Stellprobe Dekon V

Dekontamination von Verletzten – Test von Material und Konzept

BBK

In der Katastrophenmedizin muss es schnell gehen und jeder Handgriff sitzen. Für die Behandelnden und Rettungskräfte in einer Reallage kommt es also darauf an, dass das Material besonders gut erprobt und die Einsatztaktik problemlos darauf abgestimmt ist.

Aus diesem Grund wurde eine Stellprobe für einen Musteraufbau eines Dekontaminationsplatzes für Verletzte (Dekon V) der Medizinischen Task Force (MTF) durchgeführt. Die Maßnahme ist Teil einer BBK-internen Erprobungsreihe zu Funktionalität und Technik für die Verletztendekontamination. Im Zuge einer Übung wurden unterschiedliche Funktionsbereiche aufgebaut und verschiedene Raumaufteilungen sowie Patientenströme nachgebildet.

Kommt es zu einem Schadensereignis mit einer Freisetzung chemischer, biologischer und radionuklearer (CBRN) Gefahrstoffe, müssen Personen, die diesen Gefahrstoffen ungeschützt ausgesetzt waren, dekontaminiert, also von ihnen befreit werden. Sind die Personen zusätzlich verletzt, ergeben sich daraus besondere Ansprüche an die Vorgehensweisen und die Technik eines Dekontaminationsplatzes. Dort sollen sowohl gehfähige als auch liegende Verletzte medizinisch erstversorgt und dekontaminiert werden.

Bei der Stellprobe wurde möglichst unter Realbedingungen gearbeitet, so übten die Mitarbeitenden des BBK in Schutzanzügen. „Manche Tücken in der Handhabung oder beim Material werden einem erst klar, wenn man sie in der Hand hatte, oder nachdem man eine Zeit lang in diesen Schutzanzügen gesteckt hat. Es ist spannend, die Raumordnung und die Ausmaße eines solchen Dekonplatzes mal in Gänze vor Augen zu haben und solche Überlegungen nicht nur am Reißbrett zu machen“, berichtet Dr. Dominik Lorenz, Referent im zuständigen Referat Sanitätsdienst beim BBK.

Bei­spiel­haf­te Ver­sor­gung ei­nes lie­gen­den Ver­letz­ten nach...
Bei­spiel­haf­te Ver­sor­gung ei­nes lie­gen­den Ver­letz­ten (hier: ein Si­mu­la­tor) nach der De­kon­ta­mi­na­ti­on
Quelle: BBK

Besonders die räumliche Anordnung der Dekontaminationsstrecke ist eine Herausforderung, die am besten in der praktischen Umsetzung getestet wird, indem alle Komponenten so aufgebaut und aneinandergereiht werden wie es im realen Schadensfall auch erfolgen würde. Übergeordnetes Motto der Maßnahme war „aus der Praxis für die Praxis lernen“.

Die gewonnenen technischen Informationen wie Größen, Flächen und Volumen werden Eingang in die Vorbereitung von Beschaffungsmaßnahmen für die technische Ausstattung der Fahrzeuge und Ausrüstung der Teileinheit Dekon V finden. Ebenso werden sie in der Evaluation und Fortschreibung taktischer Konzepte berücksichtigt, beispielsweise liefern die Ergebnisse Antworten auf die Fragen: Wie lange dauert der Aufbau der einzelnen Komponenten? Wie viel Platz wird benötigt oder wie viele Personen sollten daran beteiligt sein?

Die Medizinische Task Force des Bundes (MTF) ist auf Schadenfälle ausgerichtet, die mit einem Massenanfall von Verletzten auch unter CBRN-Bedingungen einhergehen. Der „Dekontaminationszug für Verletzte“ soll künftig als modulare Teileinheit der MTF an den 61 Standorten in Deutschland flächendeckend standardisiert vorhanden sein.

Diese soll direkt am Unglücksort oder vor einem Krankenhaus tätig werden können. Im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wurden bereits Teile der MTF-Ausstattung konzipiert und ausgeliefert. Nun geht es darum, die Dekon V-Elemente praktisch zu erproben, damit diese im nächsten Schritt ausgeschrieben werden können, begleitet von Ausbildungsempfehlungen und Leitlinien zur Nutzung.

Die Stellprobe hat gezeigt, wo welche Elemente taktisch am günstigsten zu verorten sind, wie und in welcher Reihenfolge am sinnvollsten aufgebaut wird und wie der maximale Raumbedarf ist. Dies hat beispielsweise Auswirkung auf die Anordnung der Beladung der künftigen Fahrzeuge oder der Zonierung der Funktionsstellen beim koordinierten Aufbau für den Einsatz.

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