„Das geht nicht mehr weg!“ – IT-Messe in Zeiten der Digitalisierung

32. AFCEA Fachausstellung

Jochen Reinhardt

Bild: Stefan Veres

Mit 149 Ausstellern und über 2.400 Besuchern hat AFCEA Bonn e. V. bei der 32. ­AFCEA Fachausstellung erneut eine Rekordbeteiligung erreicht. Zum zweiten Mal fand die Ausstellung am 11. und 12. April im Maritim Hotel Bonn statt. Das Motto „Digitale Zukunft gestalten – Intelligent. Vernetzt. Sicher.“ orientierte sich am Jahresthema des neutralen Anwenderforums.

Staatssekretär Benedikt Zimmer aus dem BMVg
Staatssekretär Benedikt Zimmer aus dem BMVg (2.v.r.) informierte sich bei der 32. AFCEA Fachausstellung bei den damaligen stellvertretendem AFCEA Vorsitzenden Armin Fleischmann und Vorsitzendem Erich Staudacher (v.l.).
Quelle: Bild: Stefan Veres

Mit der diesjährigen Ausstellung sei es gelungen, so Generalmajor a. D. Erich Staudacher, Vorsitzender AFCEA Bonn e. V., Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und über die Grenzen der eigenen Community die Öffentlichkeit für das Thema Digitalisierung und Sicherheit zu sensibilisieren. Streitkräfte und Sicherheitsbehörden erfahren durch die Digitalisierung und Automatisierung, im Friedensbetrieb wie im weltweiten Einsatz, massive Veränderungen, sei es beim Waffeneinsatz, in der Logistik, in der Führung oder in der Aufklärung. 

Maßgebliche technische Entwicklungen wie etwa soziale Medien sind Treiber gesellschaftlicher Entwicklungen geworden, die vom Staat eine neue normsetzende Rolle abverlangen. Gleichzeitig entwickeln Manipulationen in den Sozialen Medien massiven Einfluss auf demokratische Entwicklungen, die es zu erkennen gilt. Aufgrund dieser Entwicklung rücken die Grenzen in der öffentlichen Sicherheit näher zusammen. „Das geht auch nicht mehr weg“ – darüber herrschte bei allen Vorträgen in der Diskussion Einigkeit.

Zwei Keynotes zur Digitalisierung aus der Bundeswehr und dem Bundesinnenministerium beleuchteten diese Entwicklung eindrucksvoll. Generalleutnant Ludwig Leinhos, Inspekteur Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR), stellte die Erfolge bei der Aufstellung des Kommando CIR dar und gab einen Überblick über die aktuellen Schwerpunkte. Neben dem Aufbau in den verschiedenen Bereichen, auch beim Aufbau einer Cyber-Reserve, gehören auch Großvorhaben und Programmunterstützung beispielsweise der Digitalisierung landbasierte Operationen, GroupwareBw, SatComBw oder Krypotomodernisierung. 

Hier forderte der Inspekteur die Beteiligten aus Streitkräften, Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und Industrie auf, gemeinsam für Verbesserungen bei Entwicklungs- und Beschaffungsvorhaben zu arbeiten.

Wesentliche Aufgabe sei es, so Leinhos, entsprechend qualifiziertes Personal für eine Tätigkeit im Verantwortungsbereich CIR zu gewinnen, oder Menschen für die Sache zu begeistern und dann auch für ihre jeweilige Aufgabe zu qualifizieren.

Das Jahr 2017 habe gezeigt, dass Digitalisierung, Cybersicherheit und Datenschutz untrennbar verbunden sind, ergänzte Ministerialdirigent Andreas Könen, Leiter der Stabsstelle  „IT- und Cybersicherheit; sichere Informationstechnik“ im Bundesinnenministerium, in seiner Keynote. Trotz zahlreicher bekannter und erfolgreicher IT-Angriffe sowie ungewollter Vorfälle wie Datenlecks zeigte Koenen sich optimistisch, dass trotz allem Sicherheit möglich sei. Den Angriff auf das Auswärtige Amt, den das BSI seit Anfang des Jahres beobachtete, sei für ihn ein erfolgreiches Szenario gewesen. Man habe hier sehr viel gelernt. Dennoch habe man noch viel Arbeit vor sich bei der Weiterentwicklung der Cyber-Abwehr.

Generalleutnant Ludwig Leinhos, Inspekteur Cyber- und Informationsraum der...
Generalleutnant Ludwig Leinhos, Inspekteur Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr, gab 2018 einen Einblick in seinen Organisationsbereich.
Quelle: Bild: Stefan Veres

Wie weit Digitalisierung und Technisierung bereits sind, legte der Bestsellerautor Marc Elsberg, im Rückgriff auf seine Romane Blackout und Zero dar. Ein „Zurückdrehen der Digitalisierung“ werde nur mit starken Einbußen im Lebensstandard möglich sein. Zu grundlegend hätten sich Wirtschafts- und Lebensweisen damit verändert. Selbst Kuhställe und Schweinemastanlagen seien heute von Elektrizität abhängig, und wie das Beispiel des Wirbelsturms Katrina in New Orleans gezeigt habe, befindet man sich innerhalb weniger Tage ohne Strom in kriegsähnlichen Zuständen. 

Aufgrund der Digitalisierung und Vernetzung entwickeln sich viele Gesellschaften in Richtung eines „Selbstüberwachungsstaates“ mit ­hohem Konformitätsdruck. Elsberg forderte ­daher, sich viel stärker Gedanken über Zuständigkeiten und Zusammenhänge zu machen. Internet of Things, Internet of Everyone und Künstliche Intelligenz machten diese Entwicklung zu einer ­besonders großen Herausforderung. ­Elsberg blieb jedoch optimistisch, dass der Umgang damit weiterhin gelingen wird, wenn auch mit Rückschlägen.

Am zweiten Tag fokussierte AFCEA Bonn e. V. auf zwei Beispiele der aktuellen Entwicklung aus der Bundeswehr. Zunächst stellte Oberst i.G. Frank Werner Trettin, Leiter Aufbaustab ADIC, den Sachstand beim Aufbau der „Agentur für disruptive Innovationen in Cybersicherheit“ vor. Mit dieser neuen Agentur soll künftig Forschung und Entwicklung in der Cybersicherheit gefördert werden. Finanziert wird die Agentur vom Bundesverteidigungsministerium und dem Bundesinnenministerium. Rechtsform und Standort stehen noch nicht fest.

Generalarzt Dr. Michael Zallet, Abteilungsleiter B im Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr, zeigte am Beispiel der Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung, wie sowohl Patient als auch System davon einen Nutzen haben sollen. In den kommenden Jahren soll in der Gesundheitsversorgung der Bundeswehr eine elektronische Patientendatensammlung, ein Gesundheitssystem aus einem Guss und damit eine elektronische Gesundheitsakte umgesetzt werden. Damit wäre man auch für den zivilen Bereich ein Vorreiter.

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