Blackout – Notfallkommunikationskonzept des Hochtaunuskreises

Wolfgang Reuber

Feuerwehr Wiesbaden

Im Krisenfall – etwa bei einem großflächigen und länger anhaltenden Stromausfall – ist der Landkreis, aber auch ab einem bestimmten Zeitpunkt die Stadt oder Gemeinde Kommunikationsmittelpunkt und Koordinationszentrale. Damit diese Aufgabe zuverlässig erfüllt werden kann, wird eine Kommunikationsinfrastruktur benötigt, die selbst unter schwierigsten Umständen reibungslos funktionieren muss.

Klassische Telekommunikationswege wie Festnetz, Mobilfunk oder Internet sind bei einem schweren Ereignisfall in der Regel schon nach wenigen Stunden oder gar Minuten nicht mehr verfügbar. Gleichzeitig ist Kommunikation gerade in einer solchen Situation wichtiger denn je: der Bürger braucht die kommunalen Anlaufstellen, um Notrufe absetzen zu können, damit entsprechende Hilfe entsandt werden kann. Darüber hinaus ist die Kommune Ansprechpartner für den Verwaltungsstab des Landkreises und die Katastrophenschutzbehörde. Es gilt, Entscheidungen zu treffen und diese zügig an die Betroffenen weiterzuleiten.

Um hier entsprechende Vorsorge zu treffen, hat der Hochtaunus­kreis eine Kommunikationslösung (REDCOM) auf der Basis eines ausfallsicheren Messenger-Systems für eine vernetzte Kommunikation eingeführt.

Alle 13 Städte und Gemeinden, sowie die Zentrale Leitstelle, der Katastrophenschutzstab und die mobile Führungseinheit sind mit Satelliten-Terminals ausgestattet (Abb. 01). Außer der Möglichkeit der Sprachkommunikation via Satellit besteht die Möglichkeit der Datenkommunikation untereinander.

Wenn nicht absehbar ist, wann der Strom bzw. die Kommunikationsverbindungen wieder zur Verfügung stehen werden, erfolgt gemäß Einsatzplan die Aktivierung, vier Stunden nach Eintritt des Ereignisses. Folgende Maßnahmen werden ergriffen:

  • Anlaufstellen für die Bevölkerung LEUCHTTÜRME in den betroffenen Gebieten einrichten
  • Da davon auszugehen ist, dass die gesamte Kommunikation nicht mehr funktioniert, ist das SAT-Netz in Betrieb zu setzen.

Der REDCOM-Sicherheitsserver ist ein System, das Nutzern erlaubt sich untereinander zu vernetzen und Informationen bei einem Stromausfall / Blackout nonverbal auszutauschen. Das bedeutet ´zum einen, dass die Satelliten-Telefonleitung für Notfälle freigehalten wird und zum anderen, dass Informationen, Weisungen o.Ä. an eine Person, oder an Kommunen, Einheiten oder dgl. schriftlich und somit nachweisbar übermittelt werden können.

Die Voraussetzung (Abb. 02) hierfür ist lediglich, dass ein konventioneller Internet-Browser (Notebook, Laptop oder PC) zur Verfügung steht. Der Laptop muss so konfiguriert sein, dass er keinerlei automatische Updates ziehen kann, damit keine unnötigen Gebühren für den Satellitenzugang anfallen. Für die Sprachverbindung wird ein Telefonapparat benötigt.

Sollte am Serverstandort DSL bzw. LTE nicht mehr zur Verfügung stehen (Abb.03), so ist das System über feste IP-Adressen mittels Inmarsat BGAN und Iridium Pilot automatisch erreichbar.

Nach dem Einloggen wird das Dashboard – die Benutzeroberfläche angezeigt. In der Menüleiste (linke Seite), die immer sichtbar ist, werden die Menüeinträge angezeigt (Adressbuch, Chat, Ereignis, Aufgabe, Benutzer und Sichtbarkeit).

Notfallkommunikation

Abb. 01 Hochtaunuskreis – Notfallkommunikation Abb. 02 Komponenten für die Notfallkommunikation Abb. 03 Funktionsweise des Redcom-Netzes Abb. 04 Zusatzsatellitennetz für den Stabsbereich

Das System kann in drei Betriebsmodi betrieben werden:

  • Normalbetrieb – Verwendung im täglichen Betrieb
  • Trainingsbetrieb – für Übungs- und Ausbildungszwecke
  • Notfallbetrieb – im Einsatzfall (Nutzerhandbuch REDCOM-Server)

Adressbuch
Im Adressbuch sind alle Kontakte des eigenen Bereiches sichtbar (schwarz hinterlegt). Die Kontaktdaten sind von jedem Teilnehmer selbst aktuell zu halten. Die grau hinterlegten Kontakte zeigen an, wer alles zum System gehört, sind jedoch nicht auswählbar. (Nutzerhandbuch REDCOM-Server)

Chat
Mit dieser Funktion kann man entweder mit einer Person oder Einrichtung, mit mehreren oder allen schriftlich in Kontakt treten. (Nutzerhandbuch REDCOM-Server)

Ereignis
Ein Ereignis ist eine mögliche Schadenslage (Einsatz), die im weiteren Verlauf durch die Verteilung von einzelnen Aufgaben (Einsatzaufträge) abgearbeitet werden soll. (Nutzerhandbuch REDCOM-Server)

Aufgabe
Durch das Anlegen eines Ereignisses (Einsatz) können unter dem Menüpunkt verschiedene Aufgaben (Einsatzaufträge) erstellt werden und an die sichtbaren Organisationen oder Kommunen / Einheiten zugeteilt werden. (Nutzerhandbuch REDCOM-Server)

Benutzer
Dies ist die Benutzerverwaltung, die nur mit Adminrechten sichtbar ist. (Nutzerhandbuch REDCOM-Server)

Sichtbarkeit
Auch dieser Menüpunkt ist nur mit Adminrechten sichtbar. Hier erfolgt die Einstellung für welche Organisation die Eigene sichtbar sein soll. (Nutzerhandbuch REDCOM-Server)

Die Feuerwehren im Hochtaunuskreis sind insgesamt an 67 Standorten stationiert. Alle dienen im Falle eines größeren und langanhaltenden Stromausfalls als Notfallinformationspunkt (Leuchtturm) für die Bevölkerung. Hier kann sich die Bevölkerung informieren bzw. eine Notfallmeldung absetzen. An allen 13 Standorten der Feuerwehreinsatzzentralen (FEZ) sind Satelliten-Terminals stationiert, die mit der Zentralen Leitstelle bzw. dem Katastrophenschutzstab in Verbindung stehen. Geht eine Notfallmeldung an einen der anderen 54 Standorte ein, so ist diese Meldung umgehend per Melder an eine der FEZ weiterzumelden.

An einigen Standorten sind Richtfunkstrecken oder Glasfaserverbindungsleitungen vorhanden bzw. in Planung. Zur Polizei, zu den Rettungswachen, Hilfsorganisationen und dem THW bestehen derzeit noch keine Kommunikationsverbindungen. Hier müssen alle Meldungen per Melder übermittelt werden.

Im Bereich der Verwaltungsstäbe in den 13 Kommunen bestehen bisher nur vier Satellitenverbindungen. Auch hier ist derzeit der Einsatz von Meldern zur Übermittlung von Meldungen noch erforderlich.

Wenn nicht absehbar ist, wann der Strom bzw. die Kommunikationsverbindungen wieder zur Verfügung stehen werden, erfolgt zu vorgeplanten Standorten von Rettungswachen und Tankstellen die Verlegung von Drahtverbindungen (Feldkabel).

Speziell für den Bereich des Katastrophenschutzstabes steht noch eine tragbare, satellitengestützte Netzwerkverbindung (Iridium GO! – Abb. 04), mit der man mit einem Smartphone telefonieren, Textnachrichten empfangen und senden, E-Mails versenden und Wettervorhersagen herunterladen kann, zur Verfügung.

Das Gerät wird im Freien mit freier Sicht auf den Himmel platziert, vorzugsweise auf einem Fotostativ, die Antenne wird aufrecht positioniert und das Gerät wird eingeschaltet. Auf den Smartphones, die zum Einsatz kommen sollen, ist nur die Iridium GO!-App zu installieren. Die Gebühren laufen ausschließlich auf die SIM-Karte des Iridium GO. Die eingesetzten Smartphones dienen nur zur Bedienung und bleiben gebührentechnisch unberührt.

Damit ein solches System im Ereignisfall reibungslos funktioniert, ist es erforderlich, dass regelmäßig damit geübt wird. Die Informations- und Kommunikationsgruppe des Hochtaunuskreises übernimmt die zentrale Steuerung und Betreuung des Redcom-Systems. Hierzu muss jede Stadt oder Gemeinde einen festen Ansprechpartner benennen, der den regelmäßigen Übungsbetrieb (angedacht ist zweimal im Jahr) sicherstellt, die Betriebsbereitschaft des SAT-Terminals gewährleistet und innerhalb der Kommune weitere Personen zur Bedienung anlernt. Der Übungsbetrieb erfolgt im Trainingsbetrieb, der ausschließlich über das Internet läuft und somit keine Kosten für SAT-Gebühren erzeugt.

Da einige Kommunen mehr als ein SAT-Terminal beschafft haben und diese an unterschiedlichen Stellen innerhalb der Kommunen zum Einsatz kommen, muss die jeweilige Kommune sicherstellen, dass die vorgenannten Punkte entsprechend eingehalten werden. 


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