26.08.2021 •

Eine BOA die das Leben von Piloten retten kann

In der Luftfahrt ereignen sich jährlich 200 bis 300 Flugunfälle, überwiegend im privaten Bereich. Auch wenn Flugunfälle bei der Bundeswehr weitaus seltener sind, nämlich insgesamt 15 zwischen 2010 und 2019, legt auch die Bundeswehr ihr Augenmerk auf die Wahl des geeigneten Rettungsmittels. Hier kommt die Rettungs-BOA ins Spiel.

Im August 2020 startete das Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe auf dem Flugplatz der Wehrtechnischen Dienststelle (WTDWehrtechnische Dienststelle) 61 in Manching eine Studie, um die gängigen Rettungsmittel zur Pilotenrettung zu vergleichen. Die Feuerwehrleute der Bundeswehr-Feuerwehr Manching und der Werkfeuerwehr von AIRBUS nahmen freiwillig an der internen Studie teil, welche auch Übungszwecken diente. Verglichen wurden die Rettung ohne Hilfsmittel (Rautek-Griff), die Rettung mittels des auf Flugplätzen gängigen KED-Systems (Kendrick Extrication Device) und die Rettung mit der Rettungs-BOA, die bisher vorrangig bei Autounfällen zum Einsatz kommt.

Nachdem der Pilot aus dem Cockpit befreit wurde, wird er auf einer...
Nachdem der Pilot aus dem Cockpit befreit wurde, wird er auf einer Rettungstrage fixiert und abtransportiert
Quelle: Bundeswehr/Evi Hufnagl

Für enge Verhältnisse

Die Rettungs-Boa ist ein knapp 3,5 Meter langes, dick gepolstertes Band, mit dessen Hilfe Personen aus Umgebungen gerettet werden, die ein zielgerichtetes Arbeiten, beispielsweise aufgrund von Enge, unmöglich machen. Das beste Beispiel für den Einsatz der BOA findet sich wohl in der Rettung eines Piloten aus dem Cockpit eines Tornados. Der Pilot sitzt sehr tief in der Maschine und neben ihm ist kaum Platz für die Rettungskräfte um vernünftig zu arbeiten.

Verfahrensweise

Hier kommt die BOA zum Einsatz, die es zwei Personen ermöglicht den Piloten aus dem Sitz zu ziehen. Dazu wird der Pilot zuerst von den Sicherheitsgurten befreit und ein Stiffneck zur Stabilisierung der Halswirbelsäule angelegt. Anschließend wird die BOA um den Stiffneck gelegt und von vorn unter den Armen des Piloten hindurch gezogen. Ein Retter, welcher hinter dem Piloten steht kann diesen nun mit relativ geringem Kraftaufwand aus dem Pilotensitz ziehen. Der zweite Retter führt die Beine mittels Beinschlaufe nach. Der Gerettete wird nun auf eine Rettungstrage gelegt und für den Transport fixiert.

Ergebnisse

Die Rettung mit dem Rautek-Griff geht erwartungsgemäß am schnellsten. Unwesentlich länger dauert die BOA-Rettung, gefolgt von der zeitaufwendigen Rettung mittels KED-System. Im Tornado, Eurofighter und dem A-400M erwies sich die BOA zeitlich nicht unterlegen. Insgesamt zeigte sich die Rettungs-BOA als einfaches, unkompliziertes und schnelles Rettungshilfsmittel, das sich auch bei Unerfahrenheit in der Anwendung universal in allen getesteten Luftfahrzeugen anwenden ließ. So dauerte die Rettung mit Rautek-Griff durchschnittlich 3:31 Minuten und mit der schonenderen BOA 4:58 Minuten. Lediglich die Rettung mit dem KED-System dauerte fast doppelt so lang, nämlich 8:52 Minuten. Zeit, die man unter Umständen nicht hat.

Positives Fazit

Die Rettungs-BOA ist, gerade für die Rettung aus Luftfahrzeugen, ein schnelles, anwenderfreundliches Rettungsmittel, das auch ohne große Vorausbildung und Erfahrung von den Rettern angewendet werden kann. Die Rettungs-BOA bietet einen klaren zeitlichen Vorteil gegenüber dem KED-System und ist bei geschulter Anwendung nicht wesentlich langsamer als der Rautek-Griff. Bei Flugunfällen geschieht es nicht selten, dass die Luftfahrzeuginsassen schwere Verletzungen erleiden. Hier ist eine schnelle Rettung entscheidend. Ein Hilfsmittel wie die BOA bietet hier eine erhebliche Zeitersparnis und im Zusammenspiel mit dem Stiffneck auch eine Stabiliserung der Hals- und oberen Brustwirbelsäule, um weitere Schäden an der Wirbelsäule durch die Retter zu vermeiden.


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