Rettung unter extremen Bedingungen

Hoch hinaus in einem Helikopter? Für die Luftretter vom Christoph 4 - Marc Lüpkemann und Dr. Christian Macke – nichts Neues. Aber 30 Meter unter einem Hubschrauber angebunden?

Die Teilnehmer erlebten die Rettung aus einer simulierten Gefahrensituation am...
Die Teilnehmer erlebten die Rettung aus einer simulierten Gefahrensituation am eigenen Leib.
Quelle: Marc Lüpkemann / JUH

Im Rahmen der Jahresfortbildung der Zivilschutzhubschrauberstationen sind die Luftretter des Christoph 4 aus Hannover bei den Kollegen des Christoph 14 in Traunstein/Oberbayern zu Gast gewesen.

Mit dem Hubschrauber zum Einsatzort in der „Hannoverschen Tiefebene“: beruflicher Alltag für Marc Lüpkemann, Johanniter-Notfallsanitäter und TC-HEMS (Technical Crew Member Helicopter Emergency Medical Services) und für seinen Kollegen, Dr. Christian Macke (Medizinische Hochschule Hannover), ärztlicher Leiter vom hannoverschen Luftretter Christoph 4. 

Die gastgebenden Kollegen der Station des Christoph 14 sind da allerdings anderes gewohnt: Rettung in den Bergen. „Es ist schon etwas Besonderes, an einem scheinbar dünnen Seil mehr als 30 Meter unter dem Helikopter zu hängen. Das ist schon extrem, was die Kollegen hier in den Bergen leisten“, sagt Marc Lüpkemann. „Der Notarzt/Bergretter am Seil muss sich voll auf den Piloten und den einweisenden HEMS verlassen, denn sein Leben hängt buchstäblich von ihnen ab.“

Das heißt: Eine Rettung unter extremen Bedingungen. „Wenn der Rettungshubschrauber beim Verletzten nicht landen kann, wenn Bäume und Berge eine sichere Landung unmöglich machen, dann kommt ein langes Seil (Tau) zum Einsatz. Daran hängen die Retter in luftiger Höhe“, erklärt Robert Portenkirchner, leitender TC-HEMS der Station Christoph 14. „Der Rettungshubschrauber fliegt mit dem Bergretter am Seil an die Einsatzstelle und lässt diese im Schwebeflug herunter.“ Nach Kontaktaufnahme und Erstversorgung des Patienten kann dieser aus der besonderen Lage gerettet werden. 

Auch sein Kollege Dr. Christian Macke war beeindruckt: „Es war einfach spannend, besonders die perfekte Kommunikation zwischen Pilot, HEMS und Notarzt zu beobachten. Der Rettungstau- oder Windeneinsatz könnte natürlich auch für manche Einsätze in unseren geografischen Breiten interessant sein. Dem gegenüber stehen allerdings ein hoher Trainingsaufwand und eine eher überschaubare Anzahl an derartigen Rettungseinsätzen.“

Photo: Rettung unter extremen Bedingungen Photo: Rettung unter extremen Bedingungen Photo: Rettung unter extremen Bedingungen Photo: Rettung unter extremen Bedingungen

An der zweitägigen Übung haben 40 Retter aus dem gesamten Bundesgebiet teilgenommen. Neben der praktischen Übung – hängend am Seil – durfte der theoretische Teil der Bergrettung nicht fehlen. Dazu ging es in das Fortbildungszentrum der Bundespolizei im Kührointhaus. Thema waren weitere Einsatzszenarien speziell auf dem Hintergrund der Bergrettung.
„Die drei Tage in Traunstein waren sehr lehrreich. Ein toller Austausch“, sagt Johanniter Marc Lüpkemann. „Zum Beispiel stellen die Kollegen ihr Material ganz anders zusammen. Denn im Einsatz brauchen die Bergretter im Inneren des Hubschraubers mehr Platz für den Tau- oder Windeneinsatz. Die Innenraumaufteilung ist somit deutlich anders.“

Beteiligt an der Übung war die Bundespolizei Fliegerstaffel Oberschleißheim, die Bergwacht Berchtesgaden, die Einsatzkräfte der Station Christoph 14 Traunstein in Oberjettenberg sowie das Bayrische Rote Kreuz.

Ein großer Dank gilt dem Team des Christoph 14 für die Ausrichtung und Organisation, der Bundespolizei Fliegerstaffel Oberschleißheim für die Durchführung der Übung, dem Bundespolizeifortbildungszentrum Kührointhaus für die Gastfreundschaft, sowie dem Bayerischen Roten Kreuzes für die Übernahme der Unterkunfts- und Verpflegungskosten, sind sich Macke und Lüpkemann einig.


Das Team von Christoph 4

An der Luftrettung mit dem Christoph 4 sind eine Vielzahl an Institutionen beteiligt. Die Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. Landesverband Niedersachsen/Bremen ist für den Dienstbetrieb des Hubschraubers verantwortlich und stellt die Notfallsanitäter, die über eine Zusatzausbildung (TC-HEMS: Technical Crew Member Helicopter Emergency Medical Services) für den Flugbetrieb verfügen. Die Piloten gehören der Bundespolizei, Fliegerstaffel Nord Stützpunkt Gifhorn, an und führen die Wartung und Instandhaltung des Hubschraubers durch. Die Notärzte kommen aus der Unfallchirurgischen Klinik der MHH. Die ärztliche Leitung hat seit 2016 Dr. Christian Macke inne. Leitender HEMS-TC am Christoph 4 ist Volker Hubrich. Träger des Luftrettungsstützpunktes in Hannover ist das Land Niedersachsen.

Verwandte Artikel

Ein bisschen Seelenarbeit

Ein bisschen Seelenarbeit

Mal ist nur eine Steckdose kaputt, mal muss ein Handsender oder ein defektes Gerät gewechselt werden – der technische Hausnotrufdienst (HNR) der Johanniter-Unfall-Hilfe rückt täglich mehrmals aus, um zu gewährleisten, dass das HNR-System auch...

Johanniter versorgen Verletzten bei Festival

Johanniter versorgen Verletzten bei Festival

Mit dem Alarmierungsstichwort "ManV-252", das steht für Massenanfall von 25 Verletzen, wurden am vergangenen Sonnabend die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Ortsverbände Garrel und Cloppenburg der Johanniter-Unfall-Hilfe alarmiert....

Zivilschutz-Hubschrauber heben 800.000 Mal ab

Zivilschutz-Hubschrauber heben 800.000 Mal ab

Im Jahr 2020, in dem die zivile Luftrettung in Deutschland 50 Jahre alt wird, haben die Zivilschutz-Hubschrauber des Bundes ihren 800.000. Einsatz geflogen. Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK),...

:

Photo

Zivilschutz in Deutschland

Der Sprachgelehrte Jakob Grimm schrieb 1830 an den Rechtsgelehrten Carl von Savigny: „Möge der Himmel Deutschland erhalten!“ Mehrfach war es seither mit der Erhaltung sehr knapp. Der Verfasser…