18.11.2022 •

Moore: Wertvolle Klimaschützer

Intakte Moore speichern mehr Kohlendioxid als andere Landschaftsformen und sind Lebensraum für seltene Tiere- und Pflanzenarten. Doch nur noch zehn Prozent der deutschen Moore erfüllen diese Funktionen. Mit der Nationalen Moorschutzstrategie, die das Bundeskabinett beschlossen hat, sollen Moore geschützt und wiederhergestellt werden. Hier wichtige Fragen und Antworten dazu.

Welche Bedeutung haben Moore für den Klima- und Biodiversitätschutz?

Derzeit sind über 90 Prozent der deutschen Moore entwässert und verursachen jährlich etwa 53 Millionen Tonnen CO2-Emmissionen. Das sind rund 7,5 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen. Die entwässerten Moore werden für die Land- und Forstwirtschaft oder als Siedlungs- und Verkehrsflächen genutzt.

Funktionierende Moore sind dagegen außergewöhnlich gute Speicherquellen für CO2. So speichern Moore bei nur 5 Prozent der deutschen Landfläche genauso viel Kohlenstoff wie alle deutschen Wälder zusammen.

Nasse Moore dienen zudem als Lebensraum für hochspezialisierte, an die Umgebung angepasste und deshalb seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Zudem erfüllen sie durch ihre Wasserspeicherkapazität wichtige Funktionen als Temperatur- und Feuchtigkeitsregulatoren.

Welche Ziele setzt die Nationale Moorschutzstrategie?

Mit der Nationalen Moorschutzstrategie wurden alle notwendigen Schritte beschlossen, um intakte Moore zu schützen und bisher entwässerte Moorböden wiederherzustellen und in eine nachhaltige Bewirtschaftung zu überführen. So sollen bis 2030 die CO2-Emissionen aus Moorböden jährlich um mindestens 5 Millionen Tonnen reduziert werden. Die Umsetzung der Strategie kann damit einen signifikanten Beitrag zur angestrebten Klimaneutralität bis 2045 leisten.

Zudem setzt die Strategie auf den Schutz der Biodiversität, um Moore als Lebensräume zu erhalten. Es werden konkrete Ziele und Maßnahmen benannt, die bei der jeweiligen Nutzungsart der Moore zu berücksichtigen sind.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke: „Intakte Moore und Moorböden helfen dabei, unsere Klimaschutzziele zu erreichen und bieten außerdem einen einzigartigen Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Sie halten Wasser in der Landschaft und beugen so Dürren vor.“

Die Bundesregierung setzt sich für den Schutz intakter Moore, die...
Die Bundesregierung setzt sich für den Schutz intakter Moore, die Wiedervernässung trockengelegter Moore und die Etablierung klimaverträglicher Bewirtschaftungsweisen ein.
Quelle: Bundesregierung | Foto: imago/blickwinkel

Welches sind die wichtigsten Themen der Moorschutzstrategie?

Insgesamt umfasst die Strategie zehn Handlungsfelder mit 49 Zielen und 117 Maßnahmen. Die wichtigsten Themen der Moorschutzstrategie sind:

  • Erhalt aller noch bestehenden naturnahen Moore und deren Wiederherstellung
  • Wiedervernässung von land- und forstwirtschaftlich genutzten entwässerten Moorböden
  • Entwicklung angepasster Bewirtschaftungsformen für wiedervernässte Moorböden, wie zum Beispiel Paludikulturen
  • Vorbildwirkung des Bundes und Maßnahmen auf Bundesflächen
  • Ausstieg aus der Torfnutzung für Substrate und Erden

Was ist konkret im Bereich der Wiedervernässung von land- und forstwirtschaftlich genutzten entwässerten Mooren geplant?

Land- und forstwirtschaftliche Aspekte sind ein Schwerpunkt der Strategie. So wird die freiwillige Wiedervernässung der genutzten Moorböden gefördert. Dafür wird es finanzielle Anreize geben. Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter sollen bei der Umstellung auf klimafreundliche, nachhaltige Bewirtschaftungsweisen unterstützt werden. Einkommenseinbußen sollen ausgeglichen werden.

Wie kann die Umsetzung der Moorschutzstrategie gelingen?

Entscheidend ist, dass mit der Moorschutzstrategie ein integrativer und kooperativer Ansatz gegangen wird. Die Bundesregierung wendet sich dazu an alle gesellschaftlichen Akteure. Die Umsetzung kann nur im Schulterschluss mit der örtlichen Bevölkerung, Eigentümern, denjenigen, die die Flächen derzeit bewirtschaften, sowie denjenigen, die zum Beispiel als Anrainer von Mooren von zukünftigen Maßnahmen betroffen sein können, gelingen.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir erklärte dazu:

„Beim Moorbodenschutz heißt es alle an Bord zu holen: Für die Höfe muss es sich lohnen, klimafreundlich zu arbeiten. Viele Bauernfamilien wirtschaften seit Generationen auf Moorstandorten. Mit der Nationalen Moorschutzstrategie übernehmen wir genau hier Verantwortung.“

Zudem ist eine enge Zusammenarbeit von Bund und Ländern vorgesehen. Die Nationale Moorschutzstrategie wird deshalb durch die 2021 beschlossene „Bund-Länder-Zielvereinbarung zum Klimaschutz durch Moorbodenschutz“ ergänzt, die eine Brücke zu den Moorschutzstrategien der Länder bildet.

Wie kann eine nachhaltige Bewirtschaftung wiedervernässter Moore aussehen?

Neue Bewirtschaftungsformen auf wiedervernässten und weiter genutzten Moorböden werden derzeit durch eine verstärkte Förderung von Forschung und Entwicklung konsequent weiterentwickelt. Hierbei stehen nicht nur der Anbau moorverträglicher Kulturen oder extensive Viehhaltung im Mittelpunkt, sondern auch die Entwicklung ökologisch vorteilhafter Produkte und Dienstleistungen sowie die Schaffung von Vermarktungsketten.

Dazu zählt zum Beispiel eine nachhaltige naturverträgliche Energiegewinnung, wie Photovoltaik auf wiedervernässten, ehemals intensiv genutzten Moorböden.

Was tun BMUV und BMEL, um Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet voranzubringen?

Das BMUV fördert in den wichtigen großen Moorregionen Deutschlands vier Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz. Damit sollen Lösungswege zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen aufgezeigt und Erkenntnisse für den Klimaschutz gewonnen werden. Dafür stellt das BMUV insgesamt 48 Millionen Euro von 2021 bis 2031 bereit.

Das BMEL hat zur klimafreundlichen Bewirtschaftung von Moorstandorten zudem Modell- und Demonstrationsvorhaben mit einem Umfang von über 100 Millionen Euro bis 2032 auf den Weg gebracht.

Zudem hat das Ministerium im Juli 2022 eine Torfminderungsstrategie vorgestellt, die vor allem auf Aufklärung und Freiwilligkeit setzt. Ziel ist, die Verwendung von Torf im Freizeitgartenbau bis 2026 vollständig und im Erwerbsgartenbau bis 2030 weitestgehend zu reduzieren.


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