THW: Wasser marsch!

THW

THW/Alexander Steinruck

Falls die Trinkwasserversorgung zusammenbricht, sind die Einsatzkräfte des THW vorbereitet: Rund 120 Kräfte von fünf verschiedenen THW-Fachgruppen Trinkwasserversorgung übten am vergangenen Wochenende gemeinsam die vielen Schritte, die nötig sind, um aus Flusswasser sauberes Wasser zu gewinnen. 

Der Weg zum Reinwasser begann am angrenzenden Fluss Lech: Die Kräfte der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen des THW-Ortsverbandes Schongau unterstützte die Übung, indem sie das Wasser mit einer Überführung über eine Straße in Auffangbecken pumpten. Von dort übernahmen die Fachkräfte der Trinkwasserversorgung. Sie entnahmen erste Proben und bestimmten in ihren mobilen Laboren die notwendige Menge der Mittel, die die Ehrenamtlichen dann in großen Wasserbecken beimischten. So entfernten sie zunächst grobe Partikel aus dem Wasser.

Die Parameter des Wassers werden ständig auf Veränderungen überprüft, um...
Die Ehrenamtlichen überprüfen ständig, wie sich die Parameter des Wassers verändern, und bestimmen so, wie sie weiter vorgehen.
Quelle: THW/Berit Kreibich

In Feinarbeit bestimmen die Einsatzkräfte dann, welche weiteren Reinigungsschritte sie einleiten müssen, bevor sie das Wasser in die Trinkwasseraufbereitungsanlagen (TWAA) pumpen. Diese arbeiten mit Ultrafiltration, bei der sehr feine Membranen das Wasser reinigen. Insgesamt betrieben die Ehrenamtlichen drei Trinkwasseraufbereitungsanlagen und drei mobile Labore. 

In diesen prüften sie nicht nur während des Reinigungsprozesses immer wieder die Qualität des Wassers, sondern insbesondere auch nach dessen Abschluss, denn: Die Vorgaben für Trinkwasserqualität sind streng und müssen in jedem Fall erreicht werden, bevor die Einsatzkräfte das Wasser als Reinwasser deklarieren.

Das Ziel der Übung war auch die überregionale Abstimmung zwischen den Trinkwasserversorgungseinheiten im Süden Deutschlands: Die Fachgruppen Trinkwasserversorgung kamen aus den THW-Ortsverbände Starnberg (Bayern), Tübingen (Baden-Württemberg), Rotenburg an der Fulda (Hessen), Rüsselsheim (Hessen) und Wörrstadt (Rheinland-Pfalz).

Bei Großübungen wie dieser stehen zwar die übenden Einheiten im Fokus, jedoch bedarf es immer auch einer Menge Unterstützung. In Schongau waren dies die THW-Ortsverbände Geretsried (Aufbau und Betrieb der Führungsstelle), Garmisch-Patenkirchen (Verpflegung) und Landsberg am Lech (Einsatzunterstützung).

Im mobilen Labor wird das Wasser untersucht um die weiteren Schritte zu... Durch ständige Überprüfung wird die Erfüllung der vorgegebenen Richtlinien...

Trinkwasseraufbereitungsanlage

Wasser für Menschen in Not

Wir benutzen es täglich und oft, ohne darüber nachzudenken. Unbewusst verbraucht jeder Deutsche im Schnitt etwa 120 Liter Trinkwasser am Tag. In welchem Luxus wir leben, merken wir in einer der trinkwasserreichsten Regionen der Welt meist erst, wenn Trinkwasser plötzlich fehlt. Zum Beispiel bei Schäden an Wasserwerken, beim Ausfall von Pumpen oder bei Wasserverunreinigungen. Im Auftrag der Bundesregierung hält das THW mobile Trinkwasseraufbereitungsanlagen (TWA) und speziell ausgebildete Helferinnen und Helfer bereit, um im Notfall Menschen in Deutschland, aber auch weltweit mit lebenswichtigem Trinkwasser zu versorgen.

Auch bei KRITIS Lagen müssen die Fachgruppen Trinkwasserversorgung noch...
Die Fachgruppen Trinkwasserversorgung müssen auch dann noch einsatzfähig sein, wenn die Infrastruktur nicht mehr funktioniert und halten deshalb besonders viel Material vor.
Quelle: THW

Die Leistungsfähigkeit der TWA des THW ist höher als die vieler Wasserwerke. Im Gegensatz zu einem Wasserwerk muss das THW mit seinen mobilen Anlagen auf Wasser aus allen denkbaren Quellen zugreifen. Das können Flüsse, Seen, im Idealfall Brunnen, aber auch defekte Wasserwerke sein. Mithilfe von Trinkwasserlaboren überprüfen die Helferinnen und Helfer die Qualität des aufbereiteten Wassers. Im Ausland stellt das THW Trinkwasser nach dem Standard der Weltgesundheitsorganisation (WHO) her. Bei Einsätzen in Deutschland erfüllt es die Anforderungen der deutschen Trinkwasserverordnung.

Je nach Qualität muss das Rohwasser unterschiedlich vorbehandelt werden. In einem großen Becken behandeln Chemikalien wie Eisen-III-Chlorid oder Aluminiumsulfat nach Einstellung des pH-Wertes durch pH-Regulatoren das Wasser. Sie binden Schwebstoffe, die sich am Boden sammeln. Aktivkohle beseitigt unerwünschte gelöste Stoffe: Das Wasser wird klar.

Neue Technik für maximale Reinheit 

Im Mai 2012 übergab THW-Präsident Albrecht Broemme in München auf der Fachmesse IFAT-Entsorga dem Ortsverband Starnberg stellvertretend für das ganze THW eine von zehn neuen Trinkwasseraufbereitungsanlagen. Jede dieser Ultrafiltrations-Anlagen vom Typ UF-15 kann 15.000 Liter Wasser pro Stunde aufbereiten. Bei rund 20 Stunden Produktivbetrieb und einem für den Notfall angenommenen Verbrauch von 15 Litern pro Person bietet sie täglich für rund 20.000 Menschen Trinkwasser. Reicht das nicht aus, können alle Anlagen schnell an einem Ort zusammen gezogen  werden. 

Bei der Ultrafiltration mit der UF-15 handelt es sich um eine Filtrationstechnik mit Keramikmembranen aus Monolitblöcken: Trennschichten, die für Stoffe einer gewissen Größe undurchlässig sind. Im Fall der Ultrafiltration werden Partikel ab einer Größe von 0,1 bis 0,2 Mikrometern abgesondert. So können alle Krankheitserreger aus dem Wasser gefiltert werden. Nach der Grob- und Ultrafiltration wird das Wasser mit UV-Licht und mit Chlor desinfiziert und lagerbar gemacht. Zwei Stromerzeuger, Reinwassertanks zur Lagerung und ein Hauswasserwerk zum Anschluss an bestehende Trinkwassernetze runden das Paket TWA UF-15 ab. Der modulare Aufbau ermöglicht auch den Einzelbetrieb der chemischen Vorbehandlung, der Filtrationsstraße, des Reinwasserbehandlungsmoduls oder der Lager- und Verteilsysteme.

Die Modulanlagen UF-15 sind in Aluminiumkisten verpackt und stehen einsatzbereit auf Anhängern in denjenigen Ortsverbänden, die über eine Fachgruppe Trinkwasserversorgung verfügen. Grundsätzlich ist die UF-15 voll luftverlastbar, da sie alle Maße der sogenannten LD3-Container erfüllt. 

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