Bundeswehr und BWI treiben Digitalisierung mit Nachdruck voran

André von Tils

Bundeswehr/Michael Mandt

An der Digitalisierung führt kein Weg mehr vorbei. Ob in Wirtschaft, Politik oder im Privaten: Alle Arbeits- und Lebensbereiche werden von tiefgreifendem technologischen Wandel erfasst und nachhaltig verändert – und das mit einer nie dagewesenen Geschwindigkeit und disruptiven Kraft. Die Dynamik hat auch die Bundeswehr erkannt. Daher treibt sie ihre Digitalisierung mit Nachdruck voran, um ihre nationale und internationale Handlungsfähigkeit langfristig zu sichern und nachhaltig zu stärken. Die ehemalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ließ keinen Zweifel an der Bedeutung des Unterfangens: „Digitalisierung ist das Megathema der Bundeswehr in der nächsten Dekade und ist vor allem Führungsaufgabe.“

Die digitale Transformation gilt als Schlüssel, um die Streitkräfte effizienter und effektiver zu machen, etwa in den Bereichen Beschaffung, Nutzung und Personalmanagement. Aber auch auf dem Gefechtsfeld der Zukunft wird die Digitalisierung über die Informations-, Führungs- und Wirkungsüberlegenheit entscheiden und bestimmen, wie durchsetzungs- und reaktionsfähig die Bundeswehr ist und sich entsprechend in der Landes- und Bündnisverteidigung Deutschlands bewähren kann. Hier gilt es, bei IT und Rüstung Schritt zu halten mit einem möglichen Gegner, der digitale Innovationen immer schneller und variantenreicher zu nutzen weiß – und das sowohl im konventionellen Umfeld zu Land, Luft und See, als auch im Cyberraum sowie in hybriden Bedrohungsszenarien.

Die Digitalisierung von Lagebildern und Landoperationen, Krisenfrüherkennung, Cloud-Lösungen und Mobilität, die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung sowie die Integration der Digitalisierung in Ausbildung und Lehre sind nur einige Beispiele, die die Bundeswehr aktuell vorantreibt. Neben neuen Denkmustern und Herangehensweisen stellt die Digitalisierung insbesondere auch neue Ansprüche an die IT der Akteure. Folglich ist die BWI als Digitalisierungspartner der Bundeswehr in besonderem Maße gefordert, den Wandel aktiv zu begleiten und nachhaltig zu gestalten.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, hat die BWI unter anderem Digitalisierungsvorhaben gebündelt, die von herausragender strategischer Bedeutung für die Bundeswehr sind. Gefasst werden diese Vorhaben in sogenannten Digitalen Programmen. Sie alle kennzeichnet, dass sie von erheblicher Komplexität sind, einen großen Architektur- und Konzeptionierungsbedarf haben und einen hohen Beratungsanteil aufweisen. Aktuell gibt es drei davon: Cloud-Computing, die Digitalisierung landbasierter Operationen (D-LBO) sowie die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung der Bundeswehr (Digitalisierung GesVersBw).

Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung der Bundeswehr ist ein Fokusthema...
Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung der Bundeswehr ist ein Fokusthema der Digitalisierungsoffensive des BMVg.
Quelle: Adobe Stock/rogerphoto

Cloud

Cloud-Computing ist in immer mehr Unternehmen bereits selbstverständlicher Alltag und etabliert sich zusehend als architektonischer IT-Standard. Für eine zukunftsfähige IT mit Services, wie beispielsweise Künstliche Intelligenz, Internet-of-Things oder Big Data, wird eine Cloud-Infrastruktur benötigt. Mit dem Digitalisierungsprogramm Cloud greifen Bundeswehr und BWI die Herausforderungen dieser Transformation auf und verstärken ihr Engagement in diesem Feld.

Digitalisierung landbasierter Operationen

Mit der Digitalisierung landbasierter Operationen beschreitet die Bundeswehr auch im multinationalen Kontext den Weg zur vernetzten Gefechtsführung. Ziel des Programms ist, alle Soldaten und Fahrzeuge auf dem Gefechtsfeld in einem mobilen, durchgängigen, interoperablen Verbund digital zu vernetzen und das sowohl auf Landes- als auch auf Bündnisebene. Das soll unter anderem mit einer effektiven Battle Management Software (BMS) gelingen, die alle Teilstreitkräfte zukünftig gleichermaßen einbindet und Führungssysteme, Sensoren und Effektoren auch auf taktischer Ebene bis hin zum Einzelschützen vernetzt. Im ersten Schritt wird die BMS im Umfeld der Very High Readiness Joint Taskforce der NATO 2023 zum Einsatz kommen.

Für Cloud-Dienste greift die Bundeswehr auf eine leistungsfähige...
Für Cloud-Dienste greift die Bundeswehr auf eine leistungsfähige Rechenzentrums-Infrastruktur zurück.
Quelle: BWI

Darüber hinaus unterstützt die BWI das Bundesamt für Ausrüstung, Infrastruktur und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) beim Aufbau des bilateralen Programms „Tactical Edge Networking“ (TEN) mit den Niederlanden. Im Zuge von TEN sollen die Heere beider Länder spätestens in den 2030er-Jahren auf allen Ebenen vernetzt sein und uneingeschränkt miteinander kommunizieren können. Geplant ist, jeden Panzer und jedes Fahrzeug beider Armeen – insgesamt 25.000 Fahrzeuge – zu vernetzen. Außerdem sollen 155.000 Soldaten mit modernem digitalen Equipment (u. a. Smartphones) und Funkgeräten ausgestattet werden.

Ergänzt werden sollen solche Systeme und Netzwerke künftig mit einem „Military use of IoT“ beziehungsweise „Internet of military things“. Als Schlagworte sind hier etwa der Datenaustausch zwischen Kampffahrzeugen, Sensoren und Effektoren, der Einsatz unbemannter Land- und Luftsysteme (UMS) als Manned-Unmanned-Teaming (MUM-T) sowie der Einsatz teilautonomer UMS-Schwärme zu nennen. Bis diese Technologien einsatzfähig sind, bedarf es allerdings noch zahlreicher gemeinsamer Anstrengungen von Bundeswehr und BWI.

Digitalisierung der Gesundheitsversorgung

Die Handlungsfähigkeit der Bundeswehr steht und fällt mit einsatzbereitem Personal. Deshalb ist eine effiziente und effektive Gesundheitsversorgung essenziell. Das hat auch das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) erkannt und die „Digitalisierung der Gesundheitsversorgung der Bundeswehr“ (Digitalisierung GesVersBw) zu einem Fokusthema ihrer Digitalisierungsoffensive gemacht. Das gleichnamige Programm wurde Anfang 2018 ins Leben gerufen. Von dem Pilotvorhaben wird große Strahlkraft nicht nur auf den Sanitätsdienst erwartet, da es zeigt, wohin die Bundeswehr mit ihrer IT-Architektur will: weg von vielen, unabhängigen Einzellösungen, hin zu einer ganzheitlichen übergreifenden Architektur. Damit nimmt der Sanitätsdienst eine Vorreiter­rolle ein und weist den Weg für künftige Digi­talisierungsvorhaben der Bundeswehr.

Eine Taskforce, die aus dem Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr (KdoSanDstBw), dem BAAINBw und der BWI als IT-Systemhaus der Bundeswehr besteht, setzt das Programm bis Ende 2020 um. Auch diese Konstellation markiert neue Zeiten: Mit der Taskforce, die in Koblenz beheimatet ist, arbeiten erstmals Bedarfs­träger, Bedarfsdecker und IT-Serviceprovider sprichwörtlich Hand in Hand – alle Beteiligten sitzen in einem Gebäude in benachbarten Büros. Nicht zuletzt diese räumliche Nähe soll dazu beitragen, dass entsteht, was die Leitung des BMVg als erklärtes Ziel ausgegeben hat: Architektur aus einem Guss.

Kern der Digitalisierung GesVersBw ist eine durchgehende, prozessorientierte Architekturerstellung, um unter anderem die Voraussetzungen für die Einführung elektronischer Gesundheitsakten zu schaffen. Dazu gilt es, das hochkomplexe Gesamtsystem, seine Informationsbedarfe und seine operationellen Anforderungen sowie die bestehende IT-Landschaft in einer ganzheitlichen Enterprise Architecture zu erfassen und abzubilden. Anschließend kann die Gesundheitsversorgung der Bundeswehr inklusive ihrer IT-Systemarchitektur und zugehöriger IT-Projekte übergreifend ausgeplant werden.

Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung der Bundeswehr kann bereits mit ersten greifbaren Ergebnissen aufwarten. So wurde beispielsweise Ende 2018 im Bundeswehrkrankenhaus Berlin die erste Anlage aus dem Projekt „MedSAN“ in Betrieb genommen. Jedes MedSAN-System in den Sanitätsdienststellen besteht aus einem Storage Area Network (SAN), also einem Netzwerk für die Speicherung und Übertragung von Daten, sowie einer hochleistungsfähigen Serverfarm. Damit erhöhen sich in den Krankenhäusern nicht nur die Daten- und Ausfallsicherheit, sondern auch die Übertragungsgeschwindigkeiten deutlich. Danach folgte die Ausstattung der anderen Bundeswehrkrankenhäuser sowie der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München.

Die Gesundheitsversorgung der Bundeswehr ist auf verlässliche Übergänge und Schnittstellen zwischen IT-Systemen und Netzwerken angewiesen, zum Beispiel bei der Zusammenarbeit in der regionalen Notfallversorgung und Forschungsverbünden und bei zivil-militärischen Kooperationen. Ebenso bedarf es eines rechtskonformen, bedarfsgerechten, interoperablen und zeitgemäßen Informations- und Datenmanagements. Diese Aufgabe soll das geplante Health Information Management System (HIMS) übernehmen. Das maßgeschneiderte IT-System gilt als Kernelement für die Digitalisierung der bundeswehreigenen Gesundheitsversorgung. HIMS bündelt und verarbeitet alle Gesundheitsdaten und stellt aggregierte Informationen bedarfsgerecht bereit, zum Beispiel in Form der geplanten elektronischen Gesundheitsakte der Bundeswehr.

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