15.07.2021 •

Gefährliches Badevergnügen: Richtig retten im Notfall

Die Johanniter geben Tipps zum Verhalten bei Badeunfällen

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Der Sommer ist da. Jetzt locken die warmen Temperaturen Sonnenanbetende an Meeresstrand, Baggersee oder Freibad: Das kühle Nass verspricht Erfrischung. Doch viele unterschätzen die Gefahren im Wasser: mindestens 378 Menschen ertranken im Jahr 2020, 417 waren es im Jahr davor (Quelle: statista). Dabei ist ein Großteil der Badeunfälle vermeidbar.

„Mutproben wie Kopfsprünge in unbekannte Gewässer, zu viel Alkohol oder das Überschätzen der eigenen Kräfte führen häufig zu lebensgefährlichen Situationen im Wasser", sagt Joern Osenbrück, Leiter der Erste-Hilfe-Ausbildung bei den Johannitern in Oberbayern.

Besonders gefährdet sind Kleinkinder – für sie wird selbst ein Gartenteich oder ein Planschbecken zum Risiko, wenn sie dort unbeaufsichtigt spielen.

Sofort den Rettungsdienst alarmieren

Gerät ein Mensch im Wasser in Not, sollten Helfende zuallererst den Rettungsdienst über die 112 alarmieren.

 „Rettende bringen sich leicht selbst in Gefahr, wenn sie versuchen, Ertrinkende aus dem Wasser zu ziehen, sofern sie keine ausgebildeten Rettungsschwimmer oder Rettungsschwimmerinnen sind", warnt Joern Osenbrück. „Direkten Körperkontakt sollte man nach Möglichkeit vermeiden, denn in seiner Angst kann der Ertrinkende um sich schlagen oder durch Klammern den Rettenden unter Wasser ziehen. Besser reicht man der Person einen schwimmenden Gegenstand, wenn möglich einen Rettungsring, und zieht sie dann an Land.“ Schnelle Erste Hilfe ist lebenswichtig: „Bewusstlose, die normal atmen, werden in die stabile Seitenlage gebracht. Dafür wird der Kopf überstreckt, der Mund geöffnet und das Kinn auf dem Handrücken abgelegt. Dann die Atmung regelmäßig überprüfen", erläutert Osenbrück. „Wenn der Gerettete nicht oder nicht normal atmet, beispielsweise sehr langsam und schnappend, müssen Ersthelfende sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen, bis der Rettungsdienst eintrifft."

Keine Angst vor der Wiederbelebung

Der Leiter der Erste-Hilfe-Ausbildung erläutert:

„Wir wollen alle Menschen ermutigen, die Wiederbelebung durchzuführen. Dabei kann man nichts falsch machen. Nichts zu tun, ist für die Patientin oder den Patienten viel gefährlicher, denn Sauerstoffmangel verursacht irreparable Hirnschäden.“

 Wer regelmäßig seine Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischt, ist in Notsituationen viel souveräner.

„Für die Herz-Lungen-Wiederbelebung gilt es, den Oberkörper des Betroffenen frei zu machen, beide Handballen übereinander in der Mitte des Brustkorbes anzusetzen und das Brustbein gut fünf Zentimeter tief Richtung Wirbelsäule zu drücken. Den Rhythmus der Druckmassage kann man sich passenderweise mit dem Lied ‚Staying Alive‘ von den Bee Gees merken, also ein bis zwei Mal pro Sekunde drücken, 30 Mal, dann zwei Atemspenden, dann wieder 30 Druckmassagen, immer im Wechsel", erläutert Joern Osenbrück. Für die Atemspenden überstreckt der Helfende den Kopf des Betroffenen vorsichtig nach hinten und legt seinen geöffneten Mund über die Lippen des Bewusstlosen. „Zweimal langsam und tief beatmen, bis sich der Brustkorb hebt und senkt, dann die Druckmassage fortsetzen", rät Osenbrück. „Wer sich die Atemspende nicht zutraut, sollte wenigstens die Herzdruckmassage kontinuierlich durchführen: Auch das versorgt das Gehirn noch eine gewisse Zeit mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff im Blut."

Bei Menschen, die aus dem Wasser gerettet werden, besteht zusätzlich die Gefahr einer Unterkühlung.

 „Die gerettete Person sollte auf jeden Fall mit Handtüchern, Decken oder trockener Kleidung gewärmt werden – am besten mit einer Rettungsdecke aus dem Erste-Hilfe-Kasten im Auto", so Joern Osenbrück.

Die Johanniter empfehlen, alle zwei Jahre das Erste Hilfe-Wissen aufzufrischen. Nähere Informationen zu den Erste Hilfe-Kursen erhalten Interessierte bei den Johannitern in Oberbayern unter www.johanniter.de/oberbayern, unter www.johanniter.de/erstehilfe oder telefonisch unter +49 89 890145-30


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