11.06.2019 •

SoftShell-Jacken im Rettungsdienst

Die unsichtbare Gefahr?

Kai Wollwert

Geilenkothen

SoftShell-Jacken im Arbeitsschutz sind modern, sportlich, leicht, bequem und vor allem eins – extrem angesagt. Aber: Ist SoftShell immer gleich SoftShell? Ganz klar: Nein! Es gibt große Unterschiede bei den angebotenen Produkten. Erst recht, wenn die Anforderungen an persönliche Schutz­ausstattung im Rettungsdienst berücksichtigt werden müssen. Ein genauerer Blick lohnt sich daher.

„SoftShell“ ist zunächst einmal kein geschützter Begriff. Mit SoftShell werden zumeist Materialien bezeichnet, die aus mindestens 2 Textilien bestehen und miteinander verklebt werden. Auf der Außenseite (Oberware) kommt zumeist ein Polyestergewebe zum Einsatz. Zum Körper hin (Abseite) wird in der Regel ein wärmendes Fleece aufgebracht. Die Materialien sind bei einfachen SoftShells nur miteinander verklebt. Bei hochwertigen SoftShells wird als Funktionsschicht noch zusätzlich eine Membrane in das Sandwich eingebaut.

Diese Membrane erweitert den Einsatzbereich der Bekleidung durch höhere Isolation in windiger, zugiger Umgebung deutlich: Die Schutzkleidung ist winddicht. Zusätzlich bieten SoftsShells mit integrierter Membrane einen deutlich höheren Schutz gegen leichten Niederschlag und Flüssigkeiten, als Soft-Shells ohne Membran dies leisten können. Bei nicht oder nur begrenzt winddichten SoftShells kann der Träger oder die Trägerin in zugiger, kühler Umgebung deutlich schneller auskühlen. Zudem dringt Feuchtigkeit schon beim geringsten Druck auf die Bekleidung durch das Material.

Detail einer SoftShelljacke Bavaria von GSG
Detail einer SoftShelljacke Bavaria von GSG
Quelle: Geilenkothen
Fabrik für Schutzkleidung GmbH

Ein vorgebrachtes Argument, um auf Membranen zu verzichten, ist die (irrige) Annahme, dass die Atmungsaktivität dadurch höher ist. Dem ist nicht zwangsläufig so: Eine flächige Verklebung bei einfachen SoftShells ohne Membrane kann die Atmungsaktivität sogar drastisch verringern. Bei hoch atmungsaktiven PTFE-Membranen wie beim WINDSTOPPER® Laminat von Gore geht der oben genannte zusätzliche Schutz nicht zu Lasten der Atmungsaktivität. Der Tragekomfort ist genauso hoch oder höher wie bei SoftShells gleicher Isolation ohne Membrane – bei besserem Schutz. Eine solche hochwertige SoftShell-Bekleidung ist eine sinnvolle Ergänzung im Rettungsdienst.

Grundsätzlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass KEINE SoftShell-Jacke die Vorgaben der DGUV-R 105 - 003 für Schutzkleidung im Rettungsdienst vollständig erfüllt. SoftShell-Jacken sind im besten Fall wasserabweisend, mangels Nahtversiegelung jedoch niemals wasserdicht. Aber genau das fordert die EN 343 Schutzkleidung – Schutz gegen Regen.

Dennoch halten wir fest: Hoch atmungsaktive SoftShells (Ret < 8) mit Membrane schützen länger und besser vor Feuchtigkeit als lediglich verklebte Stoffe. Dies gilt verstärkt, wenn die im Neuzustand zumeist zusätzlich aufgebrachte wasser- und ölabweisende Imprägnierung durch Wäsche oder Gebrauch in der Wirksamkeit nachlässt. Damit stellt sich die Frage:

Wie finden Sie heraus, ob eine Membrane in der SoftShell-­Jacke verbaut ist?

Variante 1: Muldentest

Spannen Sie einen nahtfreien Bereich der Jacke so über einen Eimer, dass sich in der Mitte eine Mulde bildet, in die Sie 0,5 Liter Wasser schütten. Steht nach 24 Stunden noch Wasser in der Mulde, ist eine dauerhaft wasserabweisende und winddichte Membrane verbaut. Ist das Wasser durch die Jacke auf den Eimerboden gedrungen, ist davon auszugehen, dass keine Membrane verbaut wurde, der Träger in dieser Jacke recht schnell nass wird und zudem keine oder nur geringe Winddichtigkeit gegeben ist.

Variante 2: Vergleichen Sie die Pflege­etiketten

Prüfen Sie auf den Pflegeetiketten die Materialzusammensetzung. Ist dort neben dem Ober- und dem Unterstoff (Innenseite) auch eine Materialangabe zur Membrane angegeben, z. B. PTFE oder PU, oder nicht? Bei Pflegeetiketten von GSG-Bekleidung finden Sie grundsätzlich IMMER eine Angabe zum Material der Membrane. 

Worauf Sie sich verlassen können: SoftShell-Jacken von GSG verfügen grundsätzlich IMMER über eine integrierte Membrane, entweder aus PU als Windbreaker oder aus PTFE als hoch atmungsaktives WINDSTOPPER® SoftShell von GORE. SoftShell-Warnschutzjacken von GSG erfüllen die ISO 20471 (zumeist auch schon in der kleinsten Größe) in der höchsten Warnschutzklasse 3. Sie sind desinfizierend waschbar nach RKI (ISO 15797 Verfahren 2) und bieten darüber hinaus das definierte Brennverhalten gem. EN 13274 - 4. Somit werden drei von vier Kernforderungen der DGUV-R 105 - 003 erfüllt.

Warnschutz SoftShell-Jacken von GSG bieten folgende, neutral belegbare Vorteile:

  • Warnschutz gem. ISO 20471
  • Desinfizierend waschbar gem. ISO 15797 Verf. 2
  • Definiertes Brennverhalten gem. EN 13274 - 4
  • Hohe Wassersäule (Dichtigkeit) auf der Fläche von 2.000 mm²
  • Sehr hohe Atmungsaktivität



Aufgepasst!

Wenn Sie SoftShell-Jacken im Rettungsdienst einsetzen wollen: Prüfen Sie VOR der Kaufentscheidung, ob diese über eine integrierte Membrane verfügen. Lassen Sie sich nicht von hübschem Design, weichem Griff und geringem Gewicht täuschen. 


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