Psychosoziales Krisenmanagement: Wider dem Gießkannenprinzip

Vorstellung von Ergebnissen der NOAH-Evaluation auf dem DeGPT-Fachkongress

BBK

Seit einigen Jahren wird die Arbeit der Koordinierungsstelle Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe (KoSt NOAH) als staatlicher Ansprechstelle für Betroffene von Unglücken im Ausland in einem fortlaufenden Prozess wissenschaftlich ausgewertet. 

Vom 17. bis 20. März hatte das BBK nun die Möglichkeit, erneut Ergebnisse dieser Evaluation auf dem diesjährigen Online-Fachkongress der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) einem breiten Fachpublikum vorzustellen. 

Der Scientific Community verpflichtet, ermöglicht die hochkarätige Fachgesellschaft nur in seltenen Fällen Behörden die Vorstellung von Forschungsergebnissen. Obwohl die NOAH-Evaluation intern verläuft, wird sie jedoch von Beginn an von einem wissenschaftlichen Beirat fachlich begleitet und entspricht den geforderten Qualitätsstandards.

Die DeGPT versteht sich als Forum für Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie für Vertreterinnen und Vertreter anderer Berufsgruppen, die im psychotherapeutischen, medizinischen, pädagogischen und beratenden Rahmen mit Menschen mit Traumafolgestörungen arbeiten. Sie stellt in diesem Zusammenhang Informationen für Betroffene und Therapeuten bereit, informiert über aktuelle Forschungsergebnisse und unterstützt bei der Therapeutensuche. 

Das diesjährige Kongressthema „Trauma und Traumafolgestörungen - Soziale Verantwortung, Staat, Justiz“ passte wie kein zweites zum Hauptfokus der NOAH-Ergebnisse, die im Kern eine Analyse der Anliegen Betroffener wiedergeben und damit den Stellenwert einer bedarfsorientierten Betroffenenversorgung belegen. 

Der BBK-Beitrag fokussiert auf die Diversität der Anliegen Betroffener gegenüber staatlichen Ansprechstellen für Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe nach Terroranschlägen und Katastrophen. Er macht deutlich, dass in diesen behördlichen Stellen multiprofessionelle Teams mit spezialisierter Fachkunde vorzuhalten sind, die in Einsatzstrukturen tätig werden können und ebenso befähigt sind, in einem ressortübergreifenden Netzwerk über Zuständigkeitsgrenzen hinaus zu arbeiten. Autoren und Autorinnen des vorgestellten wissenschaftlichen Posters und eines wissenschaftlichen Vortrags sind Dr. Jutta Helmerichs und ihr Team des Referats „Psychosoziales Krisenmanagement“ Annika Fritsche, Kerstin Fröschke, Tobias Hahn sowie Frederike Albers. Co-Autoren sind die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats Prof. Dr. Harald Karutz, (Medical School Hamburg), Prof. Dr. Thomas Hering (Hochschule Magdeburg-Stendal), Prof. Dr. Olaf Neumann (Alice-Salomon Hochschule Berlin) und Prof. Vincenz Leuschner (Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin).

Die Auswertungsergebnisse der NOAH-Arbeit sind hochrelevant und dienen nicht nur der eigenen Qualitätssicherung, sondern auch als evidenzbasierte Fachgrundlage für Bundes- und Landesbehörden, die seit dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz 2016 Ansprechstellen nach inländischen Anschlägen und Katastrophen aufbauen. Sie zeigen erneut, dass es nicht nur behördlicher Strukturen bedarf, sondern auch einer fundierten Fachexpertise, um Betroffene bedarfsorientiert und damit effektiv unterstützen zu können.

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