Stolz bin ich darauf, ein Teil der Feuerwehrfamilie zu sein

CP-Fragebogen zur Corona-Krise mit Carsten Kommer

PantherMedia / IgorVetushko

Als zweiter Teil einer Reihe von Kurzinterviews, berichtet Carsten Kommer als Brandamtmann bei der Berufsfeuerwehr über seine Erfahrungen in der Corona-Krise.

Carsten Kommer
Carsten Kommer, Brandamtmann Berufsfeuerwehr
Quelle: Beta Verlag GmbH
  1. Name/Funktion
    Carsten Kommer, Brandamtmann bei der Berufsfeuerwehr, Sachgebietsleiter Gerätetechnik und Bekleidung, Führungsdienst Stufe C

  2. Welche konkreten Aufgaben hatten/haben Sie bisher während der Corona- Krise?
    Ich habe während der Corona-Krise meine Tätigkeit als Abschnittsleiter im Einsatzdienst wahrgenommen. Meine Tätigkeit im Sachgebiet wurde durch die Corona-­Krise erstmal nicht berührt.

  3. Wie war der Kontakt zu anderen Institutionen, mit denen Sie zusammengearbeitet haben?
    Aufgrund von Kurzarbeit und der notwendigen Corona-Maßnahmen in den Zulieferbetrieben für Bekleidung und Gerätschaften war die Kontaktaufnahme schwieriger als sonst.

  4. Wie hat die Umsetzung Ihrer Aufgaben funktioniert? Was waren/sind dabei die größten Probleme?
    Teilweise waren die Maßnahmen kurzfristiger umzusetzten als üblich. Viele Aufgaben mussten „on demand“ erledigt werden. Die weiteren Problematiken treten mittlerweile in den Verfügbarkeiten von Artikeln auf. Daher kommt es vermehrt zu stark verlängerten Lieferzeiten.

  5. Haben Sie etwas Neues über Ihre Mitmenschen gelernt?
    Es war für mich persönlich sehr interessant zu beobachten, wie die unterschiedlichen Charaktere mit einer solchen Krise umgehen. Auf der Dienststelle waren die Maßnahmen klar geregelt und strukturiert, die Vorgaben eindeutig. Im privaten Umfeld jedoch gab es viele Spekulationen über Sinn und Unsinn der Maßnahmen. Von „alles wie immer“ bis „ich gehe nicht mehr vor die Tür“ war alles dabei.

  6. Welche Konsequenzen ziehen Sie persönlich für Ihre künftige Arbeit?
    Aufgrund der guten Verfügbarkeit von Bekleidung und Gerätschaften haben wir in den letzten Jahren unsere Lagerhaltung immer weiter reduziert. Die Verfügbarkeit von Schutzkleidung war bis auf wenige Ausnahmen nie ein Problem, Lieferzeiten von sechs Wochen eigentlich die Regel. Bereits jetzt liegen die Lieferzeiten je nach Ware bei bis zu 20 Wochen. Daher werden wir unsere Lagerhaltung wieder hochfahren. Die Ausstattung der Feuerwehr mit Bekleidung und Gerätschaften ist eben zwingend notwendig, auch wenn die Lagerhaltung aufwändiger und kostenintensiver ist.

  7. Was hat Ihnen bis jetzt am meisten gefehlt in der Corona-Zeit?
    Die sozialen Kontakte im Privaten natürlich. Dazu zählt unter anderem auch die Ausübung meines Hobbys Tauchen. Mittlerweile ist das Tauchen ja wieder erlaubt, aber die letzten zwei Monate waren schon eine Bewährungsprobe. Ebenfalls der natürliche Kontakt mit den Bürgern. Die Hand auf der Schulter, das nette Wort oder die intensive Betreuung von Mitmenschen, die manchmal nicht nur unsere fachliche Unterstützung brauchen, sondern auch unsere seelische.

  8. Gibt es etwas, worauf Sie stolz sind?
    Ich bin stolz auf unser Gesundheitssystem, auf unsere gute Struktur in den Verwaltungen und auf die Menschen, die den Laden am Laufen gehalten haben. Von der Kassiererin bei uns im Supermarkt bis zum Notarzt, mit dem ich zusammen bei einem Brand im Einsatz war. Jeder hat sein Bestes gegeben, um das System in Gang zu halten, teilweise auch weit über die Belastungsgrenze hinaus.
    Stolz bin ich auch darauf, ein Teil der Feuerwehrfamilie zu sein. Mit welchem Ideenreichtum die Feuerwehren in der ganzen Bundesrepublik zur Besonnenheit aufgerufen haben, hat mich teilweise sehr berührt. Der Trompeter in der Düsseldorfer Altstadt, die tollen Videos der Feuerwehren in München, Wassenberg und Aachen, um nur einige zu nennen.

  9. Was muss sich ändern, wenn die unmittelbare Gefahr durch Corona vorbei ist?
    Ich denke, die Wiederherstellung der sozialen Kontakte ist für die Bevölkerung ganz wichtig. Wieder ein normales Leben zu führen ist der Wunsch, der mir am häufigsten begegnet
    Meine persönliche Hoffnung ist, dass sich die Mentalität durch die Krise nachhaltig ändert. Wie sich zeigt, sind wir durch die Verlagerung der Produktion von relevanten Handelsgütern von wenigen, weit entfernten Lieferanten extrem abhängig geworden. Natürlich kann die Globalisierung nun nicht aufgegeben werden, aber ein kleiner Schritt zurück wäre bestimmt nicht schlecht.

  10.  Welche Chancen für die Zukunft könnten in dieser Krise liegen?
    Die Anerkennung der systemrelevanten Berufe steht da für mich persönlich ganz oben auf der Agenda. Für mich hat sich gezeigt, dass Pflege- und Gesundheitsberufe, Verkäufer, Landwirte etc. wirklich unverzichtbar für unser Land sind. Nach meinem Empfinden befinden sich die meisten systemrelevanten Berufe im Niedriglohnsektor. Jetzt haben wir die Chance, das zu ändern.
    Die Mängel, die während der Corona-Krise aufgefallen sind, bieten die Chance, uns auf die nächste Pandemie besser vorzubereiten.

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