergrundwissen von Fachleuten rückgekoppelt werden. Auch ist eine zweite Online-Befragung für das letzte Quartal 2023 geplant.


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