20.05.2019 •

Neun THW-Ortsverbände nach Brand im Einsatz

THW

Ein instabiler Dachstuhl rief nach einem Brand in Haltern am See am vergangenen Mittwoch gleich neun THW-Ortsverbände auf den Plan: Nachdem ein THW-Baufachberater empfohlen hatte, das Gebäude auszusteifen, gingen insgesamt 50 THW-Kräfte in den Einsatz. Auch im saarländischen Neunkirchen brannte ein Mehrfamilienhaus. Rund 70 THW-Helferinnen und -Helfer aus sieben Ortsverbänden unterstützten die anwesenden Rettungskräfte. 

Nachdem die die Feuerwehr Haltern Mitte den Dachstuhl gelöscht hatte, forderte sie über das THW einen Baufachberater an, um die Standsicherheit des Gebäudes prüfen zu lassen. Der Fachberater aus dem THW-Ortsverband Hattingen entschied, dass das Gebäude mit Baustützen ausgesteift, sowie der Giebel der Gebäudefront mittels des Abstützsystems Holz (ASH) gestützt werden müsse. 

Zum Einsatzort in Haltern am See rückten insgesamt neun THW-Ortsverbände mit...
Insgesamt neun THW-Ortsverbände rückten mit ihren Fahrzeugen zum Einsatzort in Haltern am See aus.
Quelle: THW

Der Ortsverband Haltern am See leuchtete die Einsatzstelle aus und unterstützte die Feuerwehr, indem sie Trümmer und Gebäudeteile räumte. Darüber hinaus versorgten die Ehrenamtlichen des THW die gesamten im Einsatz befindlichen Kräfte mit Strom. Die zusätzlich alarmierten THW-Ortsverbände aus Remscheid, Wuppertal, Schwelm, Essen, Dülmen, Gelsenkirchen und Marl verbauten Baustützen im Gebäudeinneren, um das Gebäude zu stabilisieren. 

Außerdem brachten sie das Abstützsystem Holz an der Gebäudefront an. Für ihre eigene Sicherheit überwachten die Fachkräfte des THW mit dem Einsatzstellen-Sicherungssystem (ESS), das mit Lasertechnologie kleinste Bewegungen in Gebäuden misst, den Einsatz. Das ESS registriert jede mögliche Erschütterung des Gebäudes, um die Einsatzkräfte früh vor einem Einsturz zu warnen.

ASH aufgebaut am Einsatzort Zur Unterstützung der Feuerwehr waren die THW-HelferInnen mit dem... Überwachung des Gebäudes mit dem Einsatzstellen-Sicherungssystem

Auch in Neunkirchen (Saarland) rückte das THW mit sieben Ortsverbänden aus, nachdem es von der Feuerwehr angefordert wurde. Nach einem schweren Brand in einem Wohnhaus unterstützten die THW-Ortsverbände Illingen und St. Ingbert mit jeweils einer Baufachberaterin bzw. einem Baufachberater am Einsatzort, die die Statik des Gebäudes überprüften. Zusätzlich befanden sich rund 70 weitere THW-Fachkräfte aus den Ortsverbänden Spiesen-Elversberg, Neunkirchen, St. Wendel, Heusweiler und Sulzbach im Einsatz. Sie rüsteten das Gebäude mit dem Einsatzgerüstsystem (EGS) ein, führten Bergungsarbeiten durch und betreuten den Einsatz nach.  


Unerschütterliche Fachkompetenz - Baufachberater und Baufachberaterinnen

Ausbildung, Einsätze und Übungen: Technisches Grundwissen bringen alle Ehrenamtlichen im THW mit in den Dienst. Doch gerade nach baulichen Schäden bedarf es Spezialistinnen und Spezialisten, die mit ihrem Wissen und ihrer Kompetenz Gefahrenpotentiale erkennen, sie einschätzen und die richtigen Sicherheitsmaßnahmen empfehlen. Im THW machen das Baufachberater und Baufachberaterinnen. Nach einer umfassenden Ausbildung und mit viel Erfahrung tragen sie so zur Sicherheit der Einsatzkräfte bei.

„Für mich ist besonders schön, wenn am Ende eines Einsatzes die eingesetzten Helferinnen und Helfer mir bescheinigen, dass sie Vertrauen zu meinen Entscheidungen hatten und sich sicher gefühlt haben“, sagt Peter Görgen, Baufachberater im THW-Ortsverband Koblenz. Er geht in den Einsatz, wenn ein Gebäude, eine Brücke oder ein Untergrund instabil, einsturz- oder abrutschgefährdet ist. 

Das kann nach Gasunfällen, Wasserschäden, Bränden oder Erdbeben der Fall sein, aber auch wenn ein Fahrzeug mit einem Gebäude kollidiert. Um eine solche Situation sicher einschätzen zu können, brauchen die Baufachberater und Baufachberaterinnen des THW breites Wissen über Baukunde sowie Gebäude- und Bautechniken im Hochbau. 

Deshalb ist eine Ausbildung und berufliche Tätigkeit im Bauwesen Voraussetzung, um nach der Grundausbildung eine Fachausbildung als Baufachberater oder Baufachberaterin zu absolvieren. Dazu gehören beispielsweise ein Meisterabschluss im Bauhauptgewerbe, ein Studienabschluss im Bereich Technik oder ein Abschluss im Ingenieurwesen. Auch danach müssen sie sich über wichtige aktuelle Entwicklungen in der Bautechnik weiterbilden.

Mit diesen Kompetenzen untersuchen Baufachberater und Baufachberaterinnen vor und während des Einsatzes den Einsatzort systematisch auf Gefahrenpotentiale. Dazu ziehen sie Baupläne, Checklisten und ihre Erfahrungswerte heran. Sie begehen Einsatzstellen und analysieren, ob und welche Möglichkeiten es gibt, die Ehrenamtlichen und das verfügbare Material einzusetzen. 

Im Austausch mit der Einsatzleitung beraten sie hinsichtlich der Einsatztaktik. Dabei geben sie eine Risikoeinschätzung dazu ab, welche Schutzradien um potentielle Gefahrenstellen einzuhalten sind und unter welchen Sicherungsmaßnahmen die Helferinnen und Helfer ihre Arbeit aufnehmen können. Dazu gehören Abstützungen, Gerüste, Fangnetze, besondere persönliche Schutzausstattung und THW-spezifische Geräte und Materialien, wie das Einsatzstellen-Sicherungssystem (ESS), das Einsatzgerüstsystem (EGS) und das Abstützsystem Holz (ASH). In Härtefällen ist es außerdem ihre Aufgabe, zu erkennen, wann weitere Expertinnen und Experten wie Statikerinnen oder Statiker hinzugezogen werden müssen. 

Die Baufachberater und Baufachberaterinnen beraten umfassend, weshalb eine ständige und gute Kommunikation mit der Einsatzleitung vor Ort besonders wichtig ist. Das gilt sowohl für die Zeit vor dem Einsatz, als auch für dessen Verlauf. Denn durch die Maßnahmen, die die Helferinnen und Helfer beispielsweise während Abstützarbeiten vornehmen, kann sich die Sicherheitssituation in einem baulich angeschlagenen Gebäude verändern. 

Deshalb ist die Arbeit der Fachkräfte erst mit Abschluss des Einsatzes getan. Die Baufachberater und Baufachberaterinnen gewährleisten durch ihre konstante Beobachtung, dass sich alle Einsatzkräfte während des gesamten Einsatzes nicht nur sicher fühlen können, sondern auch sicher sind. 

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