Stedinger Offshore-Retter bekommen Helikopter-Simulator

Campus Elsfleth der Johanniter-Akademie erhält umgebautes EuroCopter-Modell EC H155

Elsfleth. Mit viel Mühe und Geduld konnte erstmalig ein Helikopter vom Modell EuroCopter EC H155 von Airbus zu einem Simulator umgebaut werden, mit dem zukünftig am Campus Elsfleth der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen verschiedenste Szenarien der Luftrettung geübt werden können.

Der Campus Elsfleth der Johanniter-Akademie hat jetzt für die Offshore Rettung...
Der Campus Elsfleth der Johanniter-Akademie hat jetzt für die Offshore Rettung des Johanniter-Ortsverbands Stedingen einen EuroCopter H155 zum Übungssimulator umgebaut.
Quelle: Ronja Korfe/Johanniter

Hierzu wurden Rotorblätter, Kufen, Heckrotor und –ausleger entfernt. Die nun fehlenden Bauteile wurden von der Firma Maritime Faserverbundtechnik Haring in Emden ( www.mfh-emden.de ) ersetzt. Bei den Ersatzbauteilen handelt es sich um Sonderanfertigungen, die passgenau alle Lücken am Gehäuse schließen. Der Helikopter, nunmehr bestehend aus Passagierraum und Cockpit, wurde anschließend rot-weiß lackiert und sieht von außen einem flugfähigen Rettungshubschrauber täuschend ähnlich.

 „Jetzt macht der Simulator richtig was her“, sagt Jan Gartemann, Leiter des Campus Elsfleth der Johanniter-Akademie.

Stedinger Offshore-Retter bekommen Helikopter-Simulator
Quelle: Ronja Korfe/Johanniter

Um medizinische Trainings für Notfallsanitäterinnen und –sanitäter sowie Ärzten und Ärztinnen der Johanniter-Unfall-Hilfe sicherzustellen wurde auch die medizinische Ausstattung im Innenraum erweitert. Hierzu zählt neben medizinischen Geräten eine wireless Interkom Anlage. Damit kann das Personal im Hubschrauber kabellos den Sprechfunk nutzen. Die Besatzung trägt das System am Körper und muss sich nicht an Kabeln, die von der Decke hängen, anschließen. Dadurch können die Retter sich frei im Raum bewegen und ihre Patienten und Patientinnen ungestört behandeln.

Als nächstes will Gartemann mit dem Simulator hoch hinaus: Um diverse Rettungsszenarien zu üben, soll der Simulator auf eine kettengestützte Hebebühne gebracht werden. So ist er mobil und kann an allen Orten des Campus, wie beispielsweise am Übungsschiff, am Hafenbecken oder an Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Zudem soll er um eine Winde ergänzt werden, mit der auch Szenarien im Bereich Windenausbildung und technischer Rettung möglich sind. So werden die Rettenden das gesamte Szenario trainieren können - inklusive der Rettung vom Schiff oder aus anderen Strukturen. 

Stedinger Offshore-Retter bekommen Helikopter-Simulator
Quelle: Ronja Korfe/Johanniter

Mit einem medizinischen Simulationstraining wurde der EC H155 für den Gebrauch als Simulator eingeweiht. Der Hauptfokus lag hierbei auf der praktischen Nutzung des gesamtmedizinischen Materials, Gerätemanagement sowie CRM (CrewRessourceManagement), also der Kommunikation der Crew. Das medizinische Team, bestehend aus Notarzt und Notfallssanitäter mit Spezialausbildung für die Helikopterrettung (NotSan Hems TC), wurden in der Abarbeitung unterschiedlichster Szenarien geschult. Ein Fallbeispiel dauerte jeweils 40 Minuten. Dabei wurden auch Algorithmen und Arbeitsabläufe (SOPs) trainiert, zum Beispiel die Checklisten für Narkoseeinleitung abgearbeitet, um im Ernstfall vorbereitet zu sein. Gesteuert wurden die Fallbeispiele von zwei Notfallsanitätern, drei Notärzten und zwei Dozenten. Sämtliches Material wurde scharf benutzt – Medikamente wurden aufgezogen, Zugänge wurden gelegt. Somit war das Training so realitätsnah wie möglich und die gemessenen Zeiten lassen sich auf reale Einsätze übertragen. Das Training gehört zur Standard-Jahrestrainingsstruktur der Abteilung Offshore Rettung des Ortsverbands Stedingen der Johanniter-Unfall-Hilfe und findet in regelmäßigen Abständen das ganze Jahr verteilt statt. Alle HEMS TC müssen das Training einmal im Jahr durchlaufen, um fit für den Notfall zu bleiben.

Stedinger Offshore-Retter bekommen Helikopter-Simulator
Quelle: Ronja Korfe/Johanniter


Über die Johanniter-Unfall-Hilfe
Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist mit rund 29.000 Beschäftigten, mehr als 46.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und 1,2 Millionen Fördermitgliedern eine der größten Hilfsorganisationen in Deutschland. Die Johanniter engagieren sich in den Bereichen Rettungs- und Sanitätsdienst, Katastrophenschutz, Betreuung und Pflege von alten und kranken Menschen, Fahrdienst für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Hospizarbeit und anderen Hilfeleistungen im karitativen Bereich. Der Regionalverband Weser-Ems ist mit 19 Ortsverbänden, mehr als 1000 Hauptamtlichen und fast 2000 Ehrenamtlichen einer der größten Verbände bundesweit. Mit der Offshore-Rettung, dem Gas- und Brandschutzservice und weiteren exklusiven Leistungen gilt er als Innovationsmotor für neue Entwicklungen. In Weser-Ems befindet sich zudem die Hausnotruf-Zentrale des Landesverbands Niedersachen/Bremen mit fast 50.000 Teilnehmenden.


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