Bodycams machen Städte sicherer, smarter und lebenswerter

Ergänzung zur klassischen Videotechnik im öffentlichen Raum

Jochen Sauer

Axis Communications

Ein immer größerer Teil der Weltbevölkerung lebt in Städten. In diesen werden am Körper getragene Kameras verstärkt als wertvolle Ergänzung zur klassischen Videotechnik des öffentlichen Raums angesehen. Sie sind ein wirksames Mittel zur Beweissammlung, der Abschreckung von Straftaten, sowie dem Training von Beamten und Sicherheitspersonal. Insbesondere an Verkehrsknotenpunkten und im ÖPNV kommen sie bereits verstärkt zum Einsatz.

Videotechnologie in Form von Bodycams trägt zur Sicherheit im ÖPNV bei.
Im ÖPNV gehört Videotechnologie für ein sicheres Umfeld für Passagiere
und Personal dazu.
Quelle: Axis Communications

Um die Lebensqualität und Attraktivität einer Stadt weiterhin hochzuhalten, muss bei einer steigenden Anzahl von Bewohnern auch verstärkt die Sicherheit für die Bürger gewährleistet werden. Die Reduzierung von Straftaten wie Vandalismus, Diebstahl und physischer Gewalt ist deshalb ein zentrales Ziel für jede Behörde und jede Stadtverwaltung. Netzwerk-Videotechnologie spielt hier eine Schlüsselrolle, sowohl bei der Abschreckung von Verbrechen als auch bei der Unterstützung von laufenden Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden.

Dafür kommen immer mehr am Körper getragene Kameralösungen, sogenannte Body Worn Cameras, zum Einsatz. Ein Vorteil dieser Kameras ist die Sammlung und Erfassung von DSGVO-konformen Beweismaterial für die Ermittlungen nach einem Vorfall. Es geht dabei explizit nicht nur um Beweise gegen mutmaßliche Täter, sondern auch um Belege, dass sich der Polizei- oder private Sicherheitsbeamte ordnungsgemäß verhalten hat. Das Videomaterial einer Bodycam leistet hier wertvolle Unterstützung, da es zum einen die Sicht des Trägers wiedergibt, zum anderen aber auch Stellen zeigt, die von herkömmlichen Sicherheitskameras nicht abgedeckt werden.

Eine am Körper getragene Kamera kann so auch das Sicherheitsgefühl des Trägers erhöhen und ihm mehr Sicherheit während der Arbeitszeit geben. Gleichzeitig kann sie auch das Verhalten von Trägern und Bürgern verbessern und so nicht nur die Anzahl an Vorfällen, sondern auch die Anzahl an Beschwerden gegen Beamte minimieren.

Bundespolizei an großen Bahnhöfen mit Bodycams präsent

Insbesondere im ÖPNV gehört Videotechnologie für ein sicheres Umfeld für Passagiere und Personal grundlegend dazu. Laut einer Studie des Internationalen Verbands für öffentliches Verkehrswesen (UITP) profitieren bereits 95 Prozent der befragten Verkehrsbetriebe, -behörden, -betreiber und Infrastrukturbesitzer von festinstallierten Kameralösungen in ihren Zügen, Wartehallen oder auf Bahnsteigen. Die jahrelangen Erfahrungen im Transportwesen haben eindrücklich gezeigt, dass diese stationären Lösungen zu weniger Zerstörungswut, Gewalt und betrügerischen Schadensersatzansprüchen führen.

Es gibt also zahlreiche Gründe, die für die Kontrolle von Knotenpunkten sprechen, an denen sich täglich große Menschenmengen bewegen. Man will durch die effiziente Erkennung möglicher Gefahren eine sichere Umgebung schaffen, kriminellen Handlungen immer einen Schritt voraus sein und so die Nutzung des ÖPNV auch abends oder in abgelegenen Gebieten fördern. Im Bestreben, den ÖPNV sicherer zu machen, werden auch Body Worn Cameras bei der Beweissammlung, der Abschreckung vor Straftaten sowie dem Training von Beamten und Sicherheitspersonal immer wichtiger.

Seit einigen Jahren hat beispielsweise die Bundespolizei Bodycams an einigen großen Bahnhöfen der Deutschen Bahn, in Berlin, Köln oder München, mit Erfolg im Einsatz. Die Pilotprojekte, die vielerorts 2016 gestartet wurden, haben gezeigt, dass Bodycams Beweismaterial erfolgreich sichern und das Personal vor Angriffen schützen können. Im Umkehrschluss profitierten sowohl Mitarbeiter als auch Bahnkunden von der erhöhten Sicherheit. Bodycams haben sich an Bahnhöfen insbesondere in den Abendstunden und am Wochenende bewährt.

Situationen können durch das Tragen von Bodycams entschärft werden.
Im Einsatz kann das Tragen von Bodycams zur Entschärfung von
Situationen beitragen.
Quelle: Axis Communications

Datenschutz steht an oberster Stelle

Doch nicht nur der überregionale Personenverkehr kann von Bodycams im Alltag profitieren. Auch für regionale Transportunternehmen sind bereits mehrere Pilotprojekte geplant. Im ÖPNV ist dabei insbesondere die Datenschutz-Konformität von großer Bedeutung.

Es gilt, alle Daten sowohl während der Speicherung als auch während der Übertragung zu verschlüsseln. Bei Bodycams führender Technologieanbieter im Bereich Netzwerk-Video kommen dabei verschiedene Verschlüsselungstypen zum Einsatz, beispielsweise bei der Übertragung der Daten von der Kamera auf einen Datenträger, z. B. eine SD-Karte, sowie bei der Übertragung auf das Video Management System. Mit spezifischen Integrati­onen können Videodaten zudem vollständig End-to-End verschlüsselt werden. Eine mobile App ermöglicht es Benutzern außerdem, das Videomaterial live zu überprüfen. Es erhält dann ein ­Wasserzeichen sowie eine Kamera- und Benutzer-ID. Die Übertragung des Videomaterials von der Kamera auf einen Server muss voll automatisiert sein. Auf diese Weise ist weder eine menschliche Interaktion erforderlich, noch kann während des Prozesses ein Ausschnitt aus dem Filmmaterial herausgenommen werden.

Body Worn Cameras können sowohl ereignisbezogen durch manuelle Einstellung per Knopfdruck oder selbständig durch zum Beispiel eine Erschütterung, die durch eingebaute gyroskopische Sensoren ausgelöst wird, als auch permanent aufzeichnen. In den Pilotprojekten wird momentan untersucht, ob der Einsatz der Bodycams nur für ereignisbezogene Aufnahmen verwendet oder ein ununterbrochenes Recording stattfinden soll. Bisher werden ereignisbezogene Aufnahmen bevorzugt, bei denen der Bodycam-Träger seinem Gegenüber das An- bzw. Ausschalten der Kamera verbal mitteilt, um das genaue Geschehen zu dokumentieren. Während der Aufnahme signalisiert zusätzlich ein rotes Licht die aktivierte Kamera, um eindeutig auf die Aufnahmefunktion hinzuweisen. Auf diese Weise werden Persönlichkeitsrechte des Gefilmten gewahrt.

Bodycams nicht nur für Polizei sinnvoll

Aufgrund des Erfolgs bei der Beweissicherung, der Abschreckung von Straftaten sowie dem Training von Beamten und Sicherheitspersonal finden Bodycams inzwischen auch in anderen Bereichen zunehmend Aufmerksamkeit. Neben der Polizei können auch Rettungsdienste, medizinische Dienste und die Feuerwehr sowohl bei ihren Einsätzen als auch bei eigenen Schulungen von den Kameras profitieren. Auch hier dienen die Kameras zum Eigenschutz und zur Dokumentation, zum Beispiel bei Gaffern oder Personen, die Einsatzkräfte bewusst an ihrer Arbeit hindern. Diese können mit dem DSGVO-konform gewonnenen Material im Nachgang strafrechtlich verfolgt werden. Angesichts wachsender Zahlen gewalttätiger Übergriffe auf Sicherheitspersonal ist auch der Einsatz auf Großveranstaltungen, Festivals oder Demos ein möglicher zukünftiger Einsatzort.

Fünf Kernpunkte für eine passende Body-Worn-Lösung

Generell ist es wichtig, dass jede Organisation vor dem Einsatz von Body Worn Cameras gründlich prüft, welchen Nutzen diese Lösung hat – insbesondere dann, wenn bereits ein Video Management System im Einsatz ist. Beispielsweise werden Bodycams, die eigentlich für den Endverbraucher konzipiert wurden, auch von privaten Sicherheitsfirmen eingesetzt. Herausforderungen könnten hier in Bezug auf Cybersicherheit, eingeschränkte Funktionalität und mangelnde Robustheit der Kameras auftreten. Fünf Kernpunkte sind besonders zu beachten, bevor Anwender sich für eine passende Lösung entscheiden:

  1. Am Körper getragene Kameras sind – wie auch ihr Träger – im Geschehen live dabei. Sie müssen daher so robust verarbeitet sein, dass sie im Einsatz Stößen, extremen Temperaturen und ungünstigen Witterungsbedingungen bei gleichbleibend hoher Bild- und Tonqualität standhalten. Die Langlebigkeit und Strapazierfähigkeit der Hardware sind wesentlich für eine fortwährende Funktionalität.
  2. Body Worn Cameras sind für den Einsatz während einer Dienstschicht gedacht, daher sollten Gewicht und Größe des Gerätes berücksichtigt werden. Die optimale Kombination aus Größe, Gewicht und Widerstandsfähigkeit ist wichtig, um dem Träger einerseits ein angenehmes und ungehindertes Tragegefühl zu geben, andererseits aber auch die erforderliche Leistung im Ernstfall zu liefern.
  3. Auch die Batterielebensdauer ist wichtig: Das Gerät sollte in der Lage sein, eine Schicht Filmmaterial aufzuzeichnen, und zudem einfach zu bedienen sein, insbesondere in Stresssituationen. Denn das Personal kann in der kritischen Situation unter Stress stehen, sich in schlecht beleuchteten Umgebungen befinden oder durch Regen, Schnee oder Sturm behindert werden.
  4. Darüber hinaus sollte auch die Video Management Bearbeitungssoftware einfach zu handhaben sein. Nur so ist eine automatisierte, schnelle und zuverlässige Übertragung der Videodaten in das richtige Format mit den passenden Verfahren zur Einhaltung der Cybersicherheit gewährleistet, um unbefugte Eingriffe, Datenlecks und Manipulationen zu verhindern.
  5. Entscheidend ist schließlich, wie leicht die Lösung sich in bestehende Anwendungen und Systeme integrieren lässt. Eine offene Systemarchitektur gibt Anwendern die Flexibilität, Body Worn Cameras in bestehende Video Management Systeme (VMS) oder Evidence Management Systeme (EMS) zu integrieren.

Smart City nur durch Kooperationen

Die Vorteile der Body Worn Cameras zur Verbesserung der Sicherheit führen zu immer mehr Anwendungen und werden zukünftig auch in anderen Bereichen zum Einsatz kommen. Sie können Städten dazu verhelfen, nicht nur sicherer, sondern auch lebenswerter und smarter zu werden. Damit dies funktioniert, ist die Kooperation aller Parteien von großer Bedeutung. Städtische Behörden müssen innerhalb eines Smart-City-Programms mit Polizei, Sicherheitspersonal und Ersthelfern zusammenarbeiten. Denn autonome, an den Polizeiwesten angebrachte Bodycams bleiben in ihrer Wirkung oft eindimensional, wenn sie nicht in vorhandene Videosicherheitssysteme und letztlich das gesamte Ökosystem einer Smart City integriert sind. Erst das Teilen, Nutzen und Analysieren der Daten, die mit skalierbaren Kamera- und IoT-Lösungen – einschließlich Body Worn Cameras – gesammelt werden, erhöht die Effizienz der öffentlichen Sicherheit erheblich.

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