Mobile Notstromversorgung im Einsatz

Nadine Ogiolda

THW/Thorben Schultz

Permanente Stromzufuhr gilt heute in Deutschland als selbstverständlich; nahezu jeder von uns ist auf eine funktionierende Stromversorgung angewiesen. Kommunikationsinfrastrukturen, Tankstellen, der Lebensmitteleinzelhandel und viele andere Einrichtungen können ohne Strom kaum oder gar nicht funktionieren. Die Vielzahl der Lebensbereiche unserer Gesellschaft ist also von elektrizitätsgestützten Systemen abhängig. Aber was passiert, wenn dieser Strom plötzlich nicht mehr „fließt“? Diese Versorgung im Notfall zu unterstützen, gehört zu den Aufgaben der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW).

Auf Grundlage des THW-Gesetzes (THWG) kann das THW bei Schadenslagen größeren Ausmaßes von den für die Gefahrenabwehr zuständigen Stellen angefordert werden – auch bei Stromausfällen. Aktuell passt sich das THW den veränderten Herausforderungen im Bevölkerungsschutz an. Naturkatastrophen als Folge des Klimawandels und Bedrohungen durch Terrorakte bergen Gefahrenpotentiale insbesondere für die heutige vernetzte Gesellschaft. So rücken sogenannte "Kritische Infrastrukturen" immer stärker in den Fokus. Um im Bereich Notversorgung besser aufgestellt zu sein, hat sich das THW in den letzten Jahren umstrukturiert. Gut vorbereitet zu sein, selbst wenn der Strom fehlt, lautet die Prämisse. Die Stärkung dieser Bereiche ist laut des im Jahr 2016 beschlossenen Rahmenkonzeptes vorgesehen.

Für den Betrieb von größeren Netzersatzanlagen werden speziell geschulte und...
Für den Betrieb von größeren Netzersatzanlagen werden speziell geschulte und qualifizierte Expertinnen und Experten benötigt
Quelle: THW/Thorben Schultz

THW und mobile Energieversorgung

Energieversorgung bedeutet beim THW vor allem die Versorgung mit Strom und Kraftstoffen. An dieser Stelle gilt es zu unterscheiden: Die Helferinnen und Helfer des THW benötigen Strom, um verschiedene Fähigkeiten einsetzen zu können. Sie werden aber ebenso gerufen, wenn Gebäude, Einrichtungen oder ganze Städte oder Stadtteile ohne Strom sind. Dass ein solches Szenario nicht unrealistisch ist, hat der Blackout in Berlin im letzten Jahr gezeigt. Aber auch Blackouts in München, Nordrhein-Westfalen oder an der Ostsee in den letzten beiden Jahren haben bewiesen, wie schnell eine entsprechende Einsatzlage auftreten kann. Dank eines modularen Baukasten-Systems können je nach Lage die Fähigkeiten des THW bei der mobilen Stromversorgung aufeinander abgestimmt werden. Daher verfügt das Technische Hilfswerk über verschiedene Geräte zur Stromversorgung. Im Folgenden werden drei unterschiedliche Typen beschrieben.

Mobile Grundversorgung für die THW-Einheiten

Beim THW gibt es kleine 8 bis 13 Kilovoltampere (kVA) Stromaggregate. Diese verfügen über mehrere Steckdosen, an welche im Einsatz oder zur Einsatzunterstützung Geräte angeschlossen werden können. Sie werden in jedem Ortsverband vorgehalten und insbesondere dafür eingesetzt, um fachtypische THW-Aufgaben zu bewältigen. Der Betrieb von Beleuchtungskomponenten gehört ebenso dazu wie die Versorgung von Pumpen. Ein Vorteil gegenüber den größeren Aggregaten ist die Mobilität durch Menschenkraft. Mit Hilfe von vier Helferinnen und Helfern kann dieser Aggregattyp getragen werden. Dies bietet sich beispielsweise an, wenn das Gelände so beschaffen ist, dass die THW-Fahrzeuge den Weg nicht passieren können. Die Treibstoffversorgung kann in der Regel wechselweise über den fest verbauten Tank des Stromerzeugungsaggregates (SEA) als auch über einen separaten Kanister sichergestellt werden.

Der Allrounder für die Versorgung:
Die Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung

Eine wertvolle Unterstützung liefert die neue Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung (FGr N). Diese Fachgruppe soll perspektivisch in jedem Technischen Zug und somit mindestens ein Mal in jedem der 668 Ortsverbände aufgebaut werden. Aktuell gibt es bereits über 600 dieser Fachgruppen deutschlandweit. Sie wurden und werden flächendeckend mit Netzersatzanlagen (NEA) ausgestattet. Diese Netzersatzanlagen (50-75 kVA) sind zusätzlich mit einer Lichtmastanlage bestückt. Das Gerät dient vor allem dazu, die Einsatzfähigkeit der verschiedenen THW-Fähigkeiten sicherzustellen, Strom in selbst aufgebaute Netze einzuspeisen oder im Falle eines (großflächigen) Stromausfalls die eigene Unterkunft entsprechend versorgen zu können, damit alle 668 Ortsverbände einsatzfähig bleiben. Sie sind nicht dafür vorgesehen, Strom in ein öffentliches Stromnetz einzuspeisen, da sie über keine dafür notwendige Synchronisierungsfunktion verfügen. Das bedeutet für die Umsetzung bei einem Stromausfall, dass die betroffene Unterkunft zuerst vom bestehenden (ausgefallenen) Stromnetz getrennt wird und anschließend mit Strom versorgt werden kann. Die Bereitstellung von Notstromkapazitäten in den Leistungsgrößen 8 bis 75 kVA ist als Fähigkeit originär für die eigene Einsatzfähigkeit oder die Einsatzfähigkeit anderer Einsatzorganisationen vorgesehen, kann aber natürlich auch im begrenzen Umfang genutzt werden, um punktuell Dritten eine rudimentäre  Notversorgung  zur Verfügung zu stellen.

Große Notstromaggregate dienen vor allem dazu, die Einsatzfähigkeit der...
Große Notstromaggregate dienen vor allem dazu, die Einsatzfähigkeit der verschiedenen THW-Fähigkeiten sicherzustellen oder Strom in selbst aufgebaute Netze einzuspeisen.
Quelle: THW

Die Expertinnen und Experten bei Stromausfällen: Die Fachgruppe Elektrover­sorgung

Die Gründe für (großflächige) Stromausfälle sind vielfältig: Unwetter, Brände, Cyberangriffe oder mechanische Schädigungen können ein schnelles Eingreifen erforderlich machen. Wenn dies passiert, werden besondere Fähigkeiten benötigt, vor allem zur Versorgung von großen Einsatzlagen oder Bereitstellungsräumen. Insbesondere die Fachgruppe Elektroversorgung verfügt über diese umfangreichen Möglichkeiten, im Notfall Einrichtungen oder Gebäude mit Strom zu versorgen. Hier kann die Aufgabe des THW bei Zerstörung von Infrastrukturen (etwa durch Sturm, Erdbeben, Schnee und Eis) insbesondere in der technischen Unterstützung der Betreiber liegen. Dazu gehören unter anderem Zuwege legen beispielsweise zu Schaltanlagen oder Trafos und der Aufbau von temporären Netzen. Die Fachgruppen Elektroversorgung sind hierfür mit NEA auf Zweiachs-Anhängern ausgestattet. Die NEA wiegen zwischen zwei und sechs Tonnen und müssen mit THW-Fahrzeugen an den Einsatzort gebracht werden. Diese leisten zwischen 175 bis 200 kVA. 

Ungefähr 50 Haushalte können über eine NEA – temporär – versorgt werden. Im Unterschied zu den kleineren Stromaggregaten verfügen die NEA in der Fachgruppe Elektroversorgung nicht nur über eine deutlich höhere Leistung, sondern sie können an das öffentliche Stromnetz angeschlossen werden. Hierfür besitzen die Aggregate eine Synchronisierungseinrichtung. Diese ermöglicht nicht nur die Kopplung der NEA mit dem öffentlichen Stromnetz im Netzparallelbetrieb, sondern die Kopplung mehrerer Aggregate als Verbund, wenn mehr Energie als die Nennleistung eines Aggregats benötigt wird. Dabei müssen für einen Parallelbetrieb die Parallelschaltbedingungen, die innerhalb von engen Toleranzgrenzen liegen, erfüllt sein. So ist beispielsweise die unterstützende Versorgung eines Krankenhauses mit Hilfe dieser Geräte möglich. Die Beschreibung macht deutlich, dass für den Betrieb von größeren NEA speziell geschulte und qualifizierte Expertinnen und Experten benötigt werden. Bei einer Einspeisung in ein öffentliches Stromnetz muss immer der Betreiber des Netzes vor Ort sein, um die Helferinnen und Helfer entsprechend einzuweisen.

Wie werden die NEA/SEA versorgt?

Eine Herausforderung liegt in der Betriebsstoff- oder Treibstoffversorgung der SEA und NEA. Versorgt werden die kleineren Anlagen mit Benzin und die NEA mit Dieselkraftstoff. Bei einem großflächigen Stromausfall können auch Tankstellen betroffen sein. Die Anzahl an Tankstellen, die über Notstromkapazitäten verfügen, ist sehr begrenzt. Dementsprechend gilt es bei Stromausfällen nicht nur die Aggregate betreiben zu können, das THW muss mit Kraftstoff versorgt werden – und dies könnte bei einem größeren Blackout durchaus eine diffizile Aufgabe werden. Auch auf diese Lage bereitet sich das THW vor, indem es für die Fachgruppe N und im Fachzug Logistik mobile Tankanlagen á 450 Liter vorsieht.           

Das THW arbeitet aber nicht nur daran, bei einem Stromausfall bestmöglich unterstützen zu können, sondern auch daran, auf die daraus resultierenden Einsatzlagen vorbereitet zu sein, beispielsweise wenn es um Sicherungs-, Instandsetzungs- bzw. Reparaturarbeiten von Frei- und Erdleitungen, Schalt- und sonstigen Anlagen geht. Um sich hier im Bedarfsfall zielgerichtet abstimmen zu können, existieren Kooperationsvereinbarungen mit einigen Übertragungsnetzbetreibern. Durch einen festgelegten Erfahrungsaustausch ist eine stärkere Verknüpfung mit diesen Betreibern gewährleistet. 

Eine Einschätzung aus dem Ehrenamt

Das THW verfügt also über Fähigkeiten in verschiedenen Fachgruppen, mit dem es notstromunterstützend eingreifen kann. Diese sind insbesondere in der Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung und der Fachgruppe Elektroversorgung zu finden. Auf Grund des modularen Baukasten-Systems des THW können sich darüber hinaus aber auch weitere Fachgruppen unterstützen. Ein Ineinandergreifen ist insbesondere bei der Fachgruppe Infrastruktur wichtig, da diese beispielsweise die Aufgabe hat, den Betrieb von kleineren Stromerzeugern zu übernehmen oder für den Netz- und Leitungsbau zuständig ist. Marc-Uwe Hasenbein, Gruppenführer der Fachgruppe Infrastruktur im Ortsverband Wuppertal betont: „Schnittstellenarbeit beim Thema (Not-)Stromversorgung ist ein zentrales Element. 

Daher haben wir in der Vergangenheit häufig mit der Fachgruppe Elektroversorgung eines benachbarten Ortsverbandes geübt, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein.“ Er stellt aber auch fest: „Eine große Herausforderung im Bereich mobile Stromversorgung ist das Personal. Für den Betrieb von Netzersatzanlagen bedarf es Expertenwissen im Bereich Elektroversorgung. Hierfür brauchen wir vor allem Helferinnen und Helfer, die bereits berufliche Erfahrung in diesem Bereich haben und diese dann durch spezielle Lehrgänge im THW weiter vertiefen. Denn beim Einspeisen von Strom in ein öffentliches Netz gibt es eine Vielzahl von technischen Voraussetzungen zu beachten. Das lernt man nicht von heute auf morgen.“

Wie gut vorbereitet sind wir wirklich?

Bundesweit verfügt das THW (Stand Februar 2020) über 115 dislozierte Fachgruppen Elektroversorgung. Für den Fall, dass das THW bei einem großflächigen Stromausfall, insbesondere in Ballungsgebieten mit Notstrom, aushelfen können soll, bedarf es in der Tat noch größerer Netzersatzanlagen. Ziel ist es, dementsprechend jede Fachgruppe Elektroversorgung mit einer Netz­ersatzanlage von circa 650 kVA auszustatten. Neben der Bereitstellung entsprechender verfügbarer Mittel bedarf es besonderer Anstregungen im Bereich der Gewinnung von geeigneter Helferinnen und Helfer sowie deren (Weiter-)Qualifizierung. Perspektivisch benötigt das THW diese Anlagen, um bei größeren Einsatzlagen entsprechend handlungsfähig zu bleiben und dem Anspruch, den Schutz von Kritischen Infrastrukturen aufrecht zu erhalten, gerecht werden zu können. Eine Priorisierung der Versorgung ist dabei unerlässlich. Das THW kann immer nur punktuell in der Not aushelfen und nicht die Daseinsvorsorge für die Betreiber der Kritischen Infrastruktur übernehmen, das bleibt deren ureigene Aufgabe.            

Dass das THW schon jetzt auf dem richtigen Weg, gut aufgestellt und auf vielfältige Szenarien vorbereitet ist, hat kürzlich die Einsatzlage beim Sturmtief „Sabine“ eindrucksvoll bewiesen. Das THW unterstützte an vielen Stellen im Bereich der Notstromversorgung und lieferte damit einen wichtigen Beitrag, um die durch das Sturmtief angerichteten Schäden schnell und effektiv zu beseitigen.

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