13.07.2020 •

Anno Domini 2020 – Die Welt hat Corona

Heinz Neumann

Raphaël Dunant, Gajmar, Wiki Commons

Wir sind Augenzeugen eines historischen Ereignisses – einer weltweiten Pandemie, die innerhalb von Wochen den gesamten Planeten erfasst hat. Und wir befinden uns immer noch mitten drin, jetzt, in diesem Sommer 2020.

Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass nach der Überwindung der größten Infektionsgefahren die Probleme erst richtig beginnen. Weltweit werden alle Anstrengungen nötig sein, um ein Wiederaufflammen der Infektionen zu verhindern, und das wird andauern, bis ein Impfstoff existiert.

Die Restriktionen werden schrittweise gelockert, die Wirtschaft wird in weiten Bereichen trotzdem irreparabel Schaden nehmen. Die Aufarbeitung dieser Schäden wird uns noch jahrelang beschäftigen. Die Auswirkungen auf die Existenz von Millionen Menschen werden drastisch sein.

Unvermeidliche Ungerechtigkeiten, Ungleichbehandlungen der vielen unterschiedlichen Gruppen, die Sortierung in systemrelevante und weniger wichtige Bereiche rufen gesellschaftliche Verwerfungen hervor. Die anfängliche Solidarität im Angesicht einer Krankheit, die jeden befallen kann, bröckelt allmählich. Neid, Protest, Forderungen, unfaires Verhalten, Überleben um jeden Preis, ungerechtfertigte Vorteilsnahmen, Einsatz politischer und wirtschaftlicher Macht zum Wohl der eigenen Klientel – das alles ist zutiefst menschlich. Krisen und Kriege bringen immer auch die hässlichen Seiten der Menschen ans Licht.

Sicher werden wir auch lernen aus der Krise. Vielleicht wird die Dominanz der Betriebs- und Marktwirtschaft als Erklärungsmodell für das gesamte Leben in Frage gestellt. Vielleicht wird die Stärkung der Resilienz von Individuen und Staaten eine größere Bedeutung erlangen. Vielleicht wird sich die Bewertung wichtiger und unwichtiger Berufe und Funktionen in Zukunft ändern. Vielleicht werden kluge Maßnahmen ergriffen, damit wir nicht noch einmal einer solchen Bedrohung hilflos ausgeliefert sind. Aber erst einmal müssen wir die Krise überwinden. Und viel später ist da noch der innere Schweinehund und das Vergessen und Verdrängen von Gefahren, wenn sie überwunden scheinen.

Wieviel Hoffnung dürfen wir haben für die Zukunft? Der Lerneffekt aus der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges hat erstaunlich lange angehalten, und man möchte sich etwas Ähnliches auch für die Erfahrungen aus der Corona-Krise wünschen. Augenblicklich jedoch entzieht sich dieses Ereignis in seiner monströsen Außergewöhnlichkeit einer resümierenden Berichterstattung. Es gibt niemanden, der heute den Überblick über das gesamte Geschehen hat oder sicher voraussagen kann, wie die Entwicklung weiter geht.

Bleiben Sie gesund!

Ihre CP-Redaktion

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