THW in Madagaskar: Aufbau der Trinkwasseraufbereitungsanlage

Bonn/Madagaskar. Die Expertinnen und Experten der Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland (SEEWA) des Technischen Hilfswerks (THW) haben einen geeigneten Ort für die Trinkwasseraufbereitungsanlage in Madagaskar identifiziert. Die Ultrafiltrations-Anlage wurde nach Mananjary an der Ostküste Madagaskars verlegt. Dort bauen die Einsatzkräfte aktuell ihr Camp und die Anlage auf und stellen so die Trinkwasserversorgung in den betroffenen Gebieten wieder her. „Die Leistungsfähigkeit der Aufbereitungsanlage des THW ist höher als die vieler lokaler Wasserwerke. Durch die Tests in unseren mobilen Laboren können die Menschen vor Ort zeitnah sicheres Trinkwasser nach WHO-Standard erhalten“, sagt THW-Präsident Gerd Friedsam.

THW in Madagaskar: Aufbau der Trinkwasseraufbereitungsanlage
Quelle: Technisches Hilfswerk (THW)

Ein dreiköpfiges Vorausteam der SEEWA hat in der Stadt Mananjary an der Ostküste des Inselstaats einen Aufbauort für eine aus Deutschland mitgeführte Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWA) gefunden. Die in einzelne Module aufgeteilte Anlage bauen die Einsatzkräfte aktuell im erkundeten Gebiet auf. Die eingesetzte Wasseraufbereitungsanlage des Typs WTC 5000 arbeitet mit dem Prinzip der Ultrafiltration. Zunächst wird das Wasser in großen Rohwasserbecken gesammelt. In diesem Stadium lagert sich bereits ein Großteil der Schmutzpartikel auf dem Boden der Behälter ab. Danach gelangt das Rohwasser in die Anlage und wird zuerst grob und dann fein gefiltert. Anschließend wird das Rohwasser in einem Membranmodul weiter gereinigt. Diese halten sowohl Partikel wie zum Beispiel Sand als auch Bakterien und Viren zurück. Zum Abschluss des Aufbereitungsprozesses desinfizieren die THW-Kräfte das Wasser mit Chlor. Die Trinkwasserqualität überprüft der/die Laborant/in des THW laufend in einem mobilen Labor. Gelagert wird das gereinigte Wasser bis zur Abgabe an die Bevölkerung in Wasserblasen mit einem Volumen von jeweils 10.000 Litern. So wird sichergestellt, dass es zwischen Abgabe und Verbrauch nicht verunreinigt wird.

„Mit dem Aufbau der Anlage ist ein erster wichtiger Schritt gegen die Versorgungskrise vor Ort geschafft“, erklärt THW-Präsident Gerd Friedsam. „Wir rechnen damit, dass wir schon Ende der Woche etwa 30.000 Menschen pro Tag im Katastrophengebiet mit sauberem Wasser versorgen werden“, sagt Gerd Friedsam.

Sauberes Trinkwasser verringert die Verbreitung von Krankheiten. Der Zyklon hat die Trinkwasserversorgung in Madagaskar schwer getroffen. Nach Schätzungen sind rund 22.000 Menschen obdachlos, was umgerechnet circa 6.200 Haushalten entspricht, die den Zugang zu sauberem Wasser verloren haben. Die Expertinnen und Experten der SEEWA organisieren neben der Trinkwasseraufbereitung, die Wasserabgabe, die Wasseranalyse und die Instandsetzung zerstörter Wasserversorgungssysteme wie zum Beispiel Brunnen. Auch stellen sie die Versorgung einfacher Sanitäreinrichtungen sicher und stehen zur fachtechnischen Beratung zur Verfügung. Insgesamt 16 Tonnen Ausstattung brachten die Einsatzkräfte auf dem Landweg nach Mananjary. Da bislang noch nicht alle Hauptverkehrswege in Madagaskar für Großfahrzeuge befahrbar sind, luden die THW-Kräfte das Material an einem Umschlagplatz von Lastkraftwagen auf Pickups um. Die Geländewagen transportierten die Ausstattung der SEEWA an ihren Einsatzort. 

Das THW ist die ehrenamtliche Einsatzorganisation des Bundes. Das Engagement der bundesweit mehr als 80.000 Freiwilligen, davon die Hälfte Einsatzkräfte, ist die Grundlage für die Arbeit des THW im Bevölkerungsschutz. Mit seinem Fachwissen und den vielfältigen Erfahrungen ist das THW gefragter Unterstützer für Feuerwehr, Polizei, Hilfsorganisationen und anderen. Das THW wird zudem im Auftrag der Bundesregierung weltweit eingesetzt. Dazu gehören unter anderem technische und logistische Hilfeleistungen im Rahmen des Katastrophenschutzverfahrens der Europäischen Union sowie im Auftrag von UN-Organisationen.


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