08.07.2024 •

vfdb fordert Allianz für „Innovationen in der Gefahrenabwehr“

70. Jahresfachtagung in Magdeburg mit rund 700 Teilnehmern – Neues Referat „Rettungsdienst“ gegründet

Wolfgang Duveneck

Festliche Eröffnung der 70. Jahresfachtagung mit rund 650 Teilnehmenden.
Wolfgang Duveneck

Die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) hat eindringlich an die Bundesländer appelliert, mehr für die Sicherheit von Einsatzkräften zu unternehmen. Vor allem Ergebnisse der Sicherheitsforschung kämen in der Praxis viel zu wenig an – sie würden aber dringend als Innovationen gebraucht. Ein jährliches Investitionsvolumen von 60 Millionen Euro als Anschubfinanzierung des Bundes reiche für Forschung nicht aus, sagte vfdb-Präsident Dirk Aschenbrenner auf der 70. Jahresfachtagung der vfdb, zu der rund 650 Fachleute aus Deutschland und dem benachbarten Ausland nach Magdeburg gekommen waren. Der Kongress mit mehr als 50 Vorträgen stand in diesem Jahr unter dem Motto „Was tun wir für die Sicherheit im Einsatz?“ Die vfdb-Jahresfachtagung gilt als bundesweit größte Netzwerkveranstaltung für die zivile Gefahrenabwehr.

Aschenbrenner wies vor Journalisten auf die zunehmenden Herausforderungen für die Einsatzkräfte hin. „Sicherheit im Einsatz ist auf Innovationen angewiesen“, so Aschenbrenner. Notwendig sei es, vorhandene Fähigkeitslücken zu schließen. Als Beispiel nannte er das schon vor zehn Jahren mit Bundesmitteln geförderte deutsch-französische Projekt „Anchors“, bei dem aus sicherer Entfernung mit Sensoren bestückte Roboter eingesetzt werden. Sie könnten beispielsweise bei einem Unfall mit radioaktiven Stoffen unter anderem Nuklide bestimmen und die Dosisleistung messen und damit den Rettungskräften größtmögliche Sicherheit bieten. Problem und Lösung seien erkannt – seitdem aber sei nichts passiert. Solche Hemmnisse dürfen sich in Zukunft nicht fortsetzen, so Aschenbrenner, der als Leiter der Feuerwehr Dortmund die Herausforderungen der Praxis nur zu gut kennt.

Ein Polittalk lieferte umfangreichen Diskussionsstoff. Im Mittelpunkt: „Was...
Ein Polittalk lieferte umfangreichen Diskussionsstoff. Im Mittelpunkt: „Was tun wir für die Sicherheit im Einsatz?“
Quelle: Wolfgang Duveneck

Breites Themenspektrum

Die Vielfalt der Herausforderungen, mit denen die Einsatzkräfte täglich konfrontiert sind, spiegelte sich auch in den weiteren Schwerpunktthemen des Konferenzprogramms wider. Dazu gehörte beispielsweise der Schutz von Kulturgut, dessen Bedeutung erst kürzlich durch das verheerende Feuer in der Kopenhagener Börse und den Brand der Kathedrale Notre Dame vor fünf Jahren ins Bewusstsein gerückt war. Die Vorträge haben große Potenziale für Verbesserungen aufgezeigt. 

Aber auch Vegetationsbrände, die es insbesondere in Zeiten des Klimawandels immer häufiger zu bekämpfen gilt, standen im Mittelpunkt zahlreicher Vorträge und Diskussionen. In diesem Zusammenhang wies vfdb-Vizepräsidentin Dr. Anja Hofmann-Böllinghaus auf das europäische Forschungsprojekt „TREAADS“ hin, in dem der Einfluss der lokalen Vegetation in den Modellregionen Sachsen-Anhalt und Brandenburg wissenschaftlich untersucht wird. Demnach können neue wassersparende Löschtechniken die Sicherheit im Einsatz verbessern.

Auf reges Interesse stießen ferner Berichte zu Erfahrungen mit Vorfällen im Zusammenhang mit Lithium-Batterien und ein ausgestellter Demonstrator, den wissenschaftliche Mitarbeitende der vfdb und des Instituts der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (IdF) im Rahmen eines Forschungsprojekts entwickelt haben. Mit seiner Hilfe kann das extreme Brandverhalten von Batterien – die Experten sprechen von „thermischem Run-away“ – anschaulich vorgeführt werden. 

Zunehmend relevant: Bevölkerungsschutz

Auch die Wissenschaftskommunikation stand neben der Weiterbildung rund um Schutz, Rettung und Sicherheit und dem großen Themenbereich Katastrophenschutz auf dem Programm. Breiten Raum nahm angesichts der aktuellen Entwicklung ferner die Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Bevölkerungsschutz ein. Bei einer Pressekonferenz berichtete Präsident Aschenbrenner, dass die vfdb vor dem Hintergrund der zunehmenden Relevanz eines funktionierenden Bevölkerungsschutzes für die Resilienz der Gesellschaft in Krisensituationen ein „Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz" innerhalb der eigenen Organisation geschaffen habe. Damit solle auf Fragestellungen aus Politik und Gesellschaft kurzfristig reagiert werden können und ein Beitrag zur Etablierung wissenschaftlich fundierter und praxisorientierter Lösungen geleistet werden.

vfdb-Generalsekretär Roman Peperhove, der für den Gesamtablauf verantwortlich war, nannte die 70. Jahresfachtagung ein Jahr vor dem 75. Geburtstag der Vereinigung einen vollen Erfolg. Mit Interesse besuchten die Kongressteilnehmer auch eine Ausstellung von rund 40 Institutionen und Dienstleistern aus dem Bereich der Gefahrenabwehr, im Auftrag der vfdb organisiert vom Team der INTERSCHUTZ.

vfdb fordert Allianz für „Innovationen in der Gefahrenabwehr“
Quelle: Christian Horvat

Referat 15 für den Rettungsdienst

Im Rahmen ihrer Jahresfachtagung gab die vfdb zugleich die Gründung eines Referates für das Thema „Rettungsdienst“ bekannt. Besetzt mit organisationsübergreifenden Expertinnen und Experten soll „Referat 15“ auf der Grundlage wissenschaftlicher Daten, Fakten und Methoden künftig dazu beitragen, den Rettungsdienst in Deutschland nachhaltig mitzugestalten und weiterzuentwickeln. 

„Deutschland verfügt über engagierte Einsatzkräfte im Rettungswesen, die jedoch am Limit arbeiten. Dasselbe gilt für die Kliniken und die Notärzte überall im Land“, betonte vfdb-Präsident Aschenbrenner. Inzwischen gebe es viele, teils ermutigende Ansätze, um die Probleme zu lösen. Was fehle, sei beispielsweise eine übergreifende Koordination. Hier strebt das Referat 15 an, neue Ideen und Impulse in die Überarbeitung des Rettungsdienstes einzubringen. 

Mit Abschluss der diesjährigen Jahresfachtagung wird der Blick auf das kommende Jahr gerichtet: Die nächste vfdb-Jahresfachtagung findet vom 26. bis 28. Mai 2025 in Koblenz statt.




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