KommunikationsLeuchtturm in Moritzburg
KommunikationsLeuchtturm in Moritzburg
Quelle: Landkreis Meißen

„Reden ist Silber – Stille kann tödlich sein!“

Sichere Krisenkommunikation ist Zukunftssicherung

Thomas Leitert, Ronald Voigt

Es hat in der Flutkatastrophe bis heute keine geordneten Strukturen und keine angemessene Krisenkommuni­kation gegeben, nur ein Wirrwarr.“ 1  Die Aussage von Oberst a.D. Grambs zur Situation der Katastrophe im Ahrtal ist – bis auf wenige Ausnahmen – auf die Strukturen und Fähigkeiten der Krisenkommunikation des Katastrophenschutzes in ganz Deutschland übertragbar. Denn die Sicherheitsarchitektur in Deutschland hat erhebliche Mängel. Eines der wichtigsten Elemente – die verbindenden Kommunikationssysteme – wurde aus Kostengründen und/oder aus Bequemlichkeit dem Fortschritt „geopfert“. Die Sicherheitsforschung hat die Problemlage erkannt und sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dieser befasst und innovative Lösungen erforscht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt mit dem Wettbewerb „SifoLIFE – Demonstration innovativer, vernetzter Sicherheitslösungen“ Kommunen dabei, ganzheitliche Konzepte für Sicherheitslösungen zu entwickeln und in der Praxis zu demonstrieren. Der Landkreis Meißen beteiligt sich mit dem SifoLIFE-Projekt KriKom-LK-MEI an diesem Wettbewerb. Dafür wird ein autarkes, integriertes und ausfallgeschütztes KrisenKommunikations-System entwickelt, aufgebaut und in einer Vielzahl von Feldtests unter Einbeziehung der Bevölkerung sowie der Akteure des Katastrophenschutzes demonstriert.

Sind Sie verantwortlich für den Katastrophenschutz in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt und am Erfahrungs- und Informationsaustausch interessiert? Dann laden wir Sie in den „Club Kommunaler Katastrophenschützer (CKK)“ ein, der das Projekt von Beginn an begleiten wird. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!

Notwendigkeit von ausfallsicheren ­Krisenkommunikationssystemen

Die Sicherheitsarchitektur in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Durch das Gesetz zur Neuregelung des Post- und Telekommunikationssicherstellungsrechts und zur Änderung telekommunikationsrechtlicher Vorschriften wurden Veränderungen legitimiert, welche deutlich negative Auswirkungen auf die gesamte Sicherheitsarchitektur in Deutschland haben. Durch die Veränderung bzw. Aufhebung einer Vielzahl zivil- und katastrophenschutzrelevanter Gesetze und Verordnungen wurde die gesamte Sicherheitsbranche vor besondere Herausforderungen gestellt. Parallel dazu wurde von den Netzbetreibern die Telekommunikationsinfrastruktur von Analog/ISDN auf das Next-Generation-Network mit All-IP umgestellt, das bei einem Stromausfall nicht zur Verfügung steht. Davon ist sowohl die Bevölkerung, aber natürlich auch sämtliche Akteure des Katastrophenschutzes, der BOS, Hilfsorganisationen und KRITIS-Betreiber betroffen.

Vor diesem Hintergrund entwickelte der LK Meißen eine Strategie zur Aufrechterhaltung der Handlungs- und Kommunikations­fähigkeit in Krisen- und Katastrophenfällen. Gerade im Krisenfall muss die Sicherheit bei der Kommunikation höchste Anforderungen erfüllen. So muss sichergestellt sein, dass ausgetauschte Nachrichten vertraulich bleiben und die Integrität und Authentizität der Teilnehmer und Nachrichten gewährleistet sind. Ferner könnte in einem Krisenfall KriKom selbst Angriffsziel werden, daher wird die Plattform nicht (mehr) vertrauenswürdige Knoten detektieren und selbstständig vom Netz ausschließen können. Insbesondere die Kommunikation mit der Bevölkerung sowie den BOS und KRITIS soll aufrechterhalten werden. Dadurch wird u. a. die Warnung der Bevölkerung, aber auch die Möglichkeit für Notrufe und Alarmierungen sowie Disponierung und Logistik einsatzkritischer Ressourcen ohne wesentliche zeitliche und räumliche Einschränkungen gewährleistet. Für diese ausfallsichere Krisenkommunikation wird ein autarkes, integriertes KrisenKommunikations-System benötigt, das ein von externen Providern unabhängiges digitales Datenfunknetz zur Grundlage hat.

Projekt KriKom-LK-MEI

Unter der Leitung des Landkreis Meißen haben sich die KomRe AG, die Hochschule Magdeburg-Stendal, HÖRMANN WS, das Hasso-­Plattner-Institut, die snafu sowie der Beta Verlag und 17 assoziierte Partner zu einem schlagkräftigen Projektkonsortium zusammengefunden. Das Vorhaben eines autarken, integrativen KrisenKommunikations-Systems ermöglicht im Fall von Krisen und Kata­strophen die Sammlung, Generierung und Kommunikation von krisenrelevanten Informationen. Als Grundlage dient das deutschlandweit erste bereits aufgebaute autarke Katastrophenschutzkommunikations-System portabler Katastrophenschutz-Leuchttürme (KatLeuchttürme bzw. KatL) im LK Meißen. So kann auch bei Energiemangellagen eine zweckgebundene Krisenkommunikation und damit die Handlungs- und Krisenbewältigungsfähigkeit des Katastrophenschutzes mit hoher Zuverlässigkeit sichergestellt werden.

Angesichts zunehmend wahrscheinlicher werdenden Krisenereignissen sind Themen wie Resilienz und Krisenfestigkeit von maßgebender Bedeutung, weshalb die Etablierung und Erprobung eines autarken KriKom-Systems einen elementaren Baustein der Zukunftsstrategie des LK Meißen darstellt. Durch die enge Zusammenarbeit mit der großen Anzahl an assoziierten Projektpartnern wird die Erweiterung des KriKom-Systems über die Kreisgrenzen hinaus und die Einbindung der übergeordneten Katastrophenschutzstrukturen des Landes Sachsen erreicht. Damit bildet der LK Meißen als Modellregion einen idealen Ausgangspunkt für eine flächendeckende horizontale und vertikale Vernetzung von Akteuren der Krisenbewältigung und nimmt damit eine besondere Rolle im Freistaat Sachsen ein.

„Reden ist Silber – Stille kann tödlich sein!“

Club Kommunaler Katastrophenschützer

Sicherheits- und Krisenvorsorge ist weder angebots- noch nachfrageorientiert, sie muss präventiv erfolgen, bevor es zu einer Krise oder Katastrophe kommt. Krisenvorsorge ist eine Aufgabe, die dazu dient, Schmerzen, Leid und Schäden aller Art – nicht nur monetärer und gesundheitlicher Art, sondern auch gesellschaftlicher Natur – vorzubeugen oder zu minimieren. Um auch deutschlandweit messbare Verbesserungen zu erreichen, kommt dem Innovationstransfer eine besondere Bedeutung zu. Hierzu wird ein „Club Kommunaler Katastrophenschützer (CKK)“ als bundesweites Netzwerk für den kommunalen Katastrophenschutz initiiert und aufgebaut. Die im Club mitwirkenden Katastrophenschützer können sich als unterstützende Experten bei der Lösung von Problemstellungen einbringen, da sie über die fachliche Kompetenz in ihrem Verantwortungsbereich verfügen. Die Kern­aufgaben des Clubs kommunaler Katastrophenschützer sind:

  • Die Herausforderungen bestehender und zukünftiger Katastrophenlagen formulieren
  • Mitwirkung bei der Definition von Anforderungen, der Formulierung von Testkatalogen und Begleitung von Feldtests/ Demonstrationen
  • Begleiten der Prozesse der Lösungsfindungen
  • Mitwirkung bei der Entwicklung von Beschaffungsstrategien

Der CKK soll langfristig etabliert werden und auch über die Projektlaufzeit hinaus Bestand haben. Daher wird er nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Projektes leisten, sondern seinen Mitgliedern auch eine nachhaltige Plattform für den Erfahrungsaustausch bieten. Mitglieder des CKK gewinnen durch einen regelmäßigen Austausch einen umfassenden Überblick über die laufenden Entwicklungen im Katastrophenschutz. Es werden jährlich mindestens 3 Workshops, sowohl online als auch in Präsenz stattfinden. Um insbesondere die Beschaffungsvorgänge in den Landkreisen nachhaltig anzusprechen und somit auch an dieser Stelle den Innovationstransfer zu befördern, wird gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum innovative Beschaffung (KOINNO) eine Toolbox für kommunale Beschaffer und Entscheidungsträger entwickelt. 


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