BLACKOUT: Die Katastrophe beherrschbar machen

Folgen und Auswirkungen eines Stromausfalls

Thomas Leitert

Pixabay

Die schlechte Nachricht zuerst: Auswirkungen und Folgen eines großflächigen und langanhaltenden Stromausfalls, auch BLACKOUT genannt, sind radikal, unmittelbar, weitreichend und existenziell sowie vor allem katastrophal in allen Bereichen unseres gesellschaftlichen, vernetzten Lebens spürbar. Experten des Katastrophenschutzes sind sich einig, dass die Frage nicht heißt „ob“, sondern nur „wann“ es in Deutschland zu einem Blackout kommen wird. Die gute Nachricht ist: Auch eine Katastrophe wie ein Blackout ist beherrschbar. Innovative und erprobte Lösungen stehen für den Katastrophenschutz und die Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge zur Verfügung. Erfolg und Sicherheit bekommt nur, wer im Vorfeld die richtigen Maßnahmen effektiv, effizient und in der richtigen Reihenfolge veranlasst.

Ausgangslage

Großflächige und langanhaltende Stromausfälle und Blackouts treten in Deutschland selten auf. Die dabei eintretenden verketteten Kaskadeneffekte führen rasch zum fast vollständigen Zusammenbruch der kritischen Infrastrukturen und der Daseinsvorsorge. Die Verantwortlichen für den Katastrophenschutz in den Landkreisen, Städten und Ballungsräumen (Kommunen und Gemeinden) stehen in diesem Augenblick vermutlich vor der größten Herausforderung ihres Lebens. Und in diesem Augenblick ist es gut zu wissen, was im Falle eines Blackouts auf sie zukommt. Noch besser ist es, wenn man weiß, dass man selbst und der Katastrophenschutz im eigenen Verantwortungsbereich auf diese Herausforderung bestmöglich vorbereitet sind. Auf dem Weg der Vorbereitung auf einen Blackout gibt es vier Meilensteine, an denen die folgenden Fragen beantwortet werden müssen:

  1. Was kommt in unserem Verantwortungsbereich ganz konkret auf uns zu? Mit welchen Folgen, Konsequenzen, Schäden müssen wir wann rechnen?
  2. Wie müssen wir reagieren, um möglichst rasch „vor die Lage“ zu kommen und das Ausmaß der Schäden auf ein Minimum zu begrenzen?
  3. Welche einsatzkritischen Ressourcen werden wann und wo benötigt, und wie kommen sie dort hin?
  4. Wie kann trotz Totalausfall der Kommunikationsinfrastruktur mit den Krisenstäben von BOS und KRITIS sowie der Bevölkerung kommuniziert werden, und welche Möglichkeiten für Notrufe und Alarmmeldungen gibt es?

1) Kommunale Impact Analyse (KIA)

Um die Folgen eines Blackouts auf der Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte besser zu verstehen, wurde die Kommunale Impact Analyse (KIA) als Werkzeug entwickelt. Sie gibt Antworten auf die wichtigen Fragen nach der Verantwortung sowie den Folgen, Konsequenzen und Schäden bei einem Blackout. Dabei werden die beim kaskadenartigen Zusammenbruch der kritischen Infrastrukturen eintretenden Effekte analysiert und die zu erwartenden Schäden konkret in Abhängigkeit von der Zeit ermittelt. Mit der KIA schaffen Katastrophenschutzbehörden die Grundlage sowie den Ausgangspunkt für die Entwicklung von Schutzmaßnahmen, mit denen die personellen, materiellen und finanziellen Schäden bei einem Blackout auf ein Minimum reduziert werden können.

Lösungen und Meilensteine auf dem Weg zur KatSchutz-Vorsorge für...
Lösungen und Meilensteine auf dem Weg zur KatSchutz-Vorsorge für Stromausfall/ Blackout“.

Kritikalitätsanalyse für Verwaltung, BOS und KRITIS

Ein wesentliches Element der KIA ist eine umfassende Kritikalitätsanalyse. Dabei werden die Durchhaltezeiten der einzelnen Verwaltungen, BOS und KRITIS des Landkreises bzw. der kreisfreien Stadt bei einem Blackout genau analysiert. Neben der Notstromversorgung werden die Abhängigkeiten von vor- und nachgelagerten Prozessen und Ressourcen betrachtet und bewertet.

SCHADEN-Ausmaß Steckbrief (SAS)

Die Ergebnisse einer KIA werden in einem SCHADEN-Ausmaß-Steckbrief für eine kommunale Gebietskörperschaft so zusammengefasst, dass die zu erwartenden personellen und finanziellen Schäden bei einem Blackout von ca. 100 Stunden auf einen Blick deutlich werden. Konkret werden die zu erwartenden Personenschäden aus den Bereichen Gesundheit und Pflege sowie finanzielle Schäden aus den Bereichen Produktion, Landwirtschaft, Handel und Dienstleistung aufgezeigt. Der Steckbrief dient auch als wichtige Hilfe für verantwortliche Entscheider wie Bürgermeister, Landräte und Dezernenten. Der SAS wurde bereits für über 50 Landkreise und kreisfreie Städte erstellt.

2) Sonderschutzplan Stromausfall/Blackout

Um bei einem Blackout schnell und richtig reagieren zu können, ist ein Sonderschutzplan „Stromausfall/Blackout“ notwendig. Ein wesentliches Element bei der Erstellung eines Sonderschutzplans ist die Erfassung, Bewertung und Priorisierung aller wichtigen/kritischen Einrichtungen von Verwaltungen, BOS und ­KRITIS. Ausgehend von einer qualifizierten Risiko- und Kritikalitätsanalyse wurde hierfür ein spezielles Werkzeug entwickelt. Weitere Schwerpunkte des Sonderschutzplans sind Alarmierung und Zusammenkommen der Mitglieder der Krisenstäbe, Sicherung der Handlungs- und Kommunikationsfähigkeiten, der Krisenlogistik sowie die Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge. Damit erhalten Verantwortliche die Möglichkeit, sich optimal auf dieses Szenario vorzubereiten, um dringend notwendige Schutzmaßnahmen zu ergreifen. So bietet sich ihnen die Chance, auch in einer Katastrophe wie einem Blackout „vor die Lage“ zu kommen sowie personelle und wirtschaftliche Schäden maximal zu reduzieren.

3) Logistik einsatzkritischer Ressourcen – TankNotStrom (TNS)

Für die Logistik einsatzkritischer Ressourcen, bspw. für die Versorgung von Notstromaggregaten mit dringend benötigtem Kraftstoff, wurde das TankNotStrom-System (TNS) entwickelt. Für den Erfolg eines solchen Systems ist entscheidend, dass die Verantwortlichen während der gesamten Katastrophe wissen, was wo und in welcher Menge gebraucht wird. Dazu nutzt das TNS-System ein von der öffentlichen Stromversorgung unabhängiges digitales Katastrophenschutz-Mesh-Funksystem im 2m-Band. Die Echtzeitüberwachung der Füllstände ermöglicht eine Prognose des Kraftstoffbedarfs in einer Region sowie die Organisation der Kraftstoff-Logistik zur Versorgung der angeschlossenen Standorte. Zusätzlich können auch die Standorte und Füllstände mobiler Notstromaggregate oder auch der Vorrat und Bedarf dringend benötigter Medikamente überwacht werden. Der TankNotStrom-Leitstand stellt dabei das zentrale System im Krisenstab dar und unterstützt auch eine Priorisierung der Verteilung einsatzkritischer Ressourcen. Die Stromversorgung des Kommunikationsnetzes und der TNS-Komponenten wird dabei autark durch die überwachten Notstromaggregate gewährleistet und damit ein resilientes, selbsterhaltendes System geschaffen.

4) Bevölkerungsnaher Katastrophenschutz – Katastrophenschutz-Leuchttürme (Kat-Leuchttürme)

Die Information und Kommunikation mit der Bevölkerung ist im Krisenfall von elementarer Bedeutung. Daher wurde im Rahmen eines Sicherheitsforschungsprojekts ein System von Katastrophenschutz-Leuchttürmen (Kat-Leuchttürme) als Anlaufstellen für die Bevölkerung entwickelt. Dabei werden notstromversorgte kommunale Gebäude, etwa Feuerwachen, Krankenhäuser sowie Rat- und Gemeindehäuser mit Hilfe eines Kat-Leuchttürme-Sets ertüchtigt. Die Kat-Leuchttürme ermöglichen dem Katastrophenschutz die Vermittlung von Informationen zur aktuellen Lage sowie zu Orten medizinischer Versorgung, Trinkwasserversorgung, Lebensmittel- und Brennstoffverteilung. Außerdem besteht für die Bevölkerung die Möglichkeit, Notrufe an die Feuerwehr oder die Polizei abzusetzen. Pflegeheime und andere kritische Einrichtungen können ebenfalls an das Kat-Leuchttürme-System angebunden werden. Kat-Leuchttürme können stationär, aber auch mobil in Fahrzeugen eingerichtet werden.

Ausfallsicheres Kommunikationssystem

Das TNS-System und das Kat-Leuchttürme-System bilden die technischen Grundlagen für ein ausfallgeschütztes Kat-Schutz-Kommunikationssystem. Unbedingtes Ziel in einer Katastrophenlage ist die Aufrechterhaltung der Kommunikation für alle KRITIS, BOS und Krisenstäbe. Der BOS-interne TETRA Digitalfunk kann und darf aus rechtlichen Gründen dafür nicht genutzt werden. Eine Lösung dafür ist das KomRe-Netz, das von externen Providern und deren Infrastruktur unabhängig und nur über notstromversorgte Standorte miteinander vernetzt ist. Es ist in einigen Regionen in Deutschland bereits seit Jahren erfolgreich im Einsatz bzw. steht dessen Einführung kurz bevor.

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