Zweites Symposium Psychosoziales Krisenmanagement
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
BBK
Aus dem gesamten Bundesgebiet kamen am 18. und 19. Mai zum zweiten Mal Expertinnen und Experten der PSNV zusammen, um zu diskutieren, welche Ausbildungsinhalte notwendig sind, um Führungskräfte der PSNV auf ihre Aufgaben in komplexen Lagen vorzubereiten. Besonderes Interesse lag daran, zu erörtern, welche Erfahrungswerte es bei der handlungsorientierten Vermittlung der praxisrelevanten Inhalte gibt.
Nach dem erfolgreichen Auftakt der Veranstaltungsreihe „Symposium Psychosoziales Krisenmanagement“ im vergangenen Jahr, fand die Veranstaltung an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) des BBK eine gelungene Fortsetzung. Auch in diesem Jahr bildete das Arbeitsfeld „Qualifizierung von Führungskräften der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV)“ den Themenschwerpunkt der Vorträge und Workshops. Zu den Teilnehmenden zählten Fachleute aus Feuerwehren, Hilfsorganisationen, der Feuerwehrseelsorge, des THW, der Bundeswehr, der Notfallseelsorge sowie der Notfallpsychologie.
Renommierte Referentinnen und Referenten aus unterschiedlichen Fachdisziplinen stellten folgende Themen vor:
Virtuelles Simulationstraining für PSNV-Führungskräfte (Jens Oberndörfer, Peter Waterstraat & Janis Oberndörfer)
Die Führungsaufgaben, die in der PSNV im Ereignisfall (Großschadensfall) notwendig sind, werden von den Führungskräften im Arbeitsalltag nicht regelhaft angewendet. Um die Rolle der Führungskraft einnehmen zu können, ist ein strukturelles Umdenken erforderlich.
Schon in der Ausbildung sollte durch gut vorbereitete praktische Übungen der Rollenwechsel geübt werden. In den Arbeitsgruppen zum Thema „Virtuelles Simulationstraining für PSNV-Führungskräfte“ wurde exemplarisch vorgestellt, wie eine inhaltliche Vermittlung des Perspektivwechsels handlungsorientiert erfolgen kann.
Schnittstellen für PSNV-Führungskräfte in CBRN-Lagen (Thorsten Rönisch & Mark Overhagen)
CBRN-Lagen (chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahrenlagen) bedeuten sowohl für die Betroffenen als auch die Einsatzkräfte eine hohe psychische Belastung. Die Einbindung von PSNV in solche speziellen Lagen ist eine besondere Herausforderung und erfordert von den verantwortlichen Führungskräften umfassende Kenntnisse. In den Arbeitsgruppen wurde deshalb erarbeitet, wie diese Fachexpertise in den jeweiligen Organisationen handlungsorientiert vermittelt werden kann.
Länderübergreifende Verbundausbildung der norddeutschen Länder (Gerald Manthei)
Am Ende jeder abgeschlossenen Qualifizierung von Führungskräften PSNV stellt sich die Frage:
„Sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Qualifizierung geeignet, in ihrer erlernten Funktion im Einsatz tätig zu werden?“
Die Auswertungen der Berliner Qualifizierungen für die Funktion „Leitung PSNV“ und aus der ersten Länderübergreifenden Verbundausbildung der norddeutschen Länder zeigen, dass die Qualifikationen ein hohes fachliches Niveau aufweisen.
Es fehlen allerdings Kriterien, um die Eignung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer abschließend zu bewerten. Ziel der Arbeitsgruppe war es daher, auf der Grundlage von Praxiserfahrungen angemessene Bewertungskriterien zu entwickeln.
MANV mit Kindern als Herausforderung für PSNV-Führungskräfte (Prof. Dr. Harald Karutz & Verena Blank-Gorki)
Komplexe Gefahren- und Schadenslagen sind für die PSNV per se mit anspruchsvollen Aufgaben verbunden. Ist dann aber auch noch eine Vielzahl an Kindern und Jugendlichen betroffen, kommen weitere Herausforderungen hinzu: Wie erkennt man hoch belastete Kinder und Jugendliche und was benötigen diese? Was muss bei der Hilfeleistung am Einsatzort berücksichtigt werden und wie lässt sich ein psychosoziales Lagebild erstellen?
Diese und weitere Fragen wurden in den Workshops thematisiert. Neben den verschiedenen Aufgaben für PSNV-Führungskräfte wurde vor allem diskutiert, wie die verschiedenen Aspekte in zukünftige Ausbildungen für PSNV-Führungskräfte eingebracht werden könnten.
Darüber hinaus wurden folgende Beiträge zur Veranstaltung von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr interessiert aufgenommen und rege diskutiert:
- Wenn der Kollege im Einsatz verstirbt – Aufgaben des L PSNV (Mark Overhagen)
- Modellprojekt aufsuchende psychosoziale Hilfen in sozialen Medien und ihre Relevanz für PSNV-Führungskräfte (Tom Gehre)
- Checkliste PSNV (Thomas Knoch)
- Ethisches Dilemma in der PSNV (Erneli Martens)
Angesichts der sehr positiven Resonanz ist geplant, diese Veranstaltungsreihe zum Psychosozialen Krisenmanagement auch 2020 fortzusetzen.
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