Bildung und Ausbildung im Bevölkerungsschutz Gestern - heute - morgen

Prof. Dr. Harald Karutz

Bildagentur PantherMedia / Mihajlo Maricic

Weil das Verständnis von Lernprozessen sowie der Entwicklung und Förderung von Handlungskompetenz in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, werden auch Unterrichtskonzepte und übergreifende Bildungsangebote permanent weiterentwickelt. Vielfältige Veränderungen sind nicht mehr nur im allgemeinbildenden Schulwesen und in der beruflichen Bildung zu beobachten, sondern inzwischen auch im Bereich des Bevölkerungsschutzes. Der folgende Beitrag bietet zu diesem Thema einen knappen, orientierenden Überblick.

Bildung und Ausbildung im Wandel der Zeit

Tradierte Lehr- und Lernveranstaltungen knüpften insbesondere an die Vorstellung des sogenannten "Nürnberger Trichters" an, d. h. es ging vorrangig um instruktives Lernen - die Vermittlung von Wissen. Dozierende Lehrkräfte waren dafür zuständig, Auszubildenden bzw. Kursteilnehmern in "Frontalsettings" möglichst viel Input zu bieten, der weitgehend passiv aufgenommen und abgespeichert werden sollte: Nur ungern erinnert man sich an "Druckbetankungen" mit unzähligen Overhead- bzw. auch Power-Point-Folien und die immer wieder deutlich kritisierte "Schräubchenkunde". 

Neue Erkenntnisse über das menschliche Lernverhalten und die Wirkung von Unterrichtsmethoden haben längst jedoch deutlich gemacht, wie wichtig eine kognitive Aktivierung von Auszubildenden ist; wie wertvoll z. B. problemorientierte und selbstorganisierte Lernprozesse sein können - und dass Lernende nicht nur konsumieren, sondern eigenständig konstruieren. Der früheren "Input"-Orientierung in tradierten Kursformaten wurde auf diese Weise eine "Output"-Orientierung entgegengesetzt; reine Wissensvermittlung wurde weitgehend von (lebenslang andauernden!) Prozessen der Kompetenzentwicklung abgelöst.

Bevölkerungsschutzbildung

Auch im Bevölkerungsschutz werden Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen zunehmend nach aktuellen erziehungswissenschaftlichen Erkenntnissen organisiert und ausgerichtet. In zahlreichen Symposien, Arbeitskreisen und Fachgremien werden pädagogische Fragestellungen diskutiert. Nicht zuletzt ist "Bevölkerungsschutzpädagogik" dabei, sich als erziehungswissenschaftliche Sub- bzw. Spezialdisziplin zu etablieren. Bezogen auf unterschiedliche Zielgruppen können daraus vielfältige pädagogische Perspektiven abgeleitet werden: 

Um die Selbsthilfefähigkeit von Kindern und Jugendlichen zu stärken, sollten Themen des Bevölkerungsschutzes zukünftig möglichst niedrigschwellig mit alltäglichen Bildungsangeboten in Kindergärten und Schulen verknüpft werden, insbesondere mit dem Bereich der Gesundheitserziehung.

In bildungsorganisatorischer Hinsicht sind u. a. ressortübergreifende Kooperationen zwischen Institutionen und Organisationen der Gefahrenabwehr mit Familienbildungsstätten wünschenswert.

Erwachsene sollten bevölkerungsschutzbezogene Bildungsangebote modular, individualisiert und "auf Augenhöhe" vermittelt bekommen. Vor allem der von Prof. Beerlage aus Magdeburg erarbeitete "Settingsansatz" scheint in diesem Zusammenhang zielführend zu sein. Darüber hinaus sollten „change agents“ bzw. Multiplikatoren ausgebildet werden, um die bislang bestehende "Intentions-Verhaltens-Lücke" durch persönliche Beratung und Begleitung schließen zu können.

Bei Einsatzkräften kommt der kompetenzorientierten Überarbeitung bisheriger Curricula, der Einführung von Mentoren-Programmen, der Digitalisierung von Unterricht sowie der Harmonisierung von Unterrichtsinhalten über Organisations- und Landesgrenzen hinweg eine besondere Bedeutung zu. 

Gleichwohl sind unzählige bildungsorganisatorische, didaktische und methodische Fragestellungen derzeit noch unbeantwortet; weitere Forschung ist dringend erforderlich. Nicht zuletzt sollte stets im Auge behalten werden, welche pädagogischen Innovationen innerhalb des Bevölkerungsschutzsystems auch tatsächlich hilfreich sind und bei den jeweiligen Akteuren überhaupt Akzeptanz finden. Hier bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten; eine kritisch-konstruktive Begleitung ist sicherlich angebracht.

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